Capital | Globale Renditen steigen im Vorfeld wichtiger US-Wirtschaftsdaten
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
- Wall Street fällt angesichts erneuter geopolitischer Unsicherheiten
- Die Märkte rechnen heute mit einer 93%igen Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der RBA
Investmentfonds.de - Die US-Aktienmärkte gaben nach, nachdem die in der vergangenen Woche an den Energiemärkten eingepreiste, ohnehin begrenzte geopolitische Risikoprämie wieder weitgehend abgebaut wurde. Die erneute Neubewertung der geopolitischen Risiken sorgte zugleich für Aufwärtsdruck auf die Anleiherenditen und belastete Aktien sowie renditelose Anlageklassen wie Edelmetalle.
Die geopolitische Lage bleibt stark von kurzfristigen Nachrichtenimpulsen geprägt. Im Mittelpunkt steht weiterhin die Aussicht auf eine mögliche Friedensvereinbarung. Die Kommunikation der beteiligten Parteien ist dabei von widersprüchlichen öffentlichen Signalen geprägt: Vorschläge oder mögliche Verhandlungspositionen werden von der jeweils anderen Seite unmittelbar zurückgewiesen, während deren Urheber anschließend teilweise dementieren, entsprechende Signale überhaupt ausgesendet zu haben.
Hinter dieser öffentlichen Rhetorik zeichnet sich jedoch eine Veränderung der Kräfteverhältnisse ab, die für den weiteren Verlauf der Verhandlungen relevant sein könnte. Der Iran scheint dabei zunehmend an strategischem und wirtschaftlichem Verhandlungsspielraum zu verlieren. Einerseits nimmt seine Fähigkeit zur Kontrolle bzw. Beeinflussung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus ab, andererseits erhöhen die von den USA verfolgten Maßnahmen zur wirtschaftlichen Isolation den Druck auf die iranische Wirtschaft.
Nach Einschätzung einiger Energieanalysten haben sich die Ölexporte bzw. Öltransporte aus dem Persischen Golf inzwischen auf mehr als 90 % des Vorkriegsniveaus erholt. Sollte sich diese Einschätzung bestätigen, könnte dies darauf hindeuten, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Störungen geringer ausfallen als zunächst befürchtet. Gleichzeitig könnte der damit verbundene Verlust eines wichtigen Druckmittels die Bereitschaft des Iran erhöhen, eine Verhandlungslösung anzustreben.
Für die US-Regierung unter Präsident Trump könnte die weitgehende Stabilisierung der Ölströme hingegen den Anreiz erhöhen, an ihrer bisherigen Verhandlungsposition festzuhalten und nur begrenzte Kompromissbereitschaft zu zeigen.
Für den Moment dürften die Märkte maßgeblich von der Volatilität der Energiepreise und den geopolitischen Nachrichten bestimmt werden, die diese Preisbewegungen auslösen. Damit rückt zugleich der derzeit zentrale makroökonomische Risikofaktor in den Fokus: die Inflationsentwicklung. Im weiteren Wochenverlauf werden insbesondere die anstehenden US-Konjunkturdaten Aufschluss darüber geben, wie sich die Erwartungen hinsichtlich Inflation und Geldpolitik entwickeln.
Das Aufwärtsrisiko für die Inflation hält den Renditeaufwärtsdruck an den globalen Anleihemärkten aufrecht. Verstärkt wird dieser Effekt durch die kriegsbedingt gestiegenen Energiepreise im Nahen Osten. Mit Blick auf die Geldpolitik der US-Notenbank preist der Markt derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 70 % für eine Leitzinserhöhung auf der nächsten Sitzung der Federal Reserve ein. Diese Erwartungen könnten insbesondere durch die anstehenden Daten zum PCE-Preisindex, dem von der Fed bevorzugten Inflationsmaß, beeinflusst werden. In geringerem Umfang dürften auch die bevorstehenden US-Arbeitsmarktdaten (Non-Farm Payrolls) für die Markterwartungen relevant sein.
Für die asiatischen Märkte zeichnet sich heute nach den negativen Vorgaben der Wall Street ein uneinheitlicher Handelsauftakt ab. Ein Großteil der Schwäche an den US-Aktienmärkten war an den asiatischen Börsen bereits am Vortag eingepreist worden.
Im asiatisch-pazifischen Raum dürften heute insbesondere Inflations- und Zinsrisiken im Mittelpunkt stehen, wenn die Reserve Bank of Australia (RBA) im weiteren Tagesverlauf ihre geldpolitische Entscheidung trifft. An den Terminmärkten wird derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 93 % für eine Leitzinserhöhung eingepreist, da die australische Notenbank weiterhin mit einer über dem Ziel liegenden Inflation konfrontiert ist.
Obwohl die RBA die Markterwartungen in der Vergangenheit bereits mehrfach überrascht hat, erscheint eine unveränderte Geldpolitik angesichts der aktuellen Marktpreisbildung weniger wahrscheinlich. Der wesentliche Impuls für die Marktvolatilität dürfte daher weniger von der Zinsentscheidung selbst als vielmehr von der Kommunikation der RBA hinsichtlich des weiteren Zinspfads ausgehen. Derzeit preist der Markt eine Wahrscheinlichkeit von rund 67 % für eine weitere Zinserhöhung nach dem nächsten Schritt ein.
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