BlueBay: "Märkte sollten nicht zu optimistisch werden"
David Riley, Chief Investment Strategist, BlueBay Asset Management
Auf dem G20-Gipfel haben sich die Präsidenten Donald Trump und Xi Jinping darauf verständigt, die Handelsgespräche zwischen den USA und China wiederaufzunehmen und während der Dauer der Verhandlungen keine zusätzlichen Einfuhrzölle zu erheben. Laut Präsident Trump hat China zugesagt, "große Mengen" an US-Agrargütern zu kaufen, während die Beschränkungen für US-Unternehmen, die Geschäfte mit dem chinesischen Technologieriesen Huawei tätigen, gelockert werden.
Diese Zusagen bedeuten, dass der G20-Gipfel die Markterwartungen übertraf. Daher folgen die europäischen Aktienmärkte mit einer starken Eröffnung den asiatischen Märkten, da aktuell eine Eskalation des Handelskrieges zwischen den beiden Schwergewichten geringer erscheint und damit auch die Gefahr einer weltweiten Rezession geringer eingeschätzt wird.
Bei dem am Wochenende erzielten Abkommen handelt es sich aber nur um einen Waffenstillstand und nicht um ein dauerhaftes Friedensabkommen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Die Unsicherheit über die Handelspolitik von US-Präsident Trump bleibt bestehen und könnte die Stimmung erneut belasten.
Die Anleger werden nun ihre Aufmerksamkeit wieder den Zentralbanken zuwenden und der Aussicht, dass sie die Märkte mit weiteren Liquiditätsspritzen befeuern werden. Eine erste Zinssenkung der US-Notenbank Fed am Ende des Monats haben die Märkte bereits fest eingepreist, obgleich die Arbeitslosenquote in den USA historisch niedrig liegt und die US-Wirtschaft im ersten Quartal des Jahres um 3 Prozent gewachsen ist. Gleichzeitig rechnen die Anleger nach den jüngsten Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi damit, dass die EZB bereit sein könnte, den Zinssatz noch weiter in den negativen Bereich zu verschieben und die Politik der quantitativen Lockerung wiederaufzunehmen.
Es besteht die Gefahr, dass die Märkte im Nachgang des G20-Gipfels und wegen des "Zuckerrausches" aufgrund des billigen Geldes der Zentralbanken zu optimistisch werden. Zinssenkungen werden die Unsicherheit der Handelspolitik nicht ausräumen können, und die Aussicht auf das globale Wachstum bleibt fragil. Investoren sollten daher vorsichtig vorgehen.
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