Vontobel Konjunkturkompass: Die Nadel zeigt auf Aktien
Christophe Bernard, Chefstratege Vontobel
Christophe Bernard, Chefstratege bei Vontobel, schreibt in einer aktuellen
Markteinschätzung:
Schritte zur Schuldenstabilisierung in der Eurozone, das Anwerfen der
Notenpresse in Japan, konjunkturelle Lichtblicke in den USA, niedrigere
Wachstumsraten in China – an der Wirtschaftsfront lösen sich gegenwärtig
Hoch- und Tiefdruckgebiete ab. Wie geht es weiter?
Vor dem Ausblick aber noch einen Rückblick. Zu den wichtigsten Ereignissen
des Jahres gehört die spektakuläre Lockerung der japanischen Geldpolitik
zur Bekämpfung der jahrzehntelangen Deflation. Auch die USA, wo die Kon-
junktur allen Widrigkeiten zum Trotz anzuspringen scheint, ließen aufhorchen.
In China schwächen sich hingegen die Wachstumsraten ab, obwohl die Ent-
wicklung in westlichen Augen immer noch beneidenswert ist. Erwähnenswert
ist auch die Entwicklung in Europa, auf die wir hier etwas detaillierter
eingehen.
Institutionelle Stärkung der Euro-Zone
Drei Jahre nach Ausbruch der europäischen Schuldenkrise werden Hoffnungen
auf nachhaltige fiskalische Stabilität wach. Dazu tragen die neuen Eckpfeiler
der europäischen Finanzordnung bei. Diese sind: der Europäische Stabilitäts-
mechanismus (ESM), der Europäische Fiskalpakt sowie die Garantie der
Europäischen Zentralbank (EZB), exzessive Verzerrungen bei den Zinssätzen
für Staatsanleihen zu verhindern – bekannt unter der Abkürzung OMT (Outright
Monetary Transactions).
Der ESM vergibt den Euroländern mit Finanzierungsproblemen Überbrückungs-
kredite, die an fiskalische und wirtschaftspolitische Bedingungen geknüpft
sind. Das jüngste Beispiel dafür liefert das Programm für Zypern. Allerdings
wäre der ESM, angesichts seiner beschränkten Größe von rund 500 Milliarden
Euro nicht in der Lage, ernsthafte Probleme von großen Ländern der Eurozone
zu bewältigen.
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