Capital | Weltweiter KI-Ausverkauf lässt Wall Street einbrechen
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
- Australische Inflationsdaten stellen geldpolitische Ausrichtung der RBA auf die Probe
Investmentfonds.de | Der massive Kursrückgang bei großen Technologieunternehmen belastet weiterhin die Wall Street; die Märkte sind über Nacht eingebrochen. Entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette kommt es zu Verkäufen, angefangen bei den Halbleiterwerten. Als Gründe werden vor allem die hohen Bewertungen und die erwarteten Kapitalrenditen angeführt. Das trifft zweifellos teilweise zu. Die Kosten für KI – nicht nur für die physische Infrastruktur, sondern auch für die sogenannten Token, die im Grunde das Endprodukt darstellen – werden zunehmend hinterfragt. Dies gilt insbesondere angesichts der Nachwirkungen der jüngsten Kapitalbeschaffung von SpaceX und der Tatsache, dass Unternehmen (einschließlich SpaceX) nun ebenfalls den Anleihemarkt zur Kapitalaufnahme nutzen. Doch auch makroökonomische Unsicherheiten tragen zur Risikoaversion bei, da sich die Märkte im Vorfeld der am Donnerstag anstehenden US-PCE-Inflationsdaten mit dem Risiko steigender Zinsen auseinandersetzen müssen.
Im asiatischen Handel stehen australische Inflationsdaten an, die den neutraleren geldpolitischen Kurs auf die Probe stellen werden, den die RBA auf ihrer Sitzung in der vergangenen Woche eingeschlagen hat. Für den Verbraucherpreisindex (Gesamtinflation) wird ein Anstieg auf 4,4 % im Jahresvergleich erwartet, während der wichtigere Wert des „Trimmed Mean“ (bereinigter Mittelwert) voraussichtlich ein Hoch von 3,5 % – den höchsten Stand seit fast 18 Monaten – erreichen dürfte. Die Märkte preisen eine deutliche Unsicherheit hinsichtlich des weiteren Zinskurses der RBA ein. Die Futures-Kurve signalisiert, dass es praktisch einer Münzwurfentscheidung gleicht, ob die Zentralbank den Leitzins in diesem Zyklus noch einmal anheben wird. Die Argumente für ein Beibehalten des aktuellen Niveaus – oder zumindest für eine abwartende Haltung – stützen sich auf das schwächere Wachstums- und Beschäftigungsumfeld. Ein unerwartet hoher Inflationswert könnte jedoch die Erwartungen an eine straffere Geldpolitik (Hawkish-Szenario) neu entfachen, insbesondere angesichts der Tatsache, dass der Preisanstieg weit über dem Zielwert liegt.
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