LFDE Macroscope: Bipolare Störung
Olivier de Berranger, Chief Investment Officer und Enguerrand Artaz, Fondsmanager La Financière de L`Echiquier
In der Psychiatrie bezeichnet der Ausdruck "Bipolare Störung" den Wechsel zwischen Phasen starker Erregung und Niedergeschlagenheit. Sie ist durch ungewöhnliche Stimmungsschwankungen gekennzeichnet.
Wenn es eine Art von Störung gibt, an der die Anleger kollektiv leiden, dann eindeutig an dieser. Dies lässt sich sehr deutlich an den vergangenen fünf Monaten ablesen: Auf die Phase schwerer Niedergeschlagenheit von Oktober bis Dezember folgte Anfang Januar eine Phase starker Erregung.
Der Auslöser für die depressive Phase ist inzwischen wohlbekannt: die Erwartung einer weltweiten Wachstumsverlangsamung, bedingt durch konjunkturelle (Handelskrieg, Brexit, Krise im Automobilsektor) sowie auch strukturelle Faktoren (Verschärfung der geldpolitischen Bedingungen).
Seit Jahresbeginn herrscht an den Märkten jedoch Hochstimmung, und sämtliche Finanzwerte finden bei den Anlegern Anklang. Eine Kehrtwende, die durch den Kurswechsel der großen Zentralbanken (USA, China und Europa) und durch die Konjunkturprogramme in Ländern wie China, Italien oder Frankreich begründet ist.
Vergangene Woche markierte die Europäische Zentralbank den Abschluss einer Reihe von Mitteilungen der großen Zentralbanken weltweit. Die EZB kündigte an, ihre Zinssätze mindestens bis 2020 auf dem aktuellen Niveau zu halten und ein neues Bankenfinanzierungsprogramm aufzulegen.
Dies passte ins Gesamtbild, denn auch die US-Notenbank Federal Reserve und die chinesische Zentralbank äußerten sich moderater. Die Reaktion der Märkte auf diese neue Liquiditätsspritze ist vorerst jedoch paradox. Zwar schwächte sich der Euro folgerichtig ab und die langfristigen Zinssätze gaben deutlich nach (der Zinssatz für 10-jährige Bundesanleihen nähert sich der 0 %-Marke), doch Risikoanlagen, d. h. Aktien, verloren seit dieser Ankündigung an Boden. Ist dies der Beginn einer neuen Phase der Niedergeschlagenheit? Die Zukunft wird es zeigen.
Die allgemeine Hochstimmung schwindet gerade, und es ist umsichtiges Handeln gefragt, um sowohl im Hinblick auf die Asset-Klassen als auch auf Einzeltitelebene die Spreu vom Weizen trennen zu können.
Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
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