Bitcoin Suisse | Fed und EZB: Zinspause erwartet - warum Bitcoin kurzfristig Gegenwind hat
Dominic Weibel, Head of Research bei Bitcoin Suisse
Investmentfonds.de - Die Fed und die EZB dürften diese Woche den Schraubenschlüssel liegen lassen. Beide stehen weiterhin im Tauziehen zwischen Inflationsdruck und Wachstumssorgen. Vor allem die Energiepreise sorgen beidseits des Atlantiks für Kopfschmerzen. In den USA reicht der Preisdruck auf Produzentenebene zudem deutlich über Energie hinaus. Im Euroraum bleibt die zugrunde liegende Inflation bislang ruhiger, während schwaches Wachstum und fiskalische Spannungen den Spielraum zusätzlich begrenzen.
Zinserhöhung
Die Märkte halten eine weitere Zinserhöhung bis Dezember dennoch für wahrscheinlich, was uns jedoch zu ambitioniert erscheint. Der US-Arbeitsmarkt kühlt bereits ab, der preistreibende KI-Boom steht zunehmend auf dem Prüfstand und geopolitische Angebotsengpässe müssen nicht zwingend von Dauer sein. Eine weitere Zinserhöhung wird somit weder Ölfelder erschließen noch Handelsrouten öffnen und deshalb eher Gefahr laufen, einen temporären Angebotsschock mit dauerhafter Nachfrageschwäche zu bekämpfen.Anleiherenditen
Auch die hohen Anleiherenditen sprechen aus unserer Sicht dafür, vorerst abzuwarten. Sie übernehmen bereits einen Teil der Straffung. Das passt auch zu Warshs zurückhaltendem Einsatz von Forward Guidance. Attraktive Kupons haben zugleich bereits Zuflüsse in Anleihe-ETFs und eine stärkere Nachfrage bei Treasury-Auktionen ausgelöst. Risikoanlagen spüren diesen Druck natürlich von zwei Seiten: durch teurere Finanzierungen und attraktivere Anlagealternativen.KI-Boom
Auch weiterhin gilt: Alle Augen auf KI. Geld ist zu großen Teilen wegen des Kapitalwettbewerbs zwischen Staaten und des KI-Booms so teuer. Sein Bedarf an Strom, Rohstoffen und Infrastruktur verstärkt zugleich aber auch den Inflationsdruck. Die Quartalszahlen müssen jetzt zeigen, ob die Erträge mit den Investitionen Schritt halten. Eisenbahn und Internet haben vorgemacht, wie eine technologische Revolution in Überinvestitionen münden kann. Kritisch wird es, wenn die Rechnung fällig wird, bevor die erwarteten Erträge eintreffen. Enttäuschen die Zahlen, könnte damit eine zentrale Stütze der Risikobereitschaft ins Wanken geraten. Kühlt der Investitionsboom stärker ab, dürfte auch der Druck auf Kapital und Energie nachlassen und mehr Raum für eine weniger restriktive Geldpolitik entstehen.Bitcoin
Für Bitcoin rollt dieses Umfeld kurzfristig keinen roten Teppich aus. Hohe Finanzierungskosten und attraktive Anleiherenditen erschweren derzeit den Zufluss frischen Kapitals. Gleichzeitig stärkt die Kombination aus fiskalischer Überdehnung und begrenzter geldpolitischer Handlungsfähigkeit jedoch langfristig die These knapper, nichtstaatlicher Vermögenswerte. Bitcoin und Co. leben genau in diesem Spannungsfeld.- Ende der Nachricht
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