FranklinTempleton: Nigeria im Fokus
Dr. Mark Mobius, Executive Chairman, Templeton Emerging Markets Group
In einer aktuellen Markteinschätzung schreibt Dr. Mark Mobius
von FranklinTempleton:
Nigeria zählt zu den Ländern mit dem stärksten Wirtschaftswachstum
weltweit. Mit über 170 Millionen Einwohnern ist es der bevölkerungsreichste
Staat Afrikas und liegt international auf Rang sieben. Nachbarländer der
in Westafrika gelegenen Bundesrepublik sind Benin, Tschad, Kamerun und
Niger. Der Name „Nigeria“ geht auf die britische Journalistin Flora Shaw
zurück und leitet sich vom Fluss Niger ab, der durch das Land fließt.
(...)
Als 1999 die erste Zivilregierung gewählt wurde, befand sich das Land
in einer tiefen Finanzkrise mit einem Haushaltsdefizit von rund 3 Mrd.
US-Dollar, niedrigen Devisenreserven und einer Auslandsverschuldung in
Höhe von 80% des Bruttoinlandprodukts (BIP). Der wirtschaftliche Abschwung
während des Militärregimes hatte eine dramatische Verschlechterung der
Infrastruktur und der Sozialeinrichtungen zur Folge. Dies wirkte sich
natürlich auf alle Wirtschaftsbereiche aus, so dass zwei Drittel der
Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebten. Der Ölpreisboom brachte
endlich Erleichterung und spülte nach 2002 Geld in die leeren Kassen
des Landes. 2006 lag das BIP-Wachstum bei 6%. Die Wirtschaft reagierte
jedoch empfindlich auf Ölpreisschwan-kungen, und als der Ölpreis 2008
von 150 US-Dollar auf 50 US-Dollar fiel, wurde das Land schwer getroffen.
Mit dem erneuten Erstarken des Ölpreises setzte auch der konjunkturelle
Aufschwung wieder ein. Dennoch bleibt die Abhängigkeit vom Erdöl eine
Schwachstelle der nigerianischen Wirtschaft. Derzeit werden 95% aller
Deviseneinnahmen durch die Erdöl- und Gasindustrie generiert. Das erste
Öl wurde im flachen Nigerdelta entdeckt, doch inzwischen wurden auch
Vorkommen in den tieferen Wassern des Golfs von Guinea ausgemacht.
Eines der Hauptprobleme sind die staatlichen Subventionen für raffinierte
Erdölprodukte, die dazu geführt haben, dass subventionierter Treibstoff
in großem Stil außer Landes geschmuggelt und dort zu Marktpreisen verkauft
wird. 2012 hat die Regierung das Subventionsprogramm jedoch um die Hälfte
reduziert und beabsichtigt, es in naher Zukunft ganz einzustellen. Diese
Maßnahme sollte den Treibstoffschmuggel bis zu einem gewissen Grad eindämmen.
Neben der illegalen Ausfuhr raffinierter Erdölprodukte ist auch der direkte
Schmuggel von Rohöl ein ernsthaftes Problem. Schätzungen zufolge werden
etwa 10% der Ge-samtproduktion gestohlen. Bei der aktuellen täglichen
Fördermenge von etwa 2,1 Mio. Barrel, also rund 700 Mio. Barrel pro Jahr,
ergibt das eine Summe von 70 Mio. Barrel pro Jahr.
In den zehn Jahren von 2001 bis 2010 war Nigeria die am viertschnellsten
wachsende Wirtschaft weltweit mit einer jährlichen Wachstumsrate von 8,9%.
Obwohl das BIP-Wachstum sich inzwischen verlangsamt hat, verzeichnet die
Konjunktur nach wie vor einen soliden Anstieg, der das Wachstum in den
Industrieländern bei Weitem übertrifft. 2011 und 2012 wuchs das BIP um
7,5% bzw. 6,7% im direkten Jahresvergleich. Für dieses Jahr wurde ein
Anstieg von 6,8% prognostiziert.
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