J.P. Morgan AM: Steigende US-Zinsen - ein Balanceakt zwischen Aufwind und Absturz
Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management
Die Normalisierung der Geldpolitik durch die US-Notenbank (Fed) sorgt auf
den Finanzmärkten weiterhin für Verunsicherung. "Die US-Notenbank hat die
heikle Aufgabe, die geldpolitische Unterstützung der Wirtschaft zu reduzieren
ohne die Konjunktur zum Absturz zu bringen, und gleichzeitig ein Zinsniveau
zu finden, das die Inflationsrisiken im Zaum hält. Bei einem weltweiten
Schuldenberg von inzwischen 60 Billionen US-Dollar ist dies ein Balanceakt.
Das Risiko, dass Börse und Wirtschaft abstürzen könnten, schwingt immer mit",
erläutert Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management
in Frankfurt. Auch das Ausland schaue mit einer gewissen Besorgnis auf die Fed,
denn die Verschuldung in US-Dollar außerhalb der USA habe sich seit 2000 fast
verfünffacht.
Steigende Zinsen bislang ohne negative Auswirkungen
Sechs Leitzinserhöhungen der Federal Reserve seit Dezember 2015, dazu der
monatliche Abbau des Staatsanleihebestands von aktuell 30 Milliarden US-Dollar
und der jüngste Renditeanstieg der 10-jährigen US-Staatsanleihen auf über drei
Prozent – all dies hat die Finanzmärkte verunsichert. Immer wieder taucht die
Frage auf, ob die US-Wirtschaft eine derart restriktive Geldpolitik verkraften
kann, und ab wann die hohen Zinsen ein Problem für den Aktienmarkt werden. Tilmann
Galler gibt Entwarnung: "Bislang haben die steigenden Zinsen kaum negative Folgen
auf die US-Wirtschaft, das Wachstum hält weiter an", sagt der Kapitalmarktstratege.
"Wenn wir den Blick auf den Konsumenten richten, ist der Effekt gering. Die US-
Haushalte besitzen dreimal mehr Vermögensanlagen, die von steigenden Zinsen pro-
fiteren, als Verbindlichkeiten – so sollte der Nettozinseffekt kurzfristig sogar
positiv sein. Das Wachstum auf dem Immobilienmarkt dürfte sich jedoch aufgrund
gestiegener Finanzierungskosten verlangsamen."
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