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Investmentfonds.de 02.10.2018:

Vontobel: Keineswegs "dovish" - US-Notenbank setzt die Straffung der Geldpolitik weiter fort



Köln, den 02.10.2018 (Investmentfonds.de) - 


Mark Holman, CEO von TwentyFour Asset Management

Für die aufmerksamen Verfolger der FOMC-Pressekonferenz am vergangenen 
Mittwochabend war die Botschaft klar: Die US-Notenbank Fed treibt die 
Normalisierung der Zinsen und die schrittweise Schrumpfung ihrer Bilanz voran.

Die Märkte konzentrieren sich jedoch auf die Streichung des Satzes 
"Der geldpolitische Kurs bleibt unterstützend" aus dem Statement der Fed und 
nehmen dies als Zeichen dafür, dass sich die Zentralbank ihrem neutralen Zins 
nähert, wonach sie eine Pause bei der geldpolitischen Straffung einlegen könnte.
Hieraus wurde letztendlich abgeleitet, dass das Statement "dovish" (taubenhaft) 
ausgefallen sei. Mit dieser Schlussfolgerung sind wir allerdings nicht 
einverstanden, denn die aktuelle Fed Funds Rate (2,00% bis 2,25%) liegt 
unterhalb des neutralen Zinssatzes, für den jedes stimmberechtigte Mitglied 
einen höheren Wert sieht. Auch in den sogenannten Dot Plots gab es eine leichte 
Verschiebung nach oben, doch der Median deutet immer noch auf vier weitere 
Zinserhöhungen bis Ende 2019 hin. Das sieht nicht nach einer Lockerung der 
geldpolitischen Maßnahmen aus.

Über Nacht und Donnerstagmorgen kam es zu einer kleinen Rally bei den 
Renditen von US-Treasuries mit längerer Laufzeit. Dadurch gelangte die 
Zinskurve in den Fokus, die sich erneut auf nur 23 Basispunkte verflachte. 
Die zuletzt gesehene Steilheit wurde vielleicht nur als ein kurzes Aufblitzen 
betrachtet, bevor es nun wieder flacher weitergeht. Dies mag zwar richtig sein, 
aber aus unserer Sicht ist weder die Fed noch die Inflation der Grund für die 
Abflachung.

Das kurze Ende der Kurve folgt der Fed recht genau, wobei die 
Zweijahresrenditen mit 2,80% gerade neue Nach-Krisen-Höchststände erreichen. 
Das lange Ende der Kurve hat jedoch andere Treiber, die einfach ausgedrückt die 
Nachfrage nach einem Risk-off-Vermögenswert mit negativer Korrelation 
widerspiegeln. Diese Nachfrage wird durch geopolitische Sorgen und Stärke des 
US-Dollars getrieben.

Die wichtigsten geopolitischen Themen sind eine Kombination aus einem Beben 
in der Eurozone durch Italien und natürlich bezüglich des Brexits, eine 
eskalierende Handelskriegsrhetorik (die nicht mehr nur Rhetorik ist) und eine 
Schwäche in den Emerging Markets (kurz EM), hauptsächlich in der Türkei und 
Argentinien, die sich aber auch auf alle anderen EM-Länder ausweitet, die ein 
hohes, in US-Dollar finanziertes Defizit aufweisen. Bei diesen Themen gibt es 
ein Auf und Ab, und seit Ende des Sommers fallen die Nachrichten etwas besser 
aus, sodass die Renditen von Treasuries mit länger Laufzeit angezogen haben. 
Dies fällt auch mit einer Phase moderater Dollarschwäche zusammen, die sich 
natürlich direkt in der Erholung der EM auswirkt. Tatsächlich korreliert die 
Dollarschwäche fast perfekt mit dem jüngsten Anstieg der Renditen, eine 
Entwicklung, die es sicherlich zu verfolgen gilt. Hätten diese geopolitischen 
Belastungen nicht nachgelassen, hätten wir Donnerstagmorgen wahrscheinlich auf 
eine flache Zinskurve gestarrt, da 10-jährige Treasuries am 24. August bei nur 
2,81% standen.

In diesem Umfeld hat die Fed keine Mine verzogen, und dabei ist die 
Erwartungshaltung bezüglich einer Verschnaufpause derzeit recht hoch. 
Wir sehen die Haltung der Fed nicht als "dovish" an, und vor allem sind wir 
nicht der Meinung, dass die Fed im Moment die Renditen am langen Ende treibt. 
Die Form der Kurve wird vom Markt bestimmt. Ohne die geopolitischen Risiken 
und den schwächeren US-Dollar könnten die Renditen von 10-jährigen 
US-Staatsanleihen sehr leicht auf 3,25% bis 3,50% steigen, aber sollten diese 
beiden Einflussfaktoren noch ausgeprägter werden, werden wir in den nächsten 
Wochen einer flachen Kurve gefährlich nahe kommen.

Quelle: Investmentfonds.de


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