Sarasin: Dollar gewinnt Vertrauen zurück
URSINA KUBLI, Ökonomin, Bank J. Safra Sarasin
Von der Weichwährung zum Favoriten?
Seit über 10 Jahren wurde der US-Dollar häufig als Weichwährung
abgeschrieben. Die neue Methode zur Energie-Gewinnung aus
Schieferstein hat das Potenzial den Abwärtstrend des Dollars
zu durchbrechen. Schliesslich bringt der Boom in der US-Erdgas-
bzw. Erdölproduktion das Hauptargument vieler Dollar-Bären –
das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA – kräftig ins Wanken.
Das Argument der Dollar-Skeptiker lautete, dass die makro-
ökonomischen Ungleichgewichte nicht nachhaltig sein können
und über die Wechselkurse abgebaut werden müssen. Ein
schwächerer Dollar verbessere die Wettbewerbsfähigkeit der
US-Exportindustrie und liesse gleichzeitig die Importpreise
steigen, so dass sich das Handelsbilanzdefizit entsprechend
zurückbilden könne. Die neue Methode zur Energie-Gewinnung
liess in den USA die Energieimporte bereits kräftig sinken
und damit bildeten sich auch das Handels- und Leistungsbilanz-
defizit zurück. Wie stark wird der Dollar davon profitieren?
Ohne Leistungsbilanzdefizit wäre der Dollar 10% teurer
Noch weisen die USA ein Netto-Energiebilanz-Defizit von rund
120 Mrd. USD auf, was rund 1% vom BIP entspricht. Werden die
USA energieunabhängig wird sich das Leistungsbilanzdefizit
– ceteris paribus – ebenfalls 1 Prozent zurückbilden. Um die
Wechselwirkung zwischen den Leistungsbilanzen und den Wechsel-
kursen abzuschätzen, stützen wir uns auf eine IMF- Studie zu
den makroökonomischen Ungleichgewichten und den Wechselkursen.
Der IMF berechnet welche Devisenentwicklungen nötig sind,
um die einzelnen Volkswirtschaften ins Gleichgewicht zu
rücken. Gemäss diesen Berechnungen des IMF ist das
strukturelle Leistungsbilanzdefizit der USA gegenwärtig rund
1% zu hoch und der Dollar müsste 5% abwerten.
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