ING-IM: Bieten Megakonzerne Megachancen?
Ad Van Tiggelen, Senior Investment Specialist
In seiner aktuellen Kolumne schreibt Ad Van Tiggelen, Senior Investment
Specialist bei ING-IM:
Megakonzerne sind größer als die meisten Länder. Es gibt etliche Pharma-,
Lebensmittel-, Öl- und Technologiekonzerne, die Jahresumsätze von über
50 Milliarden Dollar erreichen. Das entspricht der Wirtschaftsleistung von
über zwei Dritteln der Länder dieser Erde. In den vergangenen zwölf Monaten
haben diese Megakonzerne sogar besser als der breite Aktienmarkt abge-
schnitten. In der Tat eine ungewöhnliche Entwicklung, denn ihre Aktienkurse
sind seit Ende der 1990er Jahre dem breiten Markt hinterhergehinkt. Ist das
der Beginn eines neuen Trends?
In den Jahren 2000 bis 2011 galten Mega-Aktien generell als Verlierer. Daher zählen diese behäbigen Giganten immer noch zu den beliebtesten Verkaufspositionen von Hedge-Fondsmanagern, die ihr Geld lieber in kleineren Unternehmen arbeiten lassen. Deren Aktienkurse profitieren nämlich stärker vom globalen Wirtschaftswachstum bzw. – seit 2008 – von den massiven Liqui- ditätsspritzen der Zentralbanken. Doch da es in diesem Jahr weder kräftiges Wachstum noch spürbare Liquiditätsspritzen gab, scheinen sich die Anleger wiederum der relativen Sicherheit und typischen regionalen Diversifizierung von Mega-Aktien zuzuwenden. In einer Welt mit stagnierendem Wachstum und steigender Unsicherheit macht das Sinn. Bedenkt man, dass Anleiheinvestoren bei der Flucht in „sicherere Häfen“ sogar negative Renditen hinnehmen, wundert es nicht, wenn Aktienanleger zunehmend bereit sind, für das geringe Risikoprofil von Mega-Aktien einen Bewertungsaufschlag zu zahlen. Multinationale Konzerne zahlen häufig relativ hohe Dividenden an renditehungrige Aktionäre und finanzieren sich gleichzeitig am Anleihemarkt zu Sätzen, die um weniger als ein Prozent über den extrem niedrigen Zinssätzen amerikanischer, britischer und deutscher Staatsanleihen liegen. Das Zusammenspiel dieser Faktoren hat wahrscheinlich stark zum erneuten Interesse an den „Aktienkolossen“ beigetragen. Doch eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Insofern muss man sich fragen, ob die jüngste Outperformance der Mega-Aktien nur eine vorübergehende Erscheinung ist. Wir meinen nicht. Ein erneutes Anwerfen der Notenpresse in den USA und Europa könnte natürlich den Geldfluss in die Finanzwirtschaft ankurbeln und den Risikoappetit vorübergehend stärken. Doch die marginale Wirkung solcher Maßnahmen würde wahrscheinlich bald nachlassen, da die scheinbar ungehemmte Ausweitung der Zentralbankbilanzen wohl oder übel zu Inflationsängsten führen muss. Das ist vor allem in der Eurozone der Fall, wo diese Maßnahmen in erster Linie den anhaltenden Mangel an Wettbewerbs- fähigkeit in ihren südlichen Regionen ausgleichen soll.
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