12.03.2007
Templeton: Marktvolatilität - ein Signal zum Kauf hochkapitalisierter Werte
Köln, den 12.03.2007 (Investmentfonds.de) - Die vergangenen
drei Jahre waren für die globalen Aktienmärkte hervorragend.
Je riskanter die Anlage, desto besser die Wertentwicklung.
Einige der "esoterischsten” Aktienmärkte hatten eine besonders
gute Wertentwicklung, z.B. Kroatien, Island, einige
Märkte im Mittleren Osten und, in letzter Zeit, der
chinesische Binnenmarkt. Das Ergebnis waren ein
Rückgang der Volatilität auf den niedrigsten Stand seit
Jahren, eine Abnahme der Anleihen-Spreads und eine
erhöhte Risikobereitschaft unter den Investoren.
Dies führt uns zu den umfangreichen Glattstellungen
gegen Ende Februar und Anfang März. Angesichts
der langen Duration am Haussemarkt hatten viele
Beobachter bereits eine Zunahme der Volatilität in
diesem Jahr antizipiert. Niemand kann jedoch mit
Bestimmtheit sagen, ob die besagten Glattstellungen
schlichtweg eine kurzfristige Marktkorrektur waren
oder den Anfang einer mehr schädlichen Periode
einläuteten.
Der Kursrückgang von Microsoft am 27. Februar im
Gefolge der deutlichen Rückgänge im Fernen Osten
ist ein guter Indikator für die starke Korrelation, die
sich zwischen den Märkten aufgebaut hat. Dies
bedeutet, dass Anlagen mit einem relativ niedrigen
Risiko in den Strudel einer Gleichstellung unter
risikoreichen Anlagen geraten können und, dass
selbst konservative Fonds wie der unsere unter
kurzfristigen Gleichstellungen leiden können. Die
Zunahme an Hedge Fonds ist einer der Gründe für
diese zunehmende Marktkorrelation. Hedge Fonds
haben sich zu entscheidenden kurzfristigen Preisfixern
entwickelt - in einem solchen Maß, dass ihren
Handlungen selbst viele nur langfristig operierende
Manager unterwürfig folgen. Nur wenige dieser
Manager kaufen, wenn Hedge Fonds verkaufen.
Beispielsweise kann es sein, dass ein Hedge Fonds
eine Position in Brasilien aufgrund von Problemen mit
einer Position in China verkauft und die Effekte sich
dann ungleich vergrößern.
Der Markt hat sich definitiv zum einen in exzessiv
kurzfristige Investoren und zum anderen in eher
konservative Marktteilnehmer aufgegabelt. Diese
Situation schafft Gelegenheiten für geduldige,
disziplinierte und langfristige Investoren.
Bestimmte Anlageklassen sind in Hinsicht auf eine
Korrektur verwundbarer als andere. In den
vergangenen zwei Jahren hat sie der exzessive
Kapitalstrom in einige Emerging Market Fonds
verletzbar gemacht. Wir haben zudem Bedenken
hinsichtlich einiger risikoreichen Teile des
Anleihemarktes. Die Credit Spreads sind deutlich
zusammengelaufen, selbst bei qualitativ
niedrigwertigen Schuldtiteln werden die Investoren
evtl. nicht für die Risiken entschädigt, die sie
eingegangen sind.
Rendite wie erwartet
Märkte sollten nicht unüberlegt betrachtet werden. Es
kann unter Umständen mehr Sinn machen,
individuelle Bewertungen zu analysieren als sich über
Märkte im Allgemeinen Sorgen zu machen. In jedem
Markt bietet sich eine weite Palette an Aktienwerten
und einige werden sich besser entwickeln als andere.
Die große Liquiditätszunahme an den Märkten
bedeutet, dass sich die Bewertungsspannen in den
letzten fünf Jahren verengt haben. Gleichwohl sind sie
immer noch existent. Die Wertentwicklung des
Templeton Growth (Euro) Fund spiegelte in den
letzten Jahren unsere Erwartungen. In anderen
Worten: in den Baisse-Jahren 1999-2003 konnte der
Fonds das Kundenkapital schützen. Außerdem
tendiert der Fonds dazu, in den Anfangsstadien eines
Haussemarktes erfolgreich zu handeln, d.h. wenn sich
die Kurspreise von ihrem niedrigen Stand erholen.
Tatsächlich ist dies genau das Szenario, das wir 2003
sahen. Schließlich kann es sein, dass der Fonds in
den Spätstadien eines Haussemarktes eine
unterdurchschnittliche Wertentwicklung verzeichnet,
d.h. wenn sich die Bewertungen strecken, die
Risikobereitschaft zunimmt und die Anleger zu
optimistisch werden. 2006 sind wir eigentlich mit der
Performance des Fonds zufrieden - der Templeton
Growth (Euro) Fund erzielte eine bessere Rendite als
seine Benchmark, der MSCI World. Dies bedeutet, wir
konnten – ohne Risiken einzugehen - mit einem
starken Haussemarkt Schritt halten.
Wenn überhaupt, dann haben wir das Risiko des
Fonds reduziert. Kurzfristig mag dies der relativen
Wertentwicklung abträglich sein, insbesondere wenn
Aktien ihren Kursanstieg fortsetzen, nachdem wir sie
zu unserem Zielpreis veräußert haben. Mit Blick auf
einen kurzen Zeithorizont hätten wir wahrscheinlich
besser rentiert, wenn wir das Portfolio unverändert
gelassen hätten. Wir konzentrieren uns jedoch auf
langfristige Ziele. Wenn wir Positionen abgestoßen
haben, deren Kurs sich verteuert hat, haben wir
gleichzeitig in Werte investiert, die langfristig das
richtige Potenzial für eine überdurchschnittliche
Wertentwicklung darstellen.
Großkapitalisierte Werte sind günstig
Ein einmaliges Charakteristikum der heutigen Märkte
ist es, dass wir solche Aktienwerte in hoher Zahl in
großkapitalisierten Unternehmen in entwickelten
Ländern finden. Es ist im höchsten Maße
ungewöhnlich, dass Value-Investoren wie wir es sind
die Gelegenheit haben, Weltklasseunternehmen wie
Microsoft, HSBC und General Electric zu kaufen. Doch
genau dies ist momentan der Fall. Diese Situation ist
eine genaue Umkehrung der Verhältnisse in den
späten 1990er Jahren. Damals handelten
großkapitalisierte Werte mit einem Aufschlag und die
Zunahme an Indexfonds beförderte die Bewertungen
von Large Caps auf extreme Niveaus. Heutzutage
handeln die weltweit Top 100 Unternehmen
gegenüber dem Markt mit einem Nachlass und
wurden von Unternehmen mit kleiner und mittlerer
Marktkapitalisierung überflügelt. Die Gründe dieser
Entwicklung sind vielfältig. Viele dieser
großkapitalisierten Werte sind in den US ansässig, wo
die Märkte in den letzten Jahren eine
unterdurchschnittliche Wertentwicklung verzeichneten
und sich selbst heimische Investoren in anderen
Märkten umsahen. Dies bedeutet, dass entgegen der
früheren Argumentation von Templeton, die US nun
nicht mehr deutlich überbewertet sind. Der zweite
Grund für die enttäuschenden Renditen
großkapitalisierter Werte hängt mit dem Aufstieg der
Hedge Fonds zusammen. Viele Hedge Fonds haben
sich auf Unternehmen mit mittlerer
Marktkapitalisierung spezialisiert, um Alpha zu
erreichen. Drittens haben wir dank niedriger Zinsen
eine explosionsartige Zunahme des Kapitals gesehen,
das von Private Equity-Unternehmen aufgebracht
wurde. Traditionell war Templeton in der Lage im
mittleren Segment der Marktkapitalisierung jede
Menge Bewertungsanomalitäten aufzuspüren, doch
sind diese Fehlbewertungen mittlerweile praktisch
verschwunden, da dieses Marktsegment das Interesse
von Private Equity-Unternehmen mit hoher Liquidität
geweckt haben. Viertens tendieren Unternehmen mit
kleiner und mittler Marktkapitalisierung in Perioden mit
starkem und beschleunigtem globalem Wachstum
dazu, gegenüber Large Caps eine Renditevorschuss
zu erzielen.
All dies bedeutet, dass Large Caps relative günstig
sind und für einen Fonds wie den unseren
hervorragende Investmentgelegenheiten bieten. In
meinen 14 Jahren mit Templeton hätte ich im Traum
nicht erwartet, Microsoft als Value-Titel zu behandeln.
Jetzt glaube ich allerdings, dass wir den langfristigen
Investmentzielen unserer Investoren dienen, wenn wir
hochkapitalisierte Unternehmen wie Siemens, AIG und
General Electric dem Portfolio hinzufügen.
Ein kurzer Blick auf Microsoft reicht aus, um zu
verstehen, warum sich das Unternehmen zu einer
unserer Top Positionen entwickelt hat. Über einen
langen Zeitraum handelte Microsoft in einer engen
Handelsspanne und man kann Anteile zu einem Preis
ähnlich dem in 1998 erwerben. Es lässt sich allerdings
argumentieren, dass Microsoft graduell in seine
Bewertung “hineingewachsen" ist.
Die Umsätze haben sich in den letzten 10 Jahren fast
vervierfacht und das Unternehmen macht starke
Gewinne. Tatsächlich waren die Nettoerträge 2006
größer als die gesamten Umsätze in 1997. Das
Unternehmen hat selbst nach einer
Dividendenausschüttung 2006 in Höhe von US$ 33
Mrd. eine netto Kasse von 12%. Es stimmt auch, dass
einige seiner Geschäftszweige immer noch nicht
profitabel sind, doch würde ich es vorziehen, 15-16
mal die prognostizierte Gewinnrendite für ein
weltweites Spitzenunternehmen zu zahlen, als für
einen noch unbewährten Titel aus den Emerging
Markets.
Andere großkapitalisierte Werte im Fonds sehen
ebenso vielversprechend aus. Sie haben relativ
niedrige Bewertungen, erzielen robuste Erträge, gute
Bilanzen und bieten oftmals hohe Dividendenrenditen.
In der Folge ist die gewichtete durchschnittliche
Marktkapitalisierung der Anteile im Templeton Growth
(Euro) Fund von US $28 Mrd. vor fünf Jahren auf
heute US$68 Mrd. gewachsen. Wir sind der Ansicht,
dass die besten Werte in Segmenten gefunden
werden, die außerhalb des Konsensus liegen. Im
Ergebnis haben wir großkapitaliserte Werte in den
USA erworben, oftmals in den Sektoren Technik und
Telekommunikation. Gegen Anfang dieses Jahrzehnts
begannen wir zudem damit, Positionen in USMedientiteln
aufzubauen. Sie haben in den Jahren
2004 und 2005 die Wertentwicklung nach unten
gezogen, entwickelten sich aber dafür 2006 zu einem
unserer besten Sektoren. Beteiligungen an
Unternehmen wie z.B. Newscorp, DirecTV und
Comcast waren ein wichtiger Faktor unserer Fähigkeit
in einem Markt mit zunehmend überhitzten
Bewertungen Schritt zu halten.
In der Tat haben wir während der Kursstürze gegen
Ende Februar über US$ 80 Mio. in Large Caps, inkl.
Oracle, Microsoft, Pfizer, Sanofi und General Electric
investiert. Wir werden auch weiterhin Perioden mit
Marktvolatilität zu unserem Vorteil nutzen.
Tatsächlich begrüßen wir Volatilität, denn sie bietet
eine hervorragende Gelegenheit, reale Werte zu
finden. Wenn wir Microsofts Kurs aufgrund einiger
spekulativer Aktivitäten in Shanghai fallen sehen, so
ist das für uns ein Signal zum handeln.
Murdo Murchison, Nassau
Quelle: Investmentfonds.de