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06.11.2018   
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Investmentfonds.de 06.11.2018:

Barings Viewpoint - Türkei: Wie geht es jetzt weiter?



Köln, den 06.11.2018 (Investmentfonds.de) -

MATTHIAS SILLER, CFA LEITER DES EMEA EQUITIES-TEAMS bei Barings
VOR DEM HINTERGRUND DER ENTWICKLUNGEN IN DEN VERGANGENEN MONATEN WIRFT
DAS EMERGING EUROPE EQUITIES-TEAM VON BARINGS EINEN BLICK DARAUF, WIE DIE
TÜRKEI POSITIONIERT IST.
Das Finanzsystem der Türkei hat ein turbulentes Jahr hinter sich, in dem die
Türkische Lira seit Beginn des Jahres 2018 um mehr als 35% und der Aktienmarkt
um fast 50% gefallen sind. Die Priorisierung hoher wirtschaftlicher
Wachstumsraten durch Präsident Erdogan hat zusammen mit erhöhten Energiepreisen
dafür gesorgt, dass sich das Leistungsbilanzdefizit auf ca. 6% des BIP erhöht
hat und damit das höchste aller Schwellenländer ist. Das Anlegervertrauen bleibt
nach der Kombination aus schleichender finanzieller Disziplinlosigkeit und
exzessiv lockerer Geldpolitik verhalten. Außerdem wird die Fähigkeit
der Zentralbank, im Schatten Erdogans eine unabhängige Geldpolitik zu betreiben,
trotz einer rasch steigenden Inflation ernsthaft in Frage gestellt.
Unserer Ansicht nach muss die Türkei nun strikte Maßnahmen umsetzen, um unter
diesem ernstzunehmenden Inflationsdruck für Stabilität zu sorgen,
was dazu beitragen sollte, eine solidere Grundlage für künftig nachhaltiges
Wachstum zu schaffen.
"Politische Entscheidungsträger und Politiker in der
Türkei erkennen, dass es die erfolgreiche Stabilisierung
der Lira dem Land ermöglichen wird, das Vertrauen
der Märkte zurückzugewinnen und die Inflation davor
zu bewahren, außer Kontrolle zu geraten".
Stabilität schafft Vertrauen
Unserer Ansicht nach erkennen politische
Entscheidungsträger und Politiker in der Türkei, dass es die
erfolgreiche Stabilisierung der Lira dem Land ermöglichen
wird, das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen und
die Inflation davor zu bewahren, außer Kontrolle zu
geraten. Seit Mai gab es eine synchronisierte geld- und
fiskalpolitische Reaktion durch bedeutende Zinserhöhungen,
was eine Abwendung von den vorherigen
wachstumsorientierten, fiskalpolitisch expansiven Plänen
darstellt. Die Zinserhöhung im September übertraf die
Erwartungen der Wirtschaftswissenschaftler. Sie wurde
von den Anlagern positiv aufgenommen, die den Schritt als
starke Demonstration der Unabhängigkeit der Zentralbank
von Präsident Erdogan interpretierten, der ein allgemein
anerkannter Kritiker hoher Zinssätze ist.
Durch die Erhöhung der Zinssätze hat die Türkei sich selbst
eine Möglichkeit eröffnet, den Druck auf ihr Bankensystem
zu lockern. Es ist sehr ermutigend festzustellen, wie schnell
Regierungsbeamte in den vergangenen Monaten handelten,
um die Bilanzen der Banken zu entlasten, die durch das
Halten von Verbindlichkeiten aus belasteten Branchen,
wie z. B. Bau und Energie, angespannt waren. Dies wurde
von der Halkbank, die sich in staatlichem Besitz der Türkei
befindet, bewiesen, die notleidende Darlehen an den Savings
Deposit Insurance Fund (TMSF) verkaufte, das Leitungsorgan
für Fonds und Versicherungen des türkischen Staates.
Außerdem verkaufte ein weiterer staatlicher Kreditgeber,
die Vakifbank, nachrangige Schuldverschreibungen in
Höhe von USD 300 Mio. an die Arbeitslosenkasse des
Staates. Eine derartige Hilfe sollte unserer Ansicht nach
das dringend nötige Kapital freisetzen und als Katalysator
für das letztendliche Auftauen der Kreditmärkte fungieren.
Außerdem glauben wir trotz der Schwäche der Lira, dass
der Bankensektor ausreichend kapitalisiert ist, um mit dem
Potenzial für eine sich verschlechternde Kreditqualität und
mit einer unvermeidlichen Zunahme notleidender Darlehen
in Folge der Rezession fertigzuwerden.
Verbesserung der Leistungsbilanz
Wirtschaftswissenschaftler sind seit langem besorgt, dass
das Leistungsbilanzdefizit der Türkei ein Zeichen dafür
sein könnte, dass ausländische Kapitalzuflüsse das schnelle
Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre finanziert
haben. Ein höheres Defizit kann darauf hinweisen, dass das
Land verletzlicher gegenüber externen makroökonomischen
Schocks ist, die während dieser Periode vermehrter
Bedenken von Investoren gegenüber Wachstumsmärkten
extrem stark vorherrschten. Obwohl sich die Türkei derzeit
in einer Rezession befindet, ist es ermutigend festzustellen,
dass das Defizit des Landes zaghafte Anzeichen einer
schnellen Neugewichtung zeigt, da der Kursverfall der Lira
die Importe drastisch gesenkt und einen ersten monatlichen
Überschuss seit 2015 ausgelöst hat. Die schwache Währung
hat außerdem die Abhängigkeit der türkischen Wirtschaft
von ausländischer Finanzierung verringert und war somit
eine unterstützende Maßnahme durch die Steigerung
der Netto-Exporte. Dies steht auch im Einklang mit dem
traditionellen Überschuss der Türkei bei den Dienstleistungen, der
insbesondere in den Sommermonaten vorherrscht, wenn der Tourismus seinen
Höhepunkt erreicht.
Nun, da die Türkei erste Maßnahmen ergreift, um das Vertrauen wiederherzustellen,
kann eine deutliche Erholung Zeit in Anspruch nehmen. Doch jede längere Periode
negativer Stimmung beeinträchtigt wahrscheinlich das Vertrauen und die
Investitionen in das Land.
Die Inflation wird kurzfristig weiterhin Anlass zur Besorgnis geben, da die
Türkei sehr abhängig von importiertem Öl ist und durch die erhöhten Rohölpreise
beeinträchtigt war, die in Dollar notiert werden und zusätzlichen Druck auf
Unternehmen und Verbraucher ausüben. Unserer Ansicht nach sollte die kürzlich
implementierte Fiskal?und Geldpolitik die Inflation dämpfen, was eine Grundlage
schaffen wird, auf der das Vertrauen der Anleger wachsen kann. Trotz der
kürzlichen Ereignisse gibt es unserer Ansicht nach nach
wie vor beträchtliche Anlagemöglichkeiten auf dem türkischen Markt,
insbesondere in Unternehmen, die über Preissetzungsmacht und starke Bilanzen
verfügen. Viele von ihnen sind nun attraktiv bewertet und bieten einen
verlockenden Einstieg für Anleger, die bereit sind, eine mittelfristige
Perspektive in Kauf zu nehmen.

Quelle: Investmentfonds.de


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