Invextra AG | Wo lauert 2026 das nächste Lehman-Risiko?
Dipl.-Kfm. Raimund Tittes, Vorstand der Kölner Investmentberatung INVEXTRA.COM AG
Investmentfonds.de - 11. September 2026 - Am 15. September 2008 löste die Pleite von Lehman Brothers eine globale Finanzkrise aus.
Fast 18 Jahre später hat sich das Finanzsystem grundlegend verändert. Banken verfügen heute über deutlich höhere Kapital- und Liquiditätspuffer. Gleichzeitig ist jedoch ein erheblicher Teil der Finanzaktivitäten aus dem klassischen Bankensektor in weniger stark regulierte Bereiche gewandert.
Heute sind die großen Banken deutlich besser kapitalisiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass neue Risiken verschwunden sind – sie haben sich teilweise in andere Bereiche des Finanzsystems verlagert.
Für Anleger stellt sich deshalb eine neue Frage: Wo könnte heute der nächste systemische Krisenherd entstehen?
Nicht unbedingt eine Bank könnte den nächsten Schock auslösen
Nach der Finanzkrise wurden Banken weltweit stärker reguliert. Basel III, höhere Eigenkapitalanforderungen, Liquiditätsvorschriften und Stresstests haben das klassische Bankensystem widerstandsfähiger gemacht.Das bedeutet allerdings nicht, dass das Finanzsystem risikofrei ist.
Ein erheblicher Teil des Wachstums findet inzwischen im sogenannten Nichtbanken-Finanzsektor (NBFI) statt. Dazu gehören unter anderem:
- Private-Credit-Fonds
- Hedgefonds
- Investmentfonds
- Immobilienfonds
- Versicherungen
- Private-Equity-Gesellschaften
- weitere Finanzintermediäre außerhalb des klassischen Bankensektors
Damit hat sich der potenzielle Krisenherd gegenüber 2008 verschoben.
Der neue Risikobereich: Private Credit und Nichtbanken
Besonders aufmerksam beobachten Aufsichtsbehörden den stark gewachsenen Nichtbanken-Finanzsektor. Dazu gehören unter anderem Private-Credit-Fonds, Hedgefonds, Investment- und Immobilienfonds.Der weltweite Private-Credit-Markt liegt inzwischen bei rund 2 Billionen US-Dollar. Problematisch könnte eine Kombination aus hoher Verschuldung, illiquiden Krediten und gleichzeitig steigenden Rücknahmeanträgen der Anleger werden.
Hinzu kommen stark gehebelte Hedgefonds und ihre Verbindungen zu Banken, Repo-Märkten und Derivaten.
Das eigentliche Risiko ist die Vernetzung
Eine neue Finanzkrise muss deshalb nicht mit der Pleite einer einzelnen Bank beginnen.Ein mögliches Szenario wäre: Liquiditätskreislauf
Rücknahmeanträge-
1. Liquiditätsbedarf der Fonds
2. Verkauf von Vermögenswerten
3. fallende Preise
4. steigende Verluste
5. zusätzliche Sicherheiten erforderlich
6. weitere Verkäufe
7. steigender Druck auf Banken und Kapitalmärkte
Auch Gewerbeimmobilien und die teilweise hoch bewertete und kreditfinanzierte KI-Branche sollten Anleger im Blick behalten.
Die größere Gefahr könnte aus der Vernetzung entstehen
Private Credit allein muss noch keine globale Finanzkrise auslösen. Entscheidend ist vielmehr die Verbindung zu anderen Marktteilnehmern. Besonders interessant sind deshalb Hedgefonds und andere stark gehebelte Finanzinvestoren. Diese können über Banken, Repo-Geschäfte und Derivate erhebliche Positionen finanzieren.Kommt es zu starken Kursbewegungen, können sogenannte Margin Calls entstehen. Anleger müssen dann zusätzliche Sicherheiten hinterlegen oder Positionen verkaufen. Dadurch können zunächst begrenzte Verluste eine Kettenreaktion auslösen.
Das entscheidende Stichwort lautet daher: Leverage.
Je höher die Verschuldung eines Marktteilnehmers, desto geringer ist der Spielraum bei einem unerwarteten Kursverlust.
Auch Gewerbeimmobilien bleiben ein Risikofaktor
Ein weiterer Bereich, den Anleger im Blick behalten sollten, ist die Finanzierung von Gewerbeimmobilien.Problematisch werden kann die Kombination aus:
- hohen Immobilienpreisen
- steigenden Finanzierungskosten
- Leerständen
- sinkenden Mieterträgen
- fallenden Immobilienwerten
- anstehenden Refinanzierungen
Wenn gleichzeitig Banken, Immobilienfonds und Versicherungen betroffen sind, kann aus einem Immobilienproblem ein Finanzmarktproblem werden.
Und dann ist da noch der KI-Boom
Auch der rasante Ausbau der künstlichen Intelligenz verdient Aufmerksamkeit. Dabei geht es nicht darum, KI als solche als Gefahr darzustellen. Das Risiko entsteht vielmehr durch die zunehmende Verbindung von: hohen Unternehmensbewertungen + Aktienmarkt + Venture Capital + Private Equity + Private Credit + Bankenfinanzierung.Sollten die Erwartungen an bestimmte KI-Unternehmen oder die zukünftigen Gewinne stark korrigiert werden, könnten gleichzeitig mehrere Anlageklassen unter Druck geraten.
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ/BIS) hat 2026 auf mögliche Verbindungen zwischen hohen Bewertungen, steigender Verschuldung und Private-Credit-Finanzierungen hingewiesen.
Für Anleger bedeutet das:
Nicht nur auf den Aktienkurs eines Unternehmens schauen – sondern darauf, wie dessen Wachstum finanziert wird.Ist die nächste Lehman-Bank bereits erkennbar?
Eine einzelne Bank als „nächste Lehman Brothers“ zu benennen, wäre derzeit unseriös.
Große internationale Banken verfügen heute über wesentlich höhere Kapitalpuffer als 2008 (JPMorgan Chase, Deutsche Bank, BNP Paribas). Diese Banken sind aufgrund ihrer Größe und Vernetzung wichtige Bestandteile des internationalen Finanzsystems. Sie könnten daher im Krisenfall eher Übertragungskanäle als Ausgangspunkt einer Krise sein.
Worauf Anleger jetzt achten sollten
Für Anleger ist deshalb nicht die Frage entscheidend, welche Bank als Nächstes pleitegehen könnte.Viel wichtiger ist die Beobachtung bestimmter Frühwarnsignale.
1. Steigende Kreditausfälle
Insbesondere bei Private Credit, Leveraged Loans und hoch verschuldeten Unternehmen.2. Stark steigende Credit Spreads
Steigende Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen können ein frühes Zeichen für zunehmende Nervosität sein.3. Liquiditätsprobleme
Wenn Fonds Rücknahmen einschränken oder Vermögenswerte nur noch mit großen Abschlägen verkaufen können, steigt das Risiko.4. Zunehmende Margin Calls
Sie können eine Abwärtsspirale an den Aktien-, Anleihe- und Derivatemärkten verstärken.5. Probleme bei Refinanzierungen
Besonders kritisch sind Unternehmen und Immobilienfinanzierungen, deren Kredite zu deutlich höheren Zinsen refinanziert werden müssen.6. Steigende Bankenrisiken
Ein Anstieg von Kreditausfällen, Finanzierungskosten oder Kapitalanforderungen kann darauf hindeuten, dass sich Probleme aus dem Nichtbankensektor auf die Banken übertragen.Was bedeutet das für Anleger?
Eine mögliche neue Finanzkrise würde nicht zwangsläufig genauso aussehen wie 2008. Damals stand die Immobilien- und Bankenfinanzierung im Mittelpunkt.Heute könnte eine Krise beispielsweise über folgende Kette entstehen:
Private Credit
- Hedgefonds / Leverage
- Liquiditätsengpässe
- Verkäufe
- fallende Marktpreise
- Margin Calls
- Banken
- Kreditverknappung
- Realwirtschaft
Genau deshalb sollten Anleger nicht nur einzelne Banken beobachten, sondern die Vernetzung des gesamten Finanzsystems.
Die wichtigste Lehre für Anleger
Die entscheidende Frage lautet 2026 nicht: „Welche Bank ist die nächste Lehman Brothers?“Sondern: „Wo treffen hohe Verschuldung, geringe Liquidität, schwer bewertbare Vermögenswerte und starke Vernetzung aufeinander?“
Dort könnte das nächste systemische Risiko entstehen.
Nach dem derzeitigen Informationsstand spricht vieles dafür, dass Private Credit, hoch gehebelte Nichtbanken und deren Verbindungen zu den großen Banken besonders genau beobachtet werden sollten.
Das bedeutet nicht, dass dort zwangsläufig die nächste Finanzkrise entsteht.
Aber genau dort befinden sich einige der Finanzmarktbereiche, deren Wachstum und Vernetzung die Aufsichtsbehörden derzeit besonders aufmerksam verfolgen.
Fazit für Anleger
Eine neue Lehman-Krise ist nicht vorhersehbar. Ihre möglichen Mechanismen lassen sich jedoch beobachten. Anleger sollten deshalb weniger versuchen, den nächsten Pleitekandidaten vorherzusagen, sondern auf die Kombination aus:Leverage + Illiquidität + Verschuldung + Bewertungsrisiko + Vernetzung achten.
Denn wie bereits 2008 gilt: Nicht der erste Verlust macht eine Krise systemisch – sondern die Kettenreaktion, die daraus entsteht.
Für langfristig orientierte Anleger bedeutet das vor allem: Risiken diversifizieren, Liquidität im Portfolio berücksichtigen und nicht nur auf die Rendite einer Anlageklasse schauen, sondern auch darauf, wie stark sie mit dem restlichen Finanzsystem verbunden ist.
- Ende der Nachricht
Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder (Invextra AG) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar (Invextra AG)
***
Hinweis:
Diese Nachricht stellt keine Anlageberatung dar. Eine persönliche und unabhängige Beratung erhalten Anleger ausschließlich im Rahmen einer qualifizierten Anlageberatung durch unsere Experten.
Wie funktioniert die "Investmaxx Anlageberatung"?
Das grösste Risiko bei der Geldanlage von Privatanlegern ist es, in drastisch überteuerte Investmentanlagen zu investieren, für die man später weniger Geld herausbekommt, als man selbst investiert hat. Nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Privatanleger gilt daher ein Erfolgsprinzip: Im Einkauf liegt der Erfolg, doch genau hier scheitern viele Anleger und steigen bei euphorischen Märkten zu teuer ein und verkaufen ihre Anlagen in Paniksituationen zu billig.
Die eigene "Psychologie von Gier und Angst" macht damit über 95% der Anleger oft einen Strich durch die Rendite der eigenen Geldanlage.
Das zweitgrösste Risiko für die eigene Geldanlage ist damit der Privatanleger selbst. Die INVEXTRA.COM AG setzt deswegen bei der Anlageberatung auf eine Behavioural-Finance-Strategie, die irrationale Verhaltensmuster von Anlegern und politischen Entscheidungsträgern systematisch berücksichtigt und daraus entstehende Preisanomalien gezielt nutzt, um aus überteuerten Sektoren auszusteigen und in günstiger bewertete Sektoren umzuschichten. Das Konzept wurde an der University of Michigan Business School (USA) von unserem Gründer, Dipl.-Kfm. Raimund Tittes, entwickelt und erfolgreich 1996 in die Praxis umgesetzt. So konnten die Investmaxx Stop&Go Offenisve Depots seit 1996 ein besseres Rendite-Risikoverhältnis erzielen als der Dax.
>>> Unsere Experten entwickeln individuelle, global diversifizierte Portfolios, die in wachstumsstarke Sektoren investieren und darauf ausgerichtet sind, Vermögen langfristig aufzubauen, durch Risikomanagement die Stabilität und den Erhalt von Vermögen zu gewährleisten und vor Inflation zu schützen. >>> Mehr Infos dazu.
***
INVESTMENTFONDS.DE
TOP Fonds / ETF Vergleich - Wertentwicklung
INVESTMENTFONDS.DE Hinweise in eigener Sache:
*** - Anzeige - Newsletter | Aktuell | Kostenlos
Jetzt kostenlos den wöchentlichen Newsletter mit den aktuellsten Markteinschätzungen und Marktanalysen erhalten!
Interesse auf den Blick in die Zukunft der nächsten Börsenriesen?
Hier einfach mit Email registrieren! Jederzeit kündbar.
- Ende Anzeige -
***
Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
Risikohinweis: Die Ergebnisse der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Ergebnisse. Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder. Die zur Verfügung gestellten Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar.