Donner & Reuschel: Mumm kompakt - Sind die Aktienmärkte zu optimistisch?
Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel
Während sich die internationalen Aktienmärkte weiter von den dramatischen Verlusten seit Mitte Februar erholen, zeigen die volkswirtschaftlichen Datenveröffentlichungen langsam ein konkreteres Bild der realwirtschaftlichen Schäden.
In Deutschland werden nach den Schnellschätzungen auch die finalen Markit-Einkaufsmanagerindizes deutlich schwächer ausfallen. Der März-Arbeitsmarktbericht dürfte schon eine steigende Arbeitslosigkeit und einen deutlichen Anstieg der Anträge auf Kurzarbeit belegen. Mit leichter Verzögerung, dafür aber umso schneller - aufgrund des flexibleren Arbeitsmarkts - machen sich die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in den USA bemerkbar. In der vergangenen Woche haben sich die Erstanträge auf Arbeitslosigkeit im Vergleich zur Vorwoche verzehnfacht und sind auf über 3 Millionen in die Höhe geschnellt. In dieser Woche wird das Überschreiten der 3,5 Millionen erwartet. Die auf 50-Jahrestief befindliche Arbeitslosenquote dürfte dadurch von 3,5 auf etwa 3,8 Prozent steigen. Auch der für die US-Wirtschaft besonders wichtige private Konsum dürfte von dieser Entwicklung getroffen werden.
Da ein Ende der Bewegungseinschränkungen sowohl in Europa als auch in den USA noch nicht absehbar ist, könnte sich die Erholung an den Aktienmärkten als verfrüht herausstellen. Es bleibt die Hoffnung auf die Zeit nach einem Abflachen der Neuinfektionskurve. So stiegen in China die Einkaufsmanager- indizes für das Verarbeitende Gewerbe und für die Dienst- leistungen nach einem Einbruch im März wieder überraschend deutlich über die Expansionsmarke von 50 Punkten auf 52 bzw. 52,3 Punkte an. Einem deutlicheren Aufschwung der chinesischen Wirtschaft steht jedoch noch der Ausfall wichtiger Export- Abnehmer in Europa und den USA entgegen.
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