Capital | Die Märkte bleiben optimistisch
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de | Die Märkte starten mit vorsichtigem Optimismus in die Woche; geopolitische Spannungen bestimmen weiterhin die Stimmung, auch wenn sie als treibender Faktor an Einfluss verloren haben. Erneut zeigte sich das bekannte Muster: Ein neuerlicher Schlagabtausch zwischen den USA und dem Iran am Wochenende verunsicherte die Märkte zunächst, doch Berichte über eine Rückkehr beider Seiten an den Verhandlungstisch stellten das Vertrauen bis Montagmorgen wieder her. Die Ölpreise gaben leicht nach, die Aktienkurse erholten sich, und die Anleger tendieren wieder zu der Ansicht, dass der Waffenstillstand sowie der umfassendere Friedensrahmen letztlich Bestand haben werden.
Dieses Vertrauen greift den Tatsachen jedoch möglicherweise vor. Während die Märkte offenbar davon ausgehen, dass eine relativ rasche Normalisierung der Energiemärkte bevorsteht, gibt es nach wie vor deutliche Anzeichen dafür, dass die Verhandlungen alles andere als einfach verlaufen. Washington und Teheran sind in wesentlichen Punkten einer langfristigen Einigung weiterhin uneins, und das Transportaufkommen in der Straße von Hormus liegt nach wie vor unter dem Normalniveau. An Prognosemärkten ist die Zuversicht hinsichtlich einer dauerhaften Einigung gesunken, doch an den Finanzmärkten wird weiterhin so gehandelt, als würde die geopolitische Risikoprämie allmählich schwinden. Damit ist der Ölpreis besonders anfällig für plötzliche Umschwünge, sollten sich die Verhandlungen erneut verschlechtern.
Die Inflationsentwicklung hat sich ebenfalls verändert. Die US-PCE-Daten der letzten Woche entsprachen weitgehend den Erwartungen, während fallende Ölpreise die Märkte veranlassten, die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Straffung der Geldpolitik durch die Federal Reserve vor Jahresende zu reduzieren. Inflationsswaps implizieren nun eine deutlich niedrigere Inflation in den nächsten zwölf Monaten, was die Annahme widerspiegelt, dass sich die günstigeren Energiekosten schnell auf die Verbraucher auswirken werden. Es bleibt jedoch ein wichtiger Unterschied zwischen energiebedingter Inflation und dem breiteren Preisdruck. Während sich der Energieschock abschwächt, bleibt die zugrunde liegende Inflation, die mit robusten Arbeitsmärkten, fiskalischen Stützungsmaßnahmen und dem KI-Investitionszyklus zusammenhängt, deutlich hartnäckiger.
Dies schafft ein interessantes Umfeld für eine Federal Reserve unter Kevin Warsh. Ein Aspekt, den die Märkte genau beobachten, ist die Möglichkeit, dass die Fed stärker auf Inflationsmaße auf Basis des „gestutzten Mittelwerts“ (trimmed mean) setzt; diese schließen extreme Preisbewegungen aus und liefern – so das Argument – ein klareres Bild der zugrundeliegenden Inflation. Sollte dieser Ansatz unter Warsh an Bedeutung gewinnen, könnte dies die Einschätzung stützen, dass die Inflation näher am Zielwert liegt, als es die aktuellen Gesamtinflationsdaten nahelegen, wodurch der Druck für weitere geldpolitische Straffungen abnähme. Dies ist jedoch vorerst noch Spekulation, und Investoren dürften weitere Belege abwarten, bevor sie ihre Erwartungen grundlegend anpassen.
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