LFDE Macroscope: Dovish is the new black
Olivier de Berranger, CIO bei LFDE - La Financière de l`Echiquier
Der Schwenk der wichtigsten Zentralbanken auf einen moderateren Kurs ist zweifelsohne das große Thema dieses ersten Quartals. Hierzu scheint bisher jede Woche ihre eigenen Geschichten beizutragen.
Während die Debatte, ob eine ausgeprägte Umkehrung der US-Zinskurve ein zuverlässiger Hinweis auf eine kommende Rezession ist, in vollem Gange sind, hat die ehemalige Fed-Vorsitzende Janet Yellen, ihr Urteil bereits gefällt. Ihr zufolge ist die Umkehrung der Kurve kein Anzeichen für eine Rezession, sondern bildet eher das Erfordernis einer baldigen Senkung der Zinssätze durch die Zentralbank ab.
Natürlich stellt diese Analyse nur eine Meinung dar, denn Janet Yellen ist nicht mehr an den Debatten der US-Notenbank Fed beteiligt. Umso mehr handelt es sich um eine Meinungsäußerung, da die jüngsten Prognosen der Fed zeigen, dass zwar eine große Mehrheit ihrer Mitglieder für dieses Jahr die Beibehaltung des Status quo erwartet, jedoch kein Mitglied mit einer Zinssenkung rechnet. Dies könnte sich mit der Aufnahme eines neuen Mitglieds in den Offenmarktausschuss FOMC allerdings ändern.
Donald Trump schlug die Ernennung von Stephen Moore vor, einem seiner Berater während des Präsidentschaftswahlkampfs, der eine mehr als taubenhafte (akkommodierende) Haltung vertritt. Er gilt als ein erbitterter Gegner der Zinsanhebungen von 2018 und erklärte überdies, dass die Fed ihre Zinssätze nun um 0,5 Prozentpunkte senken müsse. Während es noch vor einigen Monaten nur um die Anzahl der Zinsanhebungen durch die Fed im Jahr 2019 ging, scheint sich heute die Frage zu stellen, ob sie ihre Zinssätze nicht sogar wieder senken wird.
Europa steht dem in nichts nach. Auf einer Konferenz in Frankfurt erklärte EZB-Präsident Mario Draghi, dass die Europäische Zentralbank bereit sei, eine erste Zinsanhebung notfalls erneut zu verschieben. Dies ist nicht ganz neu, denn die EZB nimmt immer mehr die Haltung der Fed an, d. h. sie handelt mit Blick auf die Konjunkturdaten. Interessanter war die Aussage des Zentralbankchefs, dass die EZB das Erfordernis prüfen könnte, insbesondere für den Bankensektor Ausgleichsmaßnahmen für die unheilvollen Auswirkungen der Negativzinsen umzusetzen. Einem Bericht von Reuters zufolge prüft die EZB verschiedene Optionen, insbesondere die Möglichkeit, den Banken einen Teil der sieben Milliarden Euro Zinsen, die sie an das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) zahlen, zurückzugeben. Dies liefe darauf hinaus, die Banken teilweise von der Zahlung eines Zinssatzes von 0,4 Prozent pro Jahr an die EZB auf einen Teil ihrer überschüssigen Liquidität zu befreien. Eine Maßnahme, die auf die Stützung der Rentabilität des Sektors abzielen würde, damit die Banken vermehrt Kredite vergeben und so die Konjunktur stützen.
Die Bank of Japan (BoJ) schlug im Laufe der Woche ebenfalls einen sehr moderaten Ton an. Auf ihrer Sitzung vom 20. März zeigte sich die Zentralbank besorgt, die Verlangsamung in China und die Mehrwertsteuererhöhung könnten sich auf die Wirtschaft des Inselstaates und den Konsum auswirken. Sie äußerte daher, neue geldpolitische Lockerungsmaßnahmen in Betracht zu ziehen. Die BoJ ist seit 2001 Vorreiter der unkonventionellen Geldpolitik und auch fast 20 Jahre später weiterhin in einer ultralockeren Geldpolitik verhaftet. Ist dieses Szenario ein Hinweis auf die Zukunft der EZB und der Fed? Eine schwierige Frage, die jedoch nicht mehr ignoriert werden darf.
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