ETHENEA | KI muss jetzt liefern: vom Reißbrett auf die Baustelle
Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A
Investmentfonds.de - Munsbach, 20. Oktober 2026 – Die KI-Euphorie bekommt eine Kostenrechnung. Rechenzentren müssen ans Netz, Kapazitäten gebucht und Milliardeninvestitionen verdient werden. Für Anleger verschieben sich damit Chancen und Risiken im Portfolio. Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A., erklärt, warum jetzt nicht mehr die größten Visionen zählen, sondern Aufträge, Auslastung und Cashflow.
Die erste Phase des KI-Booms war von Ankündigungen geprägt: Entscheidend war, wie viel die großen Technologiekonzerne investieren wollten. Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft planen im aktuellen Jahr zusammen Investitionen von weit mehr als 700 Milliarden US-Dollar. Inzwischen hat jedoch Phase II begonnen. Jetzt müsse sichtbar werden, was aus diesen Budgets entsteht, sagt Jörg Held: „Der KI-Zyklus ist an einem Punkt angekommen, an dem nicht mehr nur die Höhe der Investitionen zählt. Entscheidend wird, wer die Infrastruktur rechtzeitig baut, auslastet und in Cashflow verwandelt.“
Wie sensibel der Markt inzwischen reagiert, zeigte sich zuletzt bei den großen US-Technologiewerten. Alphabet verlor trotz eines starken Quartals rund sechs Prozent an der Börse, weil Rekordinvestitionen in Rechenzentren den freien Cashflow erstmals ins Minus drückten. Bei Meta brach dieser um 91 Prozent ein. Microsoft und Amazon legten dagegen deutlich zu, weil ihr Ausbau bereits durch Cloud-Aufträge und vertraglich gebuchte Kapazitäten unterlegt ist. „Gleiche Ausgaben führen nicht mehr automatisch zur gleichen Marktreaktion. Anleger unterscheiden zunehmend zwischen Zukunftserzählung und bereits belegter Nachfrage“, ordnet Held ein.
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Der Chip ist nicht mehr der einzige Engpass
Auch NVIDIA lieferte Ende August außergewöhnliche Zahlen, doch der KI-Ausbau hängt längst nicht mehr nur an Chips. Von rund zwölf Gigawatt US-Rechenzentrumskapazität, die für 2026 angekündigt waren, war im Frühjahr nur etwa ein Drittel tatsächlich im Bau. „Der Engpass liegt nicht mehr nur im Chip. Er liegt zunehmend im Netz, in der Stromversorgung, in Kühlung und Ausrüstung“, erläutert Held. Häufig fehle der Anschluss an genügend verlässliche Leistung, gleichzeitig warten mehr als zwei Terawatt neue Erzeugungs- und Speicherprojekte auf den Netzanschluss. Große Transformatoren haben inzwischen Lieferzeiten von drei bis vier Jahren.Davon profitieren Grundausstatter wie NVIDIA und ASML ebenso wie Unternehmen aus den Bereichen Stromversorgung, Netzinfrastruktur und Kühlung. „Für uns zählt, dass sich der Ausbau bereits in den Auftragsbüchern zeigt und wie viel Wachstum die Bewertung schon vorwegnimmt“, sagt der Experte.
China erhöht den Druck
„Der Wettbewerb wird breiter und günstiger“, so Held weiter. „Entscheidend ist, wer daraus tragfähige Erträge machen kann.“ Gleichzeitig reiche der KI-Zyklus längst weit über Chatbots hinaus. Anwendungen entstehen zunehmend in Verteidigung, Industrie und Medizin, also überall dort, wo Produktivität oder Nutzen messbar werden.China hat vor allem bei offenen Modellen und beim Preis aufgeholt. Qwen, DeepSeek und Kimi erhöhen den Wettbewerbsdruck, während der Zugang zu modernster Rechenleistung durch Exportkontrollen begrenzt bleibt. Viele neue KI-Projekte in Europa, dem Nahen Osten und Indien greifen dennoch auf dieselben globalen Lieferketten für Lithografie, Beschleuniger, Netzwerke, Strom und Kühlung zurück.
Die Lehre aus SpaceX
Der Börsengang von SpaceX hat gezeigt, wie genau der Kapitalmarkt inzwischen auf die Ertragsbasis neuer KI-Geschäftsmodelle schaut. Während Starlink bereits hohe operative Gewinne erzielt, verlangen Starship und das KI-Geschäft enorme Investitionen. „Das Potenzial eines Unternehmens und das passende Risikoprofil für ein Portfolio sind zwei verschiedene Dinge. Eine große Zukunftsgeschichte ist kein Kaufargument, wenn Bewertung, Kapitalbedarf und Cashflow nicht zusammenpassen“, erläutert Held.Nun zeichnen sich die Börsengänge von Anthropic und OpenAI ab. Jörg Held richtet den Blick im Vorfeld auf Unternehmen, die bereits heute am Wachstum der KI-Labore verdienen, darunter Microsoft, Amazon, Alphabet, Oracle und Nebius. Er verdeutlicht: „Der erste Handelstag allein ist für uns kein Kaufargument. Entscheidend sind Bewertung, Finanzierungsbedarf und die Aussicht auf tragfähige Erträge.“
Was die nächste KI-Phase für Portfolios bedeutet
Mit dem KI-Zyklus veränderten sich auch die Auswahlkriterien, so Held. „Wir bündeln unsere Positionen bei Grundausstattern, Strom- und Netzinfrastruktur, Kühlung sowie bei Anwendungen mit messbarem Nutzen. Dabei überprüfen wir laufend, ob Aufträge zu Erträgen werden und ob die Bewertung das jeweilige Risiko rechtfertigt.“ Die nächsten Börsengänge würden weitere Erkenntnisse in die Ökonomie der Branche geben. Denn: „KI muss jetzt liefern. Für Anleger beginnt die entscheidende Phase erst, wenn aus Investitionen Aufträge entstehen, aus Kapazität Auslastung wird und aus Wachstum Cashflow entsteht.“- Ende der Nachricht
Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder (ETHENEA Independent Investors S.A.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar (ETHENEA Independent Investors S.A.)
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