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09.10.2018   
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Investmentfonds.de 09.10.2018:

BlackRock: Wirtschaft top, Politik Flop



Köln, den 09.10.2018 (Investmentfonds.de) -
 


Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie BlackRock

Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. Schon Bertolt Brecht wusste um 
diese einfache Wahrheit, und sie lässt sich jahrein, jahraus auch an den 
Finanzmärkten beobachten. Selten allerdings in der Häufung der letzten Jahre, 
in denen die Politik, welche den Rahmen für ökonomisches Handeln setzt, immer 
unappetitlicher geworden ist. Viel zu tun hat dies mit dem Aufkommen des 
ungehemmten Populismus, dessen Ursachen oft beschrieben wurden und als bekannt 
gelten, der in seiner Unberechenbarkeit aber immer wieder für Überraschungen 
sorgt. Und Überraschungen, jedenfalls solche der unerfreulichen Art, sind 
toxisch für risikobehaftetes Anlegen.

Mit Blick auf das gerade begonnene letzte Quartal 2018 lässt sich absehen, dass 
auch dieses vom Tauziehen zwischen starken Wirtschaftsdaten einerseits und der 
Unberechenbarkeit der Politik geprägt werden dürfte. So haben die 
US-Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag einmal mehr Zeugnis abgelegt von 
der auf allen Kanälen brummenden Wirtschaft. Die Arbeitslosenquote ist mit 3,7% 
so niedrig wie seit den 60er Jahren nicht mehr, die Löhne steigen dennoch mit 
2,8% nur moderat und erlauben der Fed weiterhin ein behutsames Straffen der 
Geldpolitik. Gleichermaßen dürfte die in diesen Tagen beginnende Berichtssaison 
für die Unternehmensergebnisse im dritten Quartal die Vorlage für weiter 
steigende Aktienkurse bilden, denn wir gehen davon aus, dass die gute 
Wirtschaftslage und die Geschenke aus der US-Steuerreform die Profite noch 
stärker angetrieben haben als vom Marktkonsens erwartet. Spricht also alles für 
eine Fortsetzung der Aktien-Erfolgsgeschichte, vor allem in den USA. Neue 
Höchststände wären aber auch hierzulande denkbar. Wäre da nicht das oben 
genannte - und in der Tat unberechenbare - Störfeuer der Politik.

Es sind vor allem die oft zitierten Risikoszenarien der letzten Wochen, die wir 
auch mit Blick auf das Schlussquartal für am potentiell gefährlichsten halten. 
Sie alle haben mit Populismus und Verfall demokratischer Kultur zu tun, 
angefangen bei einem US-Präsidenten, der die Kongresswahlen am 6. November 
unbedingt gewinnen will. Gerade die gegen viel Widerstand erzwungene 
Durchsetzung des rechten Hardliners Brett Kavanaugh als Richter am Supreme Court 
hat Trump einmal mehr darin bestärkt, keine Rücksichten auf moderate Wähler zu 
nehmen. Es ist zu erwarten, dass er, je näher wir der Wahl kommen, immer wilder 
um sich schlagen wird. In Bezug auf die US-Außenpolitik, besonders gegenüber 
China, Russland und dem Mittleren Osten, ist dies eine wahrscheinliche Quelle 
von Volatilität.

Zweitens Italien. Dort hat die Populistenregierung zwar Ihr Defizitziel für 
2020 und 2021 leicht gesenkt, auf nunmehr 2,1% und 1,8%. Dies dürfte aber nur 
unter günstigsten Annahmen bezüglich Wachstum und Inflation den Schuldenstand 
gerade eben konstant halten. In jedem Fall steht der Plan weiter in eklatantem 
Widerspruch zu den Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspaktes. Es droht Zoff 
mit der EU-Kommission und eine Herabstufung durch die Ratingagenturen. Die 
Angst vor einer Neuauflage der Eurokrise bleibt greifbar.

Drittens die Türkei. Im September hat die Abwertung der Lira die Inflation 
weiter angefacht. Um 24,5% gegenüber dem Vorjahr stiegen die Preise. Die 
Regierung in Ankara müsste nun dringend auf die Bremse treten und die 
Zentralbank die Zinsen drastisch erhöhen lassen, um die Leistungsbilanz zu 
stabilisieren und den Verfall der Währung zu stoppen. Aber Erdogans Kopf steckt 
tief im Sand. Fast alles spricht dafür, dass die Krise noch wesentlich schlimmer 
wird. Zwar halten wir ein Überschwappen auf andere, größere Schwellenländer 
bisher für unwahrscheinlich. Dies gilt aber vor allem, solange der Welthandel 
rund läuft. Und jetzt scheint auch noch mit Jair Bolsonaro ein verwirrter 
Radikaler zum Präsidenten der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas gewählt zu 
werden. Für die Risikoneigung von Anlegern ist dies keine ideale Konstellation.

Und schließlich der Brexit. Immer mehr wird klar, dass ein für alle akzeptables 
Ausscheiden Großbritanniens aus der EU einer Quadratur des Kreises gleichkommt. 
Zwischen superhartem No-Deal Brexit über einen Status a la Norwegen, genannt 
BINO (Brexit in Name only), bis hin zum "Exit vom Brexit" über ein oder mehrere 
erneute Referenden scheint alles möglich. Vor allem aber wird eine Einigung vor 
Jahresende immer unwahrscheinlicher. Und in diesem Fall, also kein Deal bis 
Jahresende, dürften in Pfund Sterling notierte Anlagen massiv unter Druck 
geraten.

Was bedeutet das für Anleger?

Es ist also angerichtet für ein spannendes Schlussquartal. Sehr gut möglich, 
dass die zu erwartenden guten Gewinnberichte der Unternehmen 
in ihrer Wirkung auf die Aktienpreise verpuffen, weil die politischen 
Unsicherheiten auf die Bewertung drücken. 
Denkbar allerdings auch, dass sich bis Jahresende die heute 
bedrohlich aussehenden Politikszenarien ohne den befürchteten Knall auflösen 
und doch noch den Weg zu einer Art Jahresendrally freigeben. Aus heutiger Sicht 
erscheint letzteres sogar etwas wahrscheinlicher. Auch in Zeiten unmoralischer 
Politik stirbt der Glaube an das Gute zuletzt.

Quelle: Investmentfonds.de


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