Marktkommentar AB: Sind schlechte Nachrichten manchmal gute Nachrichten?
Darren Williams, Senior European Economist bei AB
Auf die Verlangsamung der europäischen Wirtschaft und die niedrige
Inflationsrate will die Europäische Zentralbank (EZB) entschlossen
reagieren. Die Antwort von EZB-Chef Mario Draghi beinhaltet eine
Reihe mutiger Vorschläge, die über eine traditionelle Geldpolitik
hinausgehen. Europäische Aktien könnten von diesen Perspektiven
profitieren, so die Experten von AB.
Die Konjunkturaussichten im Euroraum haben sich eingetrübt. Nicht
nur in Italien und Frankreich entwickelten sie sich schlechter als
erwartet, auch Deutschland büßte seine Funktion als Konjunkturloko-
motive ein, zum Teil da geopolitische Einflüsse auf das produzierende
Gewerbe gedrückt haben.
Michele Patri, Portfoliomanager European Flexible Equities bei AB
Michele Patri, Portfoliomanager European Flexible Equities bei AB,
zur Kapitalmarktlage in Europa:
„Mario Draghis Vorschläge, um die darniederliegende Wirtschaft im
Euroraum zu stimulieren, sind eine willkommene Abkehr von der reinen
Sparpolitik, die sämtliche Probleme Europas durch eine Senkung
öffentlicher Defizite lösen wollte. Dabei schwebt Dragi vor, die
eigenen geldpolitischen Maßnahmen mit Strukturreformen und Steuer-
Initiativen zu flankieren.
Besonders gut finden wir, dass die EZB den europäischen Banken fast
zwei Jahre lang günstige Langfristkredite zur Verfügung stellen will.
Eines der hartnäckigsten Probleme in Europa ist nämlich die –
verständlicherweise – nur zögerliche Kreditvergabe. Die Banken
mussten vor dem Asset Quality Review (AQR) der EZB Kapitalpolster
aufbauen, da die Bankbilanzen auf den Prüfstand gestellt und Stress-
tests durchgeführt werden. Sobald diese Tests – vermutlich Ende
Oktober – vorbei sind, dürften die europäischen Banken die EZB-
Kredite bereitwilliger nutzen. Mit der Zeit werden Unternehmen
so mehr Kredite gewährt bekommen und die Nachfrage nach Dienst-
leistungen dürfte steigen, wenn das Wachstum im Euroraum allmählich
wieder anzieht.
Von diesem Szenario sollten europäische Aktien profitieren. Diese
werden momentan mit einem Abschlag zu Titeln aus den USA und Japan
gehandelt. Die stärker am Export orientierten europäischen Unter-
nehmen werden jedoch ihre Gewinne steigern können, was unter
anderem dem schwächeren Euro zu verdanken ist. Insbesondere Finanz-
werte dürften zu den Gewinnern zählen. Nachdem diese in den letzten
Jahren Schulden und Risiken abgebaut haben und die Kapitalstruktur
gestärkt wurde, kann die Rentabilität jetzt durch eine bereit-
willigere Kreditvergabe steigen.
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