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09.05.2017   
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Investmentfonds.de 09.05.2017:

T. Rowe Price: Macrons Wahlsieg stärkt die Europäische Union



Köln, den 09.05.2017 (Investmentfonds.de) - 



Dean Tenerelli, Portfoliomanager der European Equity Strategy bei T. Rowe Price


Emmanuel Macron hat Marine Le Pen in der Stichwahl geschlagen und wurde 
zum 25. Präsidenten Frankreichs gewählt. Die Märkte werden nach der 
Niederlage der rechtsextremen Le Pen aufatmen: Die Anleihespreads dürften 
sich einengen, während die Kurse von Aktien und Währungen steigen. Als 
Anführer der noch jungen En Marche!-Bewegung wird es Macron wohl kaum 
gelingen, bei der Wahl zur französischen Nationalversammlung im Juni 
eine Mehrheit zu erzielen. Dank seiner zentristischen Politik kann er 
aber sowohl von Mitte-Links als auch von Mitte-Rechts mit Unterstützung 
im Parlament rechnen. Seine proeuropäische Haltung dürfte die EU stärken. 
Das könnte die Austrittsverhandlungen für Großbritannien zusätzlich er-
schweren. Im Gegensatz dazu könnte er sich für Mitgliedsländer in 
Schwierigkeiten wie Italien und Griechenland einsetzen.

 
Erleichterungsrally sorgt den Sommer über für Stabilität
 

Die Märkte werden rund um den Globus positiv auf das Wahlergebnis reagieren 
– schon allein aus Erleichterung, dass Le Pen nicht gewonnen hat. Während 
der Wahlsieg Macrons nach seinem Erfolg in der ersten Runde bereits zu einem 
gewissen Grad eingepreist worden war, konnte die Besorgnis, dass Le Pen zur 
Präsidentin gewählt wird, nicht ganz ausgeräumt werden. Das begrenzte die 
Kursanstiege. Mit dem Sieg von Macron ist nun eine Rally zu erwarten. „Es 
steht außer Frage, dass der Sieg von Macron besser für die Märkte ist, als 
es bei der Wahl von Le Pen der Fall gewesen wäre. Durch das Wahlergebnis 
sinkt das geopolitische Risiko in der Region und es dürften wirtschaftliche 
Chancen entstehen“, erklärt Dean Tenerelli, Portfoliomanager der European 
Equity Strategy. „Auch dem Euro dürfte dieses Ergebnis zugutekommen. Die 
größte Belastung für die Währung in diesem Jahr war das Risiko, dass ein 
rechtspopulistischer, EU-feindlicher Kandidat die Präsidentschaftswahlen 
gewinnt. Mit dem Wegfall dieses Risikos werden sich die Märkte stärker auf 
die Fundamentaldaten konzentrieren.“



Ken Orchard, Portfoliomanager des Global Fixed Income Teams bei T. Rowe Price

 
Da die Besorgnis der Anleger um französische Staatsanleihen nachgelassen hat, 
ist zudem eine Verengung der Anleihespreads zu erwarten. „Zehnjährige franzö-
sische Anleihen notierten jüngst bis zu 50 Basispunkte höher als zehnjährige 
deutsche Anleihen, doch wir erwarten eine leichte Verringerung der Spreads 
hin zu den durchschnittlichen Niveaus des vergangenen Jahres“, so Ken Orchard, 
Portfoliomanager des Global Fixed Income Teams. „Nun, da Frankreich kein po-
litisches Risiko mehr darstellt, werden sich die Märkte anderen Themen zuwenden.“

 
Politisches Neuland für Frankreich
 

Noch nie zuvor hat ein unabhängiger Kandidat in Frankreich die Präsident-
schaftswahl gewonnen. Somit führt Macron sein Land in unbekanntes politisches 
Terrain. Zunächst steht er vor der Aufgabe, bei den Wahlen der Legislative 
am 11. und 18. Juni so viele Sitze wie möglich für seine En Marche!-Bewegung 
zu gewinnen. Angesichts der Spaltung des linken Lagers in Frankreich ist es 
jedoch unwahrscheinlich, dass En Marche! eine Mehrheit im Senat gewinnen wird. 
Das heißt, dass Macron wohl auf die Unterstützung anderer Parteien angewiesen 
sein wird, um die Zustimmung für eine Regierung zu erlangen. Da er allerdings
weitgehend am Status quo festhalten will und seine Politik gemäßigt ist, 
dürfte dies unserer Einschätzung nach kein allzu großes Problem darstellen.

 
Die Wahlen der Legislative in Frankreich
 

Ebenso wie die Präsidentschaftswahlen bestehen auch die französischen 
Parlamentswahlen aus zwei Wahlgängen. Kandidaten, die in der ersten Runde 
mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können, sind automatisch 
gewählt. Erreicht kein Kandidat mehr als die Hälfte der Stimmen, können in 
der zweiten Runde diejenigen antreten, die im ersten Wahlgang mindestens 
12,5 Prozent der Stimmen erhalten haben. En Marche! tritt als neue Partei 
gegen äußerst erfahrene Mitstreiter aus den Reihen der etablierten repu-
blikanischen und sozialistischen Parteien an, die in der Vergangenheit 
häufig zusammengearbeitet haben, um den rechtsextremen Front National 
daran zu hindern, Sitze zu gewinnen.


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Das wahrscheinlichste Szenario ist unserer Meinung nach, dass die franzö- sischen Republikaner, die wohl die größte Fraktion im Parlament stellen werden, die neu gewählte Regierung in der Nationalversammlung unterstützen werden. In diesem Fall rechnen wir mit einer zwar klaren, jedoch nicht umwälzenden Verlagerung von der Mitte-Links-Politik von Präsident Hollande hin zu einer Mitte-Rechts orientierten Agenda. Diese wird wahrscheinlich eine Senkung der Körperschaftsteuer und eine gewisse Lockerung der Arbeits- gesetze umfassen, die es den Unternehmen ermöglicht, die 35-Stunden-Woche neu zu verhandeln. Stärkung der EU: Nachteil für Großbritannien, Vorteil für Italien Als engagierter Befürworter der EU wird eine gute Zusammenarbeit Macrons mit Merkel erwartet (ebenso wie mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, sollte dieser die Bundestagswahlen im Herbst gewinnen). Das wird das für die EU so wichtige deutsch-französische Bündnis stärken. In Bezug auf den Brexit gilt es nach Macron, die „Integrität des Binnenmarktes zu verteidigen“, also das Kernprinzip der Freizügigkeit von Personen und Gütern. Er zeigte sich besorgt, dass andere Länder nachziehen könnten, wenn der Eindruck ent- stünde, dass Großbritannien sich durch den Austritt Vorteile verschafft, denn das wäre das „Ende des europäischen Projekts“. Das bedeutet: Mit Macron stößt Großbritannien bei den Brexit-Gesprächen auf einen schwierigeren Ver- handlungspartner, als bisher angenommen. Für die wirtschaftlich angeschlagenen EU-Länder wie Italien und Griechenland zeigte er hingegen offene Sympathie. Das dürfte in diesen Ländern die Hoffnung nähren, dass er dazu beitragen wird, die Sparpolitik, die man dort als von Deutschland auferlegt betrachtet, zu lockern. Durch weniger strenge Sparmaß- nahmen der EU könnte sich sogar die Unterstützung für einige der populistischen Parteien abschwächen, die angesichts dieser als ungerecht empfundenen Spar- pläne an Zuspruch gewonnen haben. „Derzeit ist die antieuropäische Fünf-Sterne- Bewegung auf dem Weg, bei den nächsten Wahlen in Italien, die Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres abgehalten werden, die meisten Stimmen zu bekommen“, so Orchard. Er fügt hinzu: „Der Wahlsieg Macrons könnte den proeuropäischen Parteien in Italien die so dringend benötigte Unterstützung bieten – der Einfluss auf das Verhalten der Wähler ist allerdings schwer einzuschätzen.“ „Das Verhältnis von Macron zu Deutschland gilt als sehr gut, doch sein wirt- schaftlicher Kurs war bisher neutral“, erläutert Tenerelli. „Er hat sich als Anti-Establishment-Politiker der Mitte positioniert. Allerdings zeigt er sich bisher wenig reformfreudig. Mit Unterstützung Deutschlands wird es ihm hoffentlich gelingen, einige Dinge anzugehen. Inwieweit Veränderungen durch- gesetzt werden, ist jedoch ungewiss.“ Banken- und Telekomsektor erwarten „Macron-Boost“ Der Wahlsieg Macrons könnte für den französischen Bankensektor von ent- scheidender Bedeutung sein. Dafür spricht die starke Rally von Bankaktien im Anschluss an die erste Runde der Präsidentschaftswahlen. Tenerelli führt aus: „Macron befürwortet eine allmähliche Deregulierung. Das begrüßt der französische Bankensektor eindeutig. Durch seinen Sieg dürften sich auch die Spreads der französischen Staatsanleihen verengen. Das bedeutet niedrigere Eigenkapital- und Finanzierungskosten für den Sektor und ist besonders wichtig, da die französischen Banken generell mehr Marktfinanzierung in Anspruch nehmen als andere europäische Geldinstitute.“
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Auch der Telekommunikationssektor dürfte von Macrons Sieg profitieren. Bereits seit einiger Zeit gibt es in Frankreich Unterstützung für eine stärkere Konsoli- dierung des Sektors. Bisherige Bemühungen scheiterten aber auf politischer Ebene. Angesichts seiner wirtschaftsfreundlichen Haltung ist es wahrscheinlich, dass Macron der Branchenkonsolidierung offener gegenübersteht. Das dürfte den größeren etablierten Unternehmen des Sektors zugutekommen. Wie geht es in Europa weiter? Wenn die Erleichterung über den Wahlsieg Macrons nachlässt, werden sich die Anleger rasch den anderen Risiken in Europa zuwenden. Neben den anstehenden Wahlen in Italien geht auch von Spanien ein Risiko aus: Hier könnte es zu Unruhen kommen, wenn Katalonien sein Unabhängigkeitsreferendum durchsetzt. Es ist unklar, wie sich die Situation entwickeln wird. Die spanische Regierung will das Referendum vermeiden. Wird es abgehalten und stimmt die Mehrheit für die Unabhängigkeit, könnte es zu Nervosität an den Märkten und einer Ausweitung der Spreads kommen. „Derzeit schätzen wir die europäischen Peripherieländer neutral ein, rechnen aber damit, künftig eine untergewichtete Position einzu- nehmen“, so Orchard. „Momentan halten wir eine leichte Long-Position in Italien, Portugal und Zypern, während wir in Spanien deutlich untergewichtet sind.“ Von besonderer Bedeutung ist das weitere Vorgehen der EZB, das gegen Ende des Jahres wieder in den Mittelpunkt rücken wird. Orchard dazu: „Die meisten Sell- Side-Analysten erwarten eine Reduzierung der Anleihekäufe von 60 Mrd. Euro pro Monat auf 0 Euro bis Mitte nächsten Jahres. Wir glauben jedoch, dass die Redu- zierung der EZB-Anleihekäufe sehr viel allmählicher erfolgen wird, sodass die quantitative Lockerung noch bis ins Jahr 2019 anhalten könnte. Dann könnten die Spreads europäischer Peripherieländer auf längere Zeit niedrig bleiben. Das würde die Möglichkeit bieten, wieder eine Long-Position in der Peripherie einzugehen, sofern die politischen Risiken nicht eintreten.“ Tenerelli ergänzt: „Bei europäischen Aktien sind wir in Frankreich leicht gegenüber der Benchmark übergewichtet. Dabei ist unser Engagement breit ge- streut: Es umfasst sowohl inländische Titel mit starker Marktstellung in Bereichen wie Telekommunikation und Banken als auch internationale Unter- nehmen in Sektoren wie Ingenieurwesen und zyklische Konsumgüter. Zwar legen wir hier keinen ausdrücklichen Schwerpunkt, finden aber derzeit mehr Chancen in defensiv ausgerichteten Unternehmen wie Telekommunikation. Als weniger attraktiv beurteilen wir Bereiche, die von einem starken Wachstum abhängen, wie Grundstoffe und Energie. Hier halten wir die Bewertungen für etwas überzogen.“

Quelle: Investmentfonds.de


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