Kommentar von Franck Dixmier zur EZB-Sitzung am 12. September 2019
Franck Dixmier, Global Head of Fixed Income bei Allianz Global Investors
Wie erwartet bestätigte die EZB auf ihrer Sitzung am 25. Juli den von Präsident Mario Draghi einen Monat zuvor im portugiesischen Sintra dargelegten Ansatz: Die EZB ist bereit, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um das Wachstum zu erhalten und ihrem Inflationsziel von 2 Prozent näher zu kommen. Innerhalb der EZB wurden daraufhin alle monetären Optionen geprüft, einschließlich der Wiederaufnahme des Anleihekaufprogramms.
Seitdem hat sich das politische und wirtschaftliche Umfeld verschlechtert:
Wir erwarten daher, dass die EZB am 12. September ihre Geldpolitik weiter lockert. Konkret prognostizieren wir einen Rückgang des Einlagesatzes um 10 Basispunkte, die Einführung einer mehrstufigen Einlagenfazilität (die die überschüssigen Reserven der Banken ab einem für jedes Institut spezifischen Schwellenwert quasi besteuert) und eine stärkere Forward Guidance mit der ausdrücklichen Zusage, dass die Leitzinsen für lange Zeit niedrig bleiben werden.
Wir halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass die EZB zum jetzigen Zeitpunkt die Wiederaufnahme ihres Anleihekaufprogramms ankündigen wird. Jüngste Kommentare von Zentralbankmitgliedern deuten darauf hin, dass es keinen Konsens darüber gibt, ob eine neue Runde der quantitativen Lockerung (QE) notwendig ist, auch wenn diese Option auf dem Tisch bleibt. Darüber hinaus will sich die EZB möglicherweise einen gewissen Handlungsspielraum bewahren, um einer stärkeren Verschlechterung des wirtschaftlichen und politischen Umfelds begegnen zu können - und ihrem nächsten Präsidenten ein hilfreiches Instrument an die Hand zu geben. Und schließlich könnte der EZB daran gelegen sein, sich wieder etwas aus den Erwartungsfesseln der Märkte zu befreien.
Die Finanzmärkte, die ein größeres Stimulierungspaket erwarten, könnten daher enttäuscht werden - einer Zinssenkung um 20 Basispunkte wird eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent beigemessen, außerdem wird von einem Neustart von QE ausgegangen. Anlegern würde dies die Möglichkeit bieten, mögliche Zins- und Spread-Erhöhungen zu nutzen und zu tieferen Kursen einzusteigen - insbesondere durch eine Erhöhung der Duration von Staatsanleihen und durch Eingang eines höheren Kreditrisikos.
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