BVR: Erneuter Zinsschritt der EZB im Dezember wahrscheinlich
"Ein geldpolitisches Vollgas ist in einer Situation, in der eine temporäre Wachstumsschwäche das wahrscheinliche konjunkturelle Szenario darstellt, nicht zwingend erforderlich", erklärt Martin. Mit der sich abzeichnenden Leitzinssenkung würde sich der für ökonomische Entscheidungen wichtige Realzins deutlich im negativen Bereich bewegen. Gemessen an der Differenz zwischen dem Tagesgeldsatz und den längerfristigen Inflationserwartungen von Vorhersageexperten läge der kurzfristige Realzins bei etwa -1,5 Prozent. Werde die aktuelle Teuerungsrate als Maßstab genommen, liege der kurzfristige Realzins sogar bei -2,5 Prozent. Extrem niedrige Zinsen über einen längeren Zeitraum seien mit mittel- und längerfristigen Risiken für die Finanzstabilität verbunden, stellt der BVR fest. Beispielsweise würden Investitionen begünstigt, die unter normalen Finanzierungsbedingungen nicht nachhaltig seien. Darüber hinaus werde der Aufbau globaler Ungleichgewichte gefördert. So hatten in den Jahren vor der Finanzmarktkrise niedrige Zinsen und eine günstige realwirtschaftliche Entwicklung in mehreren Staaten des Euroraums zum Aufbau von Immobilien- preisblasen und einer überhöhten Verschuldung von Privathaushalten und Unternehmen beigetragen. Daher müssten die EZB, die nationalen Notenbanken und auch der Europäische Systemrisikorat die Entwicklungen in den einzelnen Eurostaaten sorgfältig beobachten.
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