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10.09.2018   
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Investmentfonds.de 10.09.2018:

T. Rowe Price: Anreize für die chinesische Wirtschaft



Köln, den 10.09.2018 (Investmentfonds.de) - 

Andrew Keirle, Portfoliomanager im Bereich Emerging 
Local Markets Debt Strategy bei T. Rowe Price

Politische Entscheidungsträger nutzen monetäre, fiskalische
 und regulatorische Hebel
 
Gestützt durch eine potentielle Eskalation des Handelskriegs 
mit den USA treiben innenpolitische Erwägungen den Stimulus an

Dieser Schritt könnte unvermeidliche Auswirkungen auf andere 
Schwellenländer haben, insbesondere in Asien

Nachdem das Interesse der Anleger für Schwellenländer in der ersten 
Jahreshälfte zurückgegangen sei und die Angst rund um die türkische 
Finanzkrise wachse, sei die jüngste Verschiebung Chinas in Richtung 
politischer Stimuli als eine positive Entwicklung zu werten. 
"Die politischen Entscheidungsträger in China reagieren auf die 
Bedenken hinsichtlich des Wachstums und signalisieren eine Lockerung 
auf monetärer, fiskalischer und regulatorischer Ebene", meint 
Andrew Keirle, Portfoliomanager im Bereich Emerging Local Markets 
Debt Strategy bei T. Rowe Price. Dennoch sei es wichtig, diesem 
Schritt der Politiker, ihre zurückhaltende Haltung beim politischen 
Eingreifen zu überwinden, nicht zu viel Bedeutung zu schenken. 
"In den letzten zehn Jahren war die chinesische Politik von Perioden 
der Kreditverknappung geprägt, die von Impulsen zur Unterstützung 
des Wachstums unterbrochen wurden - mit Lockerungszyklen in den 
Jahren 2009, 2012 und 2016", argumentiert Keirle. 

Die gegenwärtigen Maßnahmen stellten vielleicht den Beginn eines neuen 
Zykluses dar, doch sei nicht zu erwarten, dass der Simulus das Niveau 
nach der Finanzkrise erreichen werde. Auch die Auswirkungen auf die 
Rohstoffpreise dürften nicht so positiv ausfallen wie in den Jahren 
2009 und 2016. "Was wir jetzt beobachten, ist ein Bemühen, das BIP 
um 0,3 - 0,5 Prozentpunkte zu erhöhen, nicht etwa, um das Wachstum 
auf das vorherige Niveau zurückzuführen, sondern um dieses um das 
Ziel von 6,5 Prozent herum zu stabilisieren", kommentiert der 
Portfoliomanager. 

Welche Maßnahmen wurden von geldpolitischer Seite ergriffen?

Auf der geldpolitischen Seite habe sich die Zentralbank in den 
letzten Wochen dazu bewegt, die Mindestreservenquote ("RRR") zu 
senken, um die Liquidität anzukurbeln. Obwohl es wenig neue 
fiskalische Stimuli gebe, würden lokale Regierungen zunehmend ermutigt, 
wieder Kredite aufzunehmen, um Infrastrukturprojekte zu finanzieren. 
"Dies ist eine klare Verlagerung in der Prioritätensetzung: Die Ausgaben 
für Infrastruktur sollen auf etwa 10 Prozent des BIP hochgetrieben 
werden", so Keirle. Die Wohnungspolitik sei jedoch nicht gelockert worden. 
"Wir glauben, dass ein breiterer Pessimismus im Hinblick auf die 
Schwellenländer aufgrund des schwachen Wachstums in China übertrieben 
ist", ergänzt Keirle. Ein Großteil dieses negativen Sentiments ist 
in der Tat auf die Besorgnis über die entwickelten Märkte zurückzuführen: 
die besorgniserregende Divergenz in der Wachstums- und Geldpolitik 
zwischen den USA und dem Rest der Welt und die zunehmende Kriegslaune 
der USA gegenüber ihren Handelspartnern. 

Welche Bedeutung hat der Handelskrieg zwischen der USA und China?

Die potenzielle Eskalation eines Handelskriegs zwischen der USA und 
China sei natürlich wichtig. Im Moment seien die ersten Zölle in 
Höhe von 50 Milliarden US-Dollar zwar relativ unbedeutend, sollte 
jedoch die USA ihre Drohung weiter verfolgen, die Zölle auf 200 
Milliarden US-Dollar anzuheben, würden die Kosten steigen. 
"Wir schätzen, dass ein solcher Schritt das chinesische BIP 
um 0,3 - 0,5 Prozentpunkte reduzieren würde. Dann wäre es möglich, 
dass China seine Wachstumsziele nicht erreicht und das Vertrauen in 
das Geschäftsumfeld erschüttert wird", schätzt Keirle ein. Der Schritt 
der chinesischen Entscheidungsträger in Richtung der Wachstumsphasen 
scheine Teil ihres Plans zu sein, sich auf härtere Tarifrunden 
einzustellen und zu signalisieren, dass sie in der Lage seien, den 
Drohungen der USA standzuhalten. Aber dies müsse relativiert werden. 
"Die westlichen Medien fokussieren sich stark auf die chinesische 
Politik als Reaktion dessen, was in der restlichen Welt passiert. 
Angesichts der chinesischen Kapitaleinfuhr- und -ausfuhrbeschränkungen 
stellt sich die Situation jedoch komplexer dar", meint Keirle. 

Welche politischen Maßnahmen ergreife die Regierung? 

Die politische Straffung, die bis vor kurzem stattgefunden habe, sei 
hauptsächlich von chinesischen innenpolitischen Erwägungen vorangetrieben 
worden. Dies habe zu einigen bemerkenswerten Erfolgen geführt, 
einschließlich des Rückgangs der Schattenkredite in China außerhalb 
des formellen Bankensektors ? ein Schritt, den viele Beobachter vor 
wenigen Jahren noch für unmöglich gehalten hätten. "Der jüngste Stimulus 
soll nun unserer Einschätzung nach zu einem großen Teil als Reaktion auf 
die Auswirkungen einer Überkorrektur im Inland gesehen werden", schätzt 
der Experte ein. 

"Für Anleger war das erste Halbjahr dieses Jahres auf dem chinesischen 
Kreditmarkt eine Flucht hin zu Qualität ? Onshore-Geld, das aus einigen 
der riskanteren Anleihen von Unternehmen und Kommunen in Richtung 
Zentralregierung und erstklassige Unternehmensanleihen rotierte." 
Da die geldpolitischen Entscheidungsträger nun Anreize setzten, 
signalisierten sie den lokalen Anlegern ihre Zustimmung, mehr Risiko 
zu übernehmen ? nicht wahllos, sondern mit dem Ziel, dass stabile 
Unternehmen mit niedrigem Rating nicht von Krediten abgeschnitten würden. 
"Unserer Ansicht nach sollte sich der Trend zu CBG- und AAA-Anleihen, 
die besser abschneiden als Anleihen mit niedrigerem Rating, daher 
abschwächen, da die Unruhe an den Schwellenmärkten nachlässt", 
ergänzt Keirle. 

Was bedeutet dies für die Währung?

Auf der Währungsseite solle die Kombination aus einer Lockerung der 
chinesischen Geldpolitik und der Straffung der Federal Reserve den 
Renminbi insgesamt abschwächen ? trotz der gegenläufigen Wirkung der 
Konjunkturmaßnahmen. Die Auferlegung der Zölle trage ebenfalls zu diesem 
Druck bei. "Dieser Druck wird wahrscheinlich von der People?s 
Bank of China kontrolliert, um eine ungeordnete Abwertung oder einen 
spekulativen Druck auf den Renminbi einzudämmen", so der Portfoliomanager. 

Ein letzter, aber wichtiger Punkt: Die Auswirkungen dessen, was sich 
in China für externe Investoren abspiele, seien wahrscheinlich in anderen 
Märkten wichtiger, insbesondere in einem Großteil des restlichen Asiens, 
wo China eine wichtige Rolle für Nachfrage- und Exportmärkte spiele. 
"Die chinesischen Entscheidungsträger signalisieren, dass es eine 
Untergrenze dafür gibt, wie weit das Wachstum fallen kann. Hierdurch 
liefern sie eine positive Angabe für die Anleger in Schwellenländer, 
die bislang wenig Anlass zu Optimismus hatten", resümiert Keirle.

Quelle: Investmentfonds.de


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