OFI AM: Fed kauft Schrottanleihen - Marktverzerrung auf Zeit?
Jean-Marie Mercadal, Chef-Stratege bei OFI Asset Management
Während die Europäische Zentralbank Hochzinsanleihen als Sicherheit von Banken akzeptiert, darf die US-amerikanische Zentralbank nun über Exchange Traded Funds (ETFs) hochverzinsliche Anleihen kaufen. Jean-Marie Mercadal, Chef-Stratege bei OFI Asset Management, sagt, dass damit Emittenten von High-Yield-Anleihen gegenüber Emittenten von Investment-Grade-Anleihen im Vorteil seien. Wenn eine solche marktverzerrende Maßnahme zeitlich befristet sei, solle man einen solchen Schritt besser pragmatisch als ideologisch beurteilen:
"Aufgrund der Berechnungsmethode der Indizes, die den jeweiligen ETFs zugrunde liegen, sind die am stärksten verschuldeten Unternehmen am stärksten gewichtet. Und diese profitieren von den Kaufprogrammen am meisten, die sich bisher auf über 7 Milliarden Dollar beliefen.
Die Fed hat damit Neuland betreten. Eine solche Intervention verzerrt einen von Natur aus illiquiden Markt und damit den natürlichen Preisfestsetzungs- mechanismus so sehr, dass Fondsmanager und Investoren unterminiert werden könnten.
Der nächste Schritt wäre ein Aufkauf von Aktien. Ein Beispiel: Die japanische Notenbank kauft seit mehreren Jahren Aktien, auch über ETFs, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Deflation zu bekämpfen. Ihr wird jedoch vorgeworfen, die natürlichen Marktmechanismen zu verzerren und "Zombie-Unternehmen" am Leben zu halten, die es ansonsten nicht mehr gäbe.
Die Grenze zwischen natürlichen Marktmechanismen und staatlichen Eingriffen ist also zu einer durchlässigen Grenze geworden. Trotzdem ist Pragmatismus angebracht. Wenn sich die Wirtschaft irgendwann erholt, wird es an den Regierungen liegen, sich zurückzuziehen und die Preisbildung wieder dem freien Markt zu überlassen.
Und dieser Schritt könnte durchaus attraktiv sein: Denn der Präzedenzfall aus dem Jahr 2008 zeigt, dass Zentralbanken und Regierungen aus der Krise "Geld" gemacht haben: Die im Rahmen des "US Troubled Asset Relief Program" gekauften Vermögenswerte wurden anschließend verkauft und generierten insgesamt einen Kapitalgewinn. Gleiches gilt für die Teilverstaatlichung von General Motors."
Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
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