Euroswitch Pressemitteilung: "Von Wahrheiten und Wahrscheinlichkeiten"
Thomas Böckelmann, Portfoliomanager der Vermögensmanagement Euroswitch
"Deutschlands Wirtschaft ist wohl zwei Quartale in Folge geschrumpft. Damit sind die Kriterien einer technischen Rezession erfüllt", fasst Thomas Böckelmann, leitender Portfoliomanager der Vermögensmanagement Euroswitch, die derzeitige Situation zusammen. Dabei sind privater Konsum und der Dienstleistungssektor vergleichsweise stabil. Das lässt zunächst wahrscheinlich erscheinen, dass die Rezession in erster Linie Folge globaler Handelsstreitigkeiten und des Brexits ist, also vorläufiger Natur, falls es in nächster Zeit zu wünschenswerten Kompromissen kommt. Diese Einschätzung - so richtig für die Weltwirtschaft - könnte im Falle Deutschlands zu optimistisch sein. Jüngste Veröffentlichungen der OECD deuten für Deutschland vielmehr den Weg in eine strukturelle Krise. So ist Deutschland das einzige Industrieland mit negativen Nettoinvestitionen seit vielen Jahren. In den Bereichen Bildung, Forschung und Entwicklung sowie Digitalisierung gehört man zu den Schlusslichtern. "Das Geschäftsmodell des "Exportweltmeisters" ist nicht nur durch das global zunehmend protektionistische Politikumfeld in Gefahr - vieles ist hausgemacht, angefangen von einer nicht vorhandenen auf Innovation ausgerichteten Wirtschaftspolitik bis hin zu den höchsten Strompreisen der Welt", so Böckelmann. Dabei sei Wachstum für die Wohlstandssicherung unerlässlich und biete einem Sozialstaat die für die Umverteilung erforderliche Verteilungsmasse.
Die Begriffe "Energiewende", "Verkehrswende" und jüngst die "Wohnwende" seien zu einer immer größeren Bedrohung für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands geworden. Dies gehe mit einer immer aggressiveren Kritik an der Europäischen Zentralbank EZB und genereller Skepsis gegenüber den Kapitalmärkten einher. Zumindest der EZB könne man nicht vorwerfen, gegen die Wirtschaft zu agieren. Nach der letzten Pressekonferenz sind Zinsanstiege über Jahre ausgeschlossen und die Geldgeschenke an die Eurostaaten werden fortgesetzt. Diese Art verdeckter Staatenfinanzierung müsse natürlich kritisiert werden, die Politik wisse aber noch immer nicht, wie ein Europa zukünftig aussehen soll. "Wer den Euro erhalten will, der muss mit der Notenbankpolitik leben wie sie nun einmal ist. Auch Deutschland sollte diese Geldgeschenke annehmen und wieder mehr investieren. Sonst wird die "schwarze Null" sehr wahrscheinlich zu einer weiteren Belastung für die deutsche Wirtschaft", warnt Böckelmann.
Richtig vorsorgen bedeutet investieren Nicht die verdeckte Staatsfinanzierung durch die EZB scheine in Deutschland das Problem, sondern vielmehr der nominal negative Zins. Dabei ist der reale Zins für die Kaufkraft und Altersvorsorge entscheidend und dieser war in Deutschland über weite Teile seit den 70er Jahren für Sparverträge negativ. Gemessen an der Aktienquote betrieblicher Vermögen für die Altersvorsorge bildet Deutschland mit 8 Prozent das Schlusslicht aller Industriestaaten, Polen liegt mit 80 Prozent Aktienquote in Europa an der Spitze. Dabei ist empirisch belegt, dass sehr lange Investmenthorizonte gerade wie für die Altersvorsorge mit einem erhöhten Anteil an Aktienengagements erfolgreicher sind. "Diese so nötige Geldanlage wird mit der in Deutschland aktuell geplanten Finanzmarkttransaktionssteuer leider wieder benachteiligt", so Böckelmann.
Licht und Schatten erwartet Die anstehenden Veröffentlichungen der Unternehmensergebnisse für das abgelaufene Quartal werde tiefe Einblicke in den durch die Handelskonflikte beeinträchtigte industrielle Landschaft gewähren. Gleichzeitig werde die Frage beantwortet, ob der starke Dienstleistungssektor weiterhin die industrielle Schwäche kompensieren kann - zumindest aus globaler Sicht spräche viel für ein optimistisches Szenario. Auf der politischen Seite blieben der Brexit und jüngste Meldungen, Donald Trump wolle in Aktienallokationen amerikanischer Anleger eingreifen, belastend. "Mit der Beeinträchtigung der Wirtschaft steigt allerdings auch der Druck auf eine politische Einigung im Handelsstreit, auch wenn die Welthandelsorganisation WTO die Verhängung amerikanischer Zölle gegen die EU zunächst für rechtmäßig erklärt hat", so das Fazit von Böckelmann.
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