DanskeInvest: Was beeinflusst die Wirtschaftsentwicklung nach monatelangem Fokus auf Griechenland?
Bo Bejstrup Christensen, Chefanalytiker von Danske Invest
Chefanalytiker Bo Bejstrup Christensen von Danske Invest wirft einen
Blick auf die Wirtschaftsentwicklung außerhalb der Griechenland-Krise
und erwartet Positives für die zweite Jahreshälfte:
"Wenn wir auf die letzten Monate zurückblicken, stellen wir fest,
dass sich praktisch alle Schlagzeilen der Medien auf Griechenland
bezogen. Nach den Sitzungsmarathons am Wochenende einigten sich die
Regierungschefs vorerst auf einen Verbleib Griechenlands im Euro
und sichern somit vorerst das Überleben des Landes. Somit ist es
langsam an der Zeit, sich auch wieder anderen Dingen zu widmen,
die die wirtschaftliche Entwicklung im Jahresverlauf beeinflussen.
Nach unserer Einschätzung wird die zweite Jahreshälfte vor allem
von drei wichtigen Themen geprägt. Unsere Hauptbotschaft ist, dass
wir weiterhin mit Wachstum in der Weltwirtschaft rechnen und damit
auch mit positiven Erträgen der meisten globalen Aktienindizes.
Doch auf dem Weg müssen wir mit einigen Auf und Abs rechnen und
es wird unserer Meinung nach erhebliche regionale Unterschiede
geben.
Wir werfen zunächst einen Blick auf die größte Wirtschaftsmacht,
die USA. Hier ist das Wachstum Ende des zweiten Quartals wieder auf
drei Prozent gestiegen. Diese positive Entwicklung ist angesichts
der Griechenland-Schlagzeilen in der öffentlichen Wahrnehmung mehr
oder weniger untergegangen.
Entscheidend für uns ist, dass diese Wachstumsrate wahrscheinlich
aufrechterhalten wird, also auch im zweiten Halbjahr mit einem Wachstum
von ungefähr drei Prozent zu rechnen ist. Die beiden Hauptgründe hierfür
sind ein weiterhin gesundes Bankensystem, das den privaten Sektor unter-
stützt und eine weitere Normalisierung des derzeit noch untertourig
laufenden Wohnungsmarktes.
Wenn wir mit dieser Erwartung Recht haben, so ergibt sich ein wesent-
lich positiveres Wachstumsszenario als es die US-Notenbank in der
letzten offiziellen Prognoseanpassung noch vor Augen hatte. Leitende
Mitglieder der Federal Reserve haben zuletzt geäußert, dass ein
Wachstum von etwa 2,5 Prozent doch wieder realistisch sei und das
langfristige Potenzial des Wirtschaftswachstum, also des Trend-
wachstums, in der Nähe von zwei Prozent liegen könne.
Dies bedeutet, dass die Wirtschaft gegenwärtig die freien Ressourcen
absorbiert und die Arbeitslosigkeit abnimmt. Damit nähert sich die
US-Notenbank einem ihrer Ziele- der Vollbeschäftigung.
Zinserhöhung im September
Schon der Umstand, dass eine Straffung der Geldpolitik immer erst
mit einer gewissen Verzögerung Wirkung zeigt, spricht dafür, dass
die Zentralbank nun damit beginnen muss, die Zinsen zu erhöhen.
Denn wenn wir mit unserer Erwartung von drei Prozent Wachstum Recht
haben, so entwickelt sich der Arbeitsmarkt stärker als von der
Notenbank erwartet. Somit ist er auch stark genug dafür, dass
wir in überschaubarer Zukunft eine erste Zinserhöhung sehen
werden. Wir rechnen damit im September.
Eine Zinserhöhung ist im Augenblick noch nicht in den Rentenmarkt
eingepreist, was bedeutet, dass wir mit erheblichen Schwankungen an
den amerikanischen Rentenmärkten rechnen können. Dies allein wäre
schon ein gutes Argument dafür, dass die US-Notenbank noch etwas
warten sollte, um den Markt nicht zu sehr zu überraschen. Doch
unseres Erachtens hat die Notenbank deutlich signalisiert, dass
sie sich stark an den Wirtschaftsdaten orientiert. Unserer Ein-
schätzung nach entwickeln sich diese Daten positiv; somit wird
der Markt bis September die erste Zinserhöhung eingepreist haben."
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