CapitalGroup: Politische Märkte - Wie stark beeinflusst der Populismus die Börsen?
Talha Khan, Political Economist bei Capital Group
Als die Briten vor einem Jahr für den EU-Austritt stimmten, schienen
populistische Kräfte überall auf dem Vormarsch zu sein. Auch nach dem
Nein-Votum blieben sie nicht ohne Einfluss auf die Politik. Aber welche
Konsequenzen haben derartige politische Strömungen für Märkte und
Investoren? Ein Jahr nach dem Brexit-Referendum sagt Talha Khan,
Political Economist bei Capital Group: „Der Populismus beeinflusst
die Börsen meist nur kurzfristig.“ Wichtiger für die Finanzmärkte
seien hingegen Konjunktur und Geldpolitik. Außerdem böten sich gerade
in unsicheren Zeiten auch immer Investmentchancen für Research-
orientierte Anleger.
Populismus in Europa eingedämmt, aber noch nicht besiegt
Während man nach der Austrittsentscheidung der Briten Dominoeffekte
auch in weiteren EU-Ländern befürchtet hatte, haben die populistischen
Parteien in den letzten Monaten meist wesentlich schlechter abgeschnitten
als zunächst erwartet worden war. „Die Gründe für den Aufstieg des
Populismus bestehen jedoch fort und die Zustimmung zur Europäischen
Union hat seit der internationalen Finanzkrise 2008 nachgelassen.
Die Zustimmung zum Euro bleibt aber stabil“, sagt Talha Khan. Hinzu
komme, dass den nationalen Regierungen noch weniger vertraut werde als
der Union. „So unzufrieden viele Europäer mit der EU sein mögen, so wenig
wollen sie sie – jetzt schon – abschaffen. Aber sie wollen, dass sich
etwas ändert – wirtschaftlich wie politisch. Und sie sind dafür durchaus
zu einer Protestwahl bereit. Doch den Umfragen zufolge wollen die meisten
noch immer lieber in der EU leben als außerhalb, und im Euroraum.“ Es sei
extrem schwierig, Faktoren zu prognostizieren, die zum Zerfall einer
Währungsunion führen könnten. Meist sei es so weit, wenn ihre Kernländer
nicht mehr wollen. Daher solle man vor allem auf Deutschland, Frankreich
und Italien achten.
Kurs halten mit Qualitätstiteln in unsicheren Zeiten
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