Sarasin: Risikoaversion wird den Yen stärken
URSINA KUBLI, Ökonomin bei der Bank Sarasin & Cie AG
Die japanische Zentralbank (BoJ) hat die Finanzmärkte mit einer
aggressiven Lockerung ihrer Geldpolitik überrascht. Damit erfüllt
die BoJ die Forderungen des Regierungschefs Shinzo Abe nach einer
expansiven Geldpolitik vollumfänglich. Die Hoffnung auf eine
Reflationierung hat in Japan sich selbstverstärkende Kräfte aus-
gelöst. Der Yen hat sich kräftig abgewertet und die Inflations-
erwartungen sind gestiegen, während sich die Konjunkturaussichten
aufgehellt haben. Muss die alte Börsenregel «don’t fight the Fed»
neuerdings auf die BoJ übertragen werden?
Trotz diesen hoffnungsvollen Anzeichen bezweifelt die Bank Sarasin
– im Gegensatz zum Marktkonsens –, dass der USD-JPY-Wechselkurs
seinen Anstieg in den kommenden Monaten fortsetzen wird. Quantitative
Geldpolitik schwächt zwar normalerweise eine Währung, da sie zu
niedrigeren Zinsen führt und damit die Attraktivität der Anleihen
eines Währungsgebietes reduziert.
Trotzdem sollte man den zukünftigen Währungseinfluss der BoJ nicht
überschätzen. Erstens hatte sich der USD-JPY-Wechselkurs gerade in
den Jahren 2001 bis 2003 kaum bewegt, obwohl die Bank of Japan in
diesen Jahren ihre Geldmengenbasis ebenfalls kräftig ausgeweitet
hat und die relative Geldpolitik eine Abwertung des Yens erwarten
ließ. Zweitens dürften die bisherigen Ankündigungen der BoJ bereits
in den Erwartungen der Finanzmarktteilnehmer berücksichtigt sein.
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