Ölmarkt im Zangengriff - Preise sinken und Ölspeicher stoßen an Grenzen!
Benjamin Louvet, Fondsmanager des OFI Precious Metals Funds
bei OFI Asset Management
Der Ölmarkt liegt am Boden. Nicht nur, weil der Ölpreis um fast 60% gegenüber den Höchstständen vor der Krise eingebrochen ist - die Situation sei noch weitaus ernster, sagt Benjamin Louvet, Fondsmanager des OFI Precious Metals Funds bei OFI Asset Management.
"Vor ein paar Tagen notierte Rohöl aus Wisconsin/USA zu einem negativen Preis. Das bedeutet, der Ölproduzent musste seine Kunden für die Abnahme des Öls bezahlen. Das mag ein Extremfall sein, zeigt aber, wie angespannt der Ölmarkt insgesamt ist. Der Preis für ein Barrel Schieferöl aus dem Perm-Becken, dem größten Schieferbecken der USA, liegt heute vier US-Dollar unter dem West-Texas-Intermediate-Referenzpreis (WTI). Der Spread ist in den vergangenen Tagen auf 10 US-Dollar/Barrel gestiegen. Das heißt, dass ein Schiefer- produzent sein Rohöl selbst bei einem WTI-Referenzpreis von 20 Dollar/Barrel nur zu zehn Dollar verkaufen könnte - das ist weniger, als das leere Fass kostet.
Der Ölmarkt wird gleichzeitig von einem Nachfrage- und einem Angebotsschock getroffen. Seit Beginn der COVID-19-Krise unterliegt fast die Hälfte der Weltbevölkerung strengen Ausgangssperren, so dass weder Autos noch Flugzeuge genutzt werden. Fatih Birol, Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur (IEA), geht von einem Nachfrageeinbruch um 20 Millionen Barrel pro Tag aus – das entspricht einem Rückgang um 20 Prozent gegenüber der Vor-Corona-Nachfrage von 100 Millionen Barrel pro Tag.
Gleichzeitig führten der Wirtschaftskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland zu einem Angebotsschock, der in den kommenden Wochen zu einem täglichen Nachschub von drei bis vier Millionen Barrel führen könnte.
Überangebot von 24 Mio. Barrel/Tag Damit erreicht der Ölmarkt insgesamt ein Überangebot von fast 24 Millionen Barrel pro Tag - so viel wie noch nie zuvor! Der Markt kann ein solches Überangebot aktuell noch bewältigen, da die Lagerkapazitäten noch nicht erschöpft sind. Experten schätzen die weltweit verfügbare Speicherkapazität auf etwa eine Milliarde Barrel.
Bei der aktuellen Überproduktion von fast 24 Millionen Barrel pro Tag sind die weltweiten Speicher voraussichtlich also in 40 bis 50 Tagen voll. Aus verschiedenen Weltregionen wird bereits heute gemeldet, dass erste Lagerstätten erschöpft sind. Wenn die Ausgangssperren noch einige Wochen anhalten, dann finden sich keine Abnehmer mehr für Öl. Die Folge: Entweder bezahlen die Ölproduzenten dann Abnehmer dafür, ihr Öl zu lagern, was allerdings die Ölpreise weltweit ins Negative drücken würde, oder die Ölförderung müsste gedrosselt werden.
Die Situation ist heute schon schlimm. In den kommenden Wochen könnte sie katastrophal werden."
Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
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