Fed bleibt auf Kurs, trotz volatiler Märkte und politischen Drucks
Franck Dixmier, Global Head of Fixed Income bei AllianzGI
Die robuste wirtschaftliche Verfassung der USA hält die US-Notenbank auf Kurs.
Wir erwarten, dass die Fed trotz politischen Drucks und der in letzter Zeit
zunehmenden Risikoaversion an den Finanzmärkten die Normalisierung ihrer
Geldpolitik fortsetzen wird.
Das Protokoll der letzten Fed-Sitzung vom 25. und 26. September ist
diesbezüglich aufschlussreich. Es zeigt, dass die Fed zuversichtlich und
optimistisch hinsichtlich der Wachstumsaussichten für die US-Wirtschaft
bleibt - insbesondere aufgrund der Erwartung, dass die meisten der von Zöllen
betroffenen Unternehmen die Preiserhöhungen auf die privaten Haushalte zu
überwälzen können. Das Protokoll zeigt darüber hinaus, dass die letzte
Zinserhöhung einstimmig verabschiedet wurde und die Mehrheit der Fed-Mitglieder
sich dafür ausspricht, letztlich über den neutralen Zinssatz hinauszugehen.
Schätzungen zufolge liegt die neutrale Rate - also das Zinsniveau, das das
Wirtschaftswachstum weder stimuliert noch hemmt - bei 2,5 bis 3 Prozent.
Daher ist die Botschaft der Fed klar, und die Märkte haben sie verstanden.
Der Beweis: Es gab keinerlei Anpassungen der Zinserhöhungserwartungen.
Die Finanzmärkte rechnen weiterhin bis Ende 2019 mit drei Leitzinserhöhungen.
Und dies, obwohl angesichts des schwächeren Wachstums in China, der
Befürchtungen hinsichtlich des Brexit und Italiens, geopolitischer Spannungen
und der Zunahme protektionistischer Tendenzen die Risikoaversion gestiegen ist.
All dies hat zu einem Anstieg der Volatilität an den Aktienmärkten beigetragen.
Die Zuversicht der Fed beruht auf Wirtschaftsdaten, die auf eine robuste
wirtschaftliche Verfassung in den Vereinigten Staaten hindeuten:
- im dritten Quartal wuchs die US-Wirtschaft mit einer jährlichen
Wachstumsrate von 3,5 Prozent; dies ist zwar gegenüber der Rate von
4,2 Prozent im zweiten Quartal ein Rückgang, liegt aber weiter deutlich
über der Potenzialrate
- das Wachstum wurde durch den privaten Konsum getrieben, der im siebten
Monat in Folge zulegte (mit einer annualisierten Rate von 4 Prozent) -
eine direkte Folge der Steuersenkungen von Präsident Donald Trump
- der von der Fed favorisierte Inflationsindikator blieb im fünften Monat
in Folge stabil bei 2 Prozent, da ein Anstieg der Güterpreise und Löhne
durch eine Abschwächung bei den Immobilienpreisen kompensiert wird.
All dies deutet darauf hin, dass die US-Wirtschaft ordentlich in Fahrt ist, was
wiederum die Fed in ihrer Absicht bestärkt, den geldpolitischen Stimulus zu
stoppen und über den neutralen Zinssatz hinauszugehen. Die nächste Zinserhöhung
dürfte während der Fed-Sitzung am 18. und 19. Dezember anstehen - das wäre der
vierte Schritt im Jahr 2018. Für 2019 erwarten wir erwarten zwei weitere
Zinsanhebungen.
Die Fed wird ihre Pläne zur Zinserhöhung jedoch nicht auf Autopilot setzen und
sich die Flexibilität zur Kursänderung erhalten, falls die Konjunktur dreht.
Die Notenbank wird daher pragmatisch bleiben und losgelöst von politischem
Druck die Entwicklung der Wirtschaftsdaten im Auge behalten.
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