Sarasin: Bringen die EZB Anleihenankäufe langfristig eine Beruhigung?
Dr. ALESSANDRO BEE, Ökonom bei der Bank Sarasin & Cie AG
Nun hat Mario Draghi – der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB)
– die Umrisse des neuen Anleihenankauf-Programms vorgestellt. Es stellt
sich sogleich die Frage nach dessen Erfolgsaussichten. Das erste Anleihen-
ankaufprogramm (SMP) konnte am Markt zu keiner Beruhigung führen. Draghi
gab sich daher auch große Mühe die Unterschiede zwischen dem geplanten
und dem alten Ankaufprogramm herauszustreichen. Nur schon die Namens-
änderung von SMP (Securities Markets Programme) zu OMTs (Outright Monetary
Transactions) zeigt, dass Draghi eine deutliche Zäsur anstrebt. Das neue
Programm unterscheidet sich denn auch tatsächlich in einigen wichtigen
Punkten vom alten. Die EZB kauft unter dem OMT-Programm in einem
begrenzten Segment unlimitiert, was gegenüber dem SMP eine vielfach
größere Durchschlagskraft verspricht. Mit der Einbeziehung des EFSF/ESM
erhält Draghi außerdem ein wichtiges Disziplinierungsmittel gegenüber der
Peripherie. Wenn die Auflagen von EFSF/ESM nicht eingehalten werden,
stellt die EZB die Anleihenankäufe ein. Mit der Aufgabe der Seniorität
der EZB kann der adverse Effekt von Anleihenankäufen minimiert werden.
Bisher war es so, dass nach einer Intervention der Zentralbank die
Staatsanleihen für die anderen Investoren an Attraktivität eingebüßt
haben.
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