ETHENEA | US-Notenbank: Stillhalten im Ölnebel
Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A
Investmentfonds.de - Munsbach, 27. Juli 2026 – Aus Sicht von Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A., gibt es bei der nächsten Fed-Sitzung einen klaren Fokus für Kevin Warsh: Seine zweite Bewährungsprobe als Fed-Chairman wird nicht vom Arbeitsmarkt kommen, sondern vom Ölpreis.
„Wir erwarten, dass die Fed den Leitzins am 29. Juli zum vierten Mal in Folge bei 3,50 bis 3,75 Prozent belässt. Die Konjunkturdaten sprechen für Geduld, der Energiemarkt für Intervention.“
Unter der Oberfläche entspannt sich die Lage
„Der Juni-Arbeitsmarktbericht kam mit 57.000 neuen Stellen schwach herein. Bei einer Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent betrug das Lohnwachstum nur noch 3,5 Prozent (year to year). Die Überhitzungssorgen vom Frühjahr sind damit verschwunden.Ähnlich ist die Situation bei der Inflation (Consumer Price Index CPI): Bei einer Headline-CPI von -0,4 Prozent (month to month) stagniert die Kernrate. Der Jahresanstieg der Kern-Warenpreise liegen seit Februar bei praktisch null und der Zoll-Pass-through ist ausgelaufen, damit sind die Zölle beinahe vollständig eingepreist. Dieser Datensatz allein würde die Fed also eher zur Lockerung treiben als zur Erhöhung.“
Der Ölpreis schreibt eine andere Geschichte
„Seit der erneuten Eskalation im Nahen Osten ist die Sorte Brent auf über 100 Dollar gestiegen; die strategische Ölreserve fiel auf 311 Millionen Barrel, den tiefsten Stand seit 1984. Der Markt preist inzwischen eine volle 25-Basispunkte-Erhöhung im September ein – nicht wegen der Kerndaten, sondern wegen der Öl- und Geopolitik.Zusätzlich gelten seit dem 24. Juli 2026 neue Handelszölle in Höhe von 10 bis 12,5 Prozent gegen 60 Länder. Der effektive Zollsatz bleibt bei 9 bis 10 Prozent – auf einem ähnlichen Niveau, aber haltbarer verankert.“
Die eigentliche Prüfung ist kommunikativer Natur
„Einige Abweichler für eine Erhöhung sind wahrscheinlich, aber es wird keine Mehrheit geben. Entscheidender ist, ob Warsh seinem Verzicht auf Forward Guidance treu bleibt: Zur September-Sitzung dürfte er schweigen und damit die Lücke offenlassen, die der Ölpreis füllt. Dieses konsequente Handeln hat aber einen Preis: Ohne Fed-Orientierung bleiben die Renditen an Öl gekoppelt, nicht an die Kerninflation.Wir gehen weiterhin von sinkenden Zinsen aus. Eine Zinserhöhung in 2026 bleibt für uns nicht das Basisszenario. Doch anders als im Juni, wo es um Warshs Inflationslesart ging, geht es diesmal darum, ob der Markt einem Vorsitzenden ohne Kompass folgt. Argumente für höhere Zinsen liefert allein der Nah-Ost-Konflikt, Impulse aus der Wirtschaft fehlen. Das lange Ende trägt den Preis dieser Unsicherheit, nicht das kurze.“
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