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Investmentfonds.de 12.10.2018:

J.P. Morgan Asset Management: Sieben Strategien für den Spätzyklus



Köln, den 12.10.2018 (Investmentfonds.de) - 



Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management

- USA: Nächster Abschwung dürfte moderater ausfallen 
- Stabilitätsanker jenseits von Staatsanleihen suchen
- Sieben Strategien für defensivere Ausrichtung des Portfolios

So wie ein außergewöhnlich langer Sommer irgendwann in den Herbst übergeht, 
finden auch wirtschaftliche Wachstumsphasen eines Tages ein Ende. 
Die USA erleben ihre zweitlängste wirtschaftliche Expansion, die bereits zehn 
Jahre andauert. Und auch wenn derzeit kein Ende in Sicht ist, stellt sich die 
Frage, wie lange dieser noch anhalten wird. 
Laut Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, 
spricht vieles dafür, dass sich die US-Konjunktur im Spätzyklus befindet. 
"Für Anleger wird die Frage, was zu tun ist wenn der US-Aufschwung endet, mit 
fortschreitender Dauer der Expansion immer dringlicher. Sie stehen vor dem 
Dilemma, dass Aktienmärkte in Spätzyklen einerseits durchaus attraktive 
Renditen zu bieten haben. Andererseits gibt es, sobald der Aufschwung in den 
USA endet, meist negative und globale Auswirkungen auf die Kapitalmärkte", führt 
Galler aus. Wer sein Portfolio bereits jetzt defensiver ausrichten will, sollte 
laut dem Experten dabei einige Aspekte beachten.
  
USA: Gegenläufige Signale

So sei der Punkt, an dem sich der Spätzyklus in den USA aktuell befinde, nicht 
exakt zu bestimmen. "Die US-Arbeitslosenquote ist auf dem niedrigsten Stand seit 
fast fünfzig Jahren. Das legt nahe, dass sich der Aufschwung seinem Ende nähert. 
Dank gestiegener Produktivität und gedämpftem Lohn-wachstum sind die 
Unternehmens-gewinne aber noch nicht unter Druck geraten", erläutert Galler. 
Selbst wenn man die Auswirkungen der gesunkenen Körperschaftssteuer nicht 
berücksichtige, haben die Gewinne der S&P 500-Unternehmen im zweiten Quartal 
solide zweistellige Zugewinne verzeichnet. Doch da die US-Notenbank (Fed) die 
Zinsen allmählich anhebt, werden insbesondere Unternehmen, die sich in den 
vergan-genen Jahren verstärkt verschuldet haben, zunehmend belastet. Und die 
höheren Zinsen könnten sich durchaus gerade dann bemerkbar machen, wenn die 
fiskalpolitischen Anreize allmählich auslaufen.

Die nächste Rezession dürfte moderater ausfallen

Auch wenn der Beginn der nächsten Rezession nicht auf ein exaktes Datum 
festzulegen ist, spricht einiges dafür, dass der nächste Rückgang der 
Wirtschaftsleistung moderater ausfallen wird als in der Finanzkrise, ist 
Galler überzeugt. "Die Stabilisierung des Bankensystems und die aktuelle 
Abwesenheit von extremen Bewertungsblasen lassen eine ,traditionelle,  
Rezession wie in den 80er und 90er Jahren erwarten, bei der die 
Unternehmensgewinne letztendlich durch steigende Zins- und Lohnstückkosten 
unter Druck geraten", so der Experte. Die Erwartungen der Aktienmärkte in 
Bezug auf zukünftiges Wachstum seien heute deutlich bescheidener als sie es 
vor der Dotcom-Blase waren. Im März 2000 erreichte der S&P 500-Technologiesektor 
seinen Höchststand mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des 55-fachen, 
während der Aktienmarkt insgesamt ein KGV von 25 aufwies. Während einige 
Technologieunternehmen heute sehr hohe Bewertungen haben, weist der 
Technologiesektor insgesamt ein KGV von 19 auf, und das S&P 500-KGV entspricht 
weitgehend dem Durchschnitt der letzten 25 Jahre.

Staatsanleihen mit wenig Spielraum

In der Vergangenheit haben sich Anleger, die die Stabilität ihres Portfolios 
erhöhen wollten, oft für eine stärkere Gewichtung in Staatsanleihen entschieden. 
Dadurch konnten Verluste des Gesamtportfolios bei Aktienmarktrückgängen 
abgefedert werden. Heutzutage sind die Zinsen in den meisten Industrieländern 
jedoch immer noch rekordverdächtig niedrig - die durchschnittlichen 
Leitzinssätze in den USA, der Eurozone und Großbritannien fielen etwa von rund 
5,5 Prozent im Jahr 2000 auf weniger als 2 Prozent im Jahr 2003 und 
anschließend von 4,7 Prozent im Jahr 2007 auf weniger als 0,5 Prozent im Jahr 
2009. "Da die derzeitigen Leitzinsen durchschnittlich nur bei 0,8 Prozent liegen,
gibt es ganz offensichtlich keinen Spielraum mehr für Zinssenkungen dieser 
Größenordnung", sagt Tilmann Galler.

Allein der US-Markt für Staatsanleihen biete einen gewissen Puffer, da die 
Zinsen bereits einige Schritte erhöht wurden. "Fällt die Rendite einer 
US-amerikanischen 10-jährigen Staatsanleihe von 2,9 Prozent auf 1,5 Prozent, 
dann ergäbe sich daraus ein Ertrag von rund 15 Prozent. Weniger offensichtlich 
ist, wo Anleger auf den europäischen Staatsanleihenmärkten sichere Häfen finden 
könnten. Die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe liegt gerade einmal 
bei 0,5 Prozent", so Galler.

Sieben Portfolio-Strategien für den Spätzyklus

Angesichts dieser Ausgangslage und unter Berücksichtigung der Entwicklung 
verschiedener Anlageklassen und Sektoren in der Vergangenheit, sieht Galler 
sieben Strategien als geeignet an, wenn Anleger ihre Portfolios defensiver 
Ausrichten wollen:

1. Nahezu neutrale Aktienpositionen, jedoch Untergewichtungen vermeiden, da 
   Aktienmärkte am Ende des Zyklus tendenziell gut abschneiden.
2. Bei Aktien regional und damit gestreut investieren. Eine Verschiebung bei 
   der regionalen Allokation kann die Wertentwicklung im Falle einer 
   Marktkorrektur nur selten abfedern.
3. Gewichtungen in Aktien mittlerer und kleinerer Marktkapitalisierung abbauen, 
   denn Large Caps schneiden bei einem Abschwung tendenziell besser ab.
4. Wachstumstitel reduzieren, erstklassige Aktien und Substanzwerte (Value) 
   aufstocken. Qualitätsaktien sind der einzige Anlagestil, der bei jedem 
   Abschwung der vergangenen Jahre besser als der Index abgeschnitten hat. 
   Substanzwerte schlagen den Index üblicherweise bei fallenden Märkten. 
   Eine Ausnahme stellte die weltweite Finanzkrise dar, dies war jedoch auf 
   die hohe Gewichtung von Finanzwerten im Substanzwertindex während einer 
   Krise des Finanzsystems zurückzuführen. Value-Aktien haben sich normalerweise 
   besser als Wachstumstitel (Growth) entwickelt, wenn es während des Zeitraums 
   unmittelbar vor einem Abschwung einen deutlichen Anstieg der relativen 
   Bewertung von Wachstumstiteln gegeben hatte.
5. Anleihenstrategien wählen, die flexibel über Regionen, Laufzeiten und 
   Risiken investieren können. Die Fähigkeit, Verschiebungen zwischen Segmenten 
   vorzunehmen ist entscheidend, um von Märkten profitieren zu können, die 
   Spielraum für Zinssenkungen durch Zentralbanken bieten.
6. Barmittel und kurzfristige Liquiditätsinstrumente können Stabilität bieten.
7. Strategien mit niedriger Korrelation zu Risikoanlagen, wie etwa 
   Makro-Strategien und Long-/Short-Aktienlösungen insbesondere mit der 
   Möglichkeit, ihr Netto-Aktienengagement auf null zu reduzieren, in Betracht 
   ziehen.

Quelle: Investmentfonds.de


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