Finanzmarktkolumne der Bank Sarasin: Italien braucht Rettung - Das Land ist solvent, solange die Zinsen nicht explodieren
JAN AMRIT POSER, Chefökonom, Bank Sarasin
Am Montag hat der italienische Staat bei der Begabe zwölfjähriger Anleihen
7,3 Prozent zahlen müssen. Dieses Zinsniveau hat in der Vergangenheit
ausgereicht, Griechenland, Irland und Portugal unter den Schutz des EU-
Rettungsschirms zu stellen. Der Durchschnitt der Zinsen, die Italien auf
seine gesamten Schulden zahlt, liegt nach Daten des Internationalen
Währungsfonds (IMF) momentan bei 4 Prozent. Müsste es ab 2012 durch-
schnittlich 7 Prozent Zinsen zahlen, würde sich der Schuldenstand auf
einen explosiven Pfad begeben. Sollte Italien gerettet werden?
Das Problem ist jedoch, dass Europa aus vertraglichen Gründen die Hände gebunden sind. Eurobonds können nicht ohne Vertragsänderungen eingeführt werden. Die letzte Aufstockung des Euro-Rettungsschirms war nicht ausreichend, um die immer tiefer in die Krise fallenden Eurostaaten zu retten. Durch die angedachte Versicherungslösung, welche die Mittel der EFSF effizient nutzen soll, stehen lediglich EUR 800 Mrd. und nicht die erwartete Billion zur Verfügung. Es muss ein größeres Kaliber her, um eine Panik an den Finanzmärkten abzuwenden. Nur die Europäische Zentralbank (EZB) kann durch Anleihenkäufe die Zinsen in Schach halten. Angesichts der Tatsache, dass sie sich damit zur Geisel der Politik machen könnte, ist ihre Zurückhaltung jedoch verständlich. Doch im Extremfall wird sie der Kreditgeber der letzten Zuflucht sein müssen – wie in anderen Währungsgebieten üblich.
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