Schroders | Das Marktrauschen ausblenden
Johanna Kyrklund, Chief Investment Officer der Schroders-Gruppe
Investmentfonds.de - Frankfurt am Main, 05.02.2026 - Politische Ereignisse sorgen kurzfristig für viel Aufsehen, doch die Trends, die für die Märkte wirklich von Bedeutung sind, entwickeln sich über längere Zeiträume. Diese übergeordneten Themen standen auch im Mittelpunkt einer Kundenveranstaltung von Schroders in London, bei der Investoren und Experten zusammenkamen, um Erkenntnisse auszutauschen.
In einem Punkt waren sich die Teilnehmer einig: Eine Welt, die bedeutenden, weitreichenden Veränderungen unterworfen ist – darunter die Bildung neuer Machtbündnisse und eine zunehmende finanzielle Instabilität, neben vielen anderen Trends – birgt für Investoren sowohl Risiken als auch Chancen.
Aus wirtschaftlicher Sicht sind „die pessimistischen Prognosen übertrieben“
Entgegen den turbulenten Schlagzeilen ist das globale wirtschaftliche Umfeld günstig. George Brown, Senior Economist bei Schroders, sagte: „Wir rechnen für dieses Jahr mit einem soliden globalen Wachstum von 2,6 % und prognostizieren einen Rückgang der Inflation. Allerdings sehen wir Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen.“
Er ergänzte: „Die USA verzeichnen weiterhin ein solides Wachstum und einen robusten Arbeitsmarkt. Es handelt sich um keine Volkswirtschaft, die unbedingt Konjunkturmaßnahmen benötigt. Allerdings wurden die Zinssätze Ende 2025 gesenkt, und die stimulierenden Auswirkungen von Trumps Big, Beautiful Bill werden bis 2026 zu spüren sein.“ Dem Experten zufolge besteht die Sorge, dass die Konjunkturmaßnahmen zu einer erhöhten Nachfrage nach Arbeitskräften führen könnten, während das Angebot an Arbeitskräften durch Einwanderung begrenzt ist. Dies könnte das Risiko eines erneuten Anstiegs der Inflation mit sich bringen.
„Wir gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank die Zinssätze in diesem Jahr unverändert lassen wird. Das Wachstum dürfte durch erhöhte Verteidigungsausgaben angekurbelt werden, die vor allem europäischen Herstellern zugutekommen werden.“
Geopolitik sorgt für Turbulenzen, aber Fundamentaldaten sind nach wie vor wichtig
Obwohl geopolitische Faktoren eine Rolle spielen, betonte Johanna Kyrklund, Chief Investment Officer der Schroders-Gruppe, dass man die tatsächlichen Triebkräfte der Märkte im Blick behalten und Portfolios durch Diversifizierung schützen müsse:
„Geopolitische Nachrichten dominieren die Schlagzeilen. Fundamentaldaten wie Inflation und Geldpolitik spielen dennoch nach wie vor eine wichtige Rolle. Die Aussichten für die mittelfristigen Zinsen sind ausschlaggebend für die Bewertungen.“
Kyrklund führte weiter aus: „Wir haben schon seit einiger Zeit erkannt, dass wir uns von einer globalisierten Welt mit dem Risiko deflationärer Schocks zu einer deglobalisierten Welt mit dem Risiko inflationärer Schocks bewegt haben. Das ist das populistische Drehbuch.“
Die Expertin ergänzte: „Der Populismus im Westen führt zu einer lockeren Fiskalpolitik, was sich positiv auf das nominale Wachstum auswirkt und Aktien stützt. Zusätzliche Ausgaben, beispielsweise für Konjunkturprogramme oder Verteidigung, könnten jedoch die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung gefährden. Wir sehen darin das größte Risiko. Auch wenn dies keine unmittelbare Gefahr darstellt, könnte es letztendlich das Ende des Aktienbooms bedeuten.“
Hohe Bewertungen sind für einige Anleger ein weiterer Grund zur Sorge, doch es gibt Strategien, um dieses Risiko zu bewältigen, ohne auf Cash auszuweichen, so Kyrklund:
„Anleger sehen sich sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen mit etwas erhöhten Bewertungen konfrontiert, aber es ist noch nicht an der Zeit, in Cash zu flüchten. Für diejenigen, die sich beispielsweise Sorgen um die Bewertungen im US-Technologie- und KI-Sektor machen, könnten Value-Aktien eine Absicherung darstellen. Auch der britische „Old Economy”-Aktienmarkt bietet eine interessante Option.”
Ist nach der Rallye in den USA nun die Zeit für die Schwellenländer gekommen?
Der aktuelle Bullenmarkt in den USA ist der zweitlängste seit mehr als einem Jahrhundert. Verlagert sich der Fokus der Anleger nun jedoch auf die Schwellenländer? Hierzu wurden Sir Sebastian Wood, Chairman von Schroders China, Tom Wilson, Head of Emerging Market Equities, und Abbas Barkhordar, Fondsmanager, um ihre Meinung gebeten. Sie lieferten unterschiedliche Perspektiven.
Zu den Aussichten Chinas und den Beziehungen des Landes zu den USA sagte Sir Sebastian Wood: „In einer turbulenten geopolitischen Phase ist es ein gewisser Trost, dass die Spannungen zwischen den USA und China relativ gering sind. Sowohl China als auch die USA streben ein umfassendes Wirtschaftsabkommen an, um das Wachstum zu fördern. Es gibt Anzeichen dafür, dass wir einen optisch erfolgreichen Gipfel erleben werden.“
Zur Performance der Schwellenländer im Jahr 2025 und mit Blick auf 2026 meinte Abbas: „Im vergangenen Jahr haben die Schwellenländer eine deutlich überdurchschnittliche Performance erzielt, was vor allem auf die Gesamtausgaben für KI zurückzuführen ist.“
Er fügte hinzu: „Bei KI werden viele Ausgaben in den USA getätigt, doch ein Großteil der Produktion findet dann in Schwellenländern statt – insbesondere in Taiwan und Südkorea. Mit Blick auf das Jahr 2026 erwarten wir, dass sich diese Outperformance auf andere Sektoren ausweiten wird.“
Tom Wilson stimmte zu, dass sich bis 2026 in einer Reihe von Sektoren und Ländern Chancen ergeben würden. „Wir sehen eine Vielzahl von Chancen außerhalb der Technologie- und KI-Branche“, sagte er. „Chinesische Industrieunternehmen sind sehr wettbewerbsfähig, und wir finden Unternehmen, die über viel Spielraum für Wachstum ihres Exportmarktanteils verfügen.“ Er verwies auch auf Chancen in Lateinamerika, darunter Brasilien und Peru. In Indien zieht das Wachstum zwar an, „die Bewertungen bleiben jedoch relativ hoch“.
Diversifizierungsmöglichkeiten innerhalb von Aktien
Neben geopolitischen Risiken sind konzentrierte Märkte ein weiteres Risiko für Anleger. Daher ist die Frage, wie das Aktienengagement diversifiziert werden kann, für viele Anleger ein wichtiger Aspekt.
„Value-Aktien bieten Ihnen Diversifizierung in zweierlei Hinsicht“, so Simon Adler, Head of Value Equities. Er erklärte: „Erstens bieten sie eine Möglichkeit, weiterhin in Aktien investiert zu bleiben, wenn die Aktienmärkte insgesamt teurer erscheinen. Zweitens gibt es die Diversifizierung innerhalb des Value-Segments. Früher wurden unter Value-Aktien vor allem Banken, Ölgesellschaften und Bergbauunternehmen verstanden, aber das ist heute nicht mehr der Fall. Es handelt sich um ein sehr vielfältiges Spektrum an Anlagemöglichkeiten, das sogar Technologieunternehmen umfasst, wenn auch solche aus der ‚Old Economy‘ wie beispielsweise Druckerhersteller.“
Eine passive Wertanlage bringt möglicherweise nicht die Diversifizierung, die Anleger anstreben. „Das Risiko einer passiven Anlage besteht darin, dass man am Ende dennoch eine unbeabsichtigte Konzentration auf einen bestimmten Sektor hat“, so Adler. „Außerdem handelt es sich bei einigen Aktien um sogenannte ‚Value Traps‘, die aus gutem Grund günstig sind.“
Für Growth-Investoren, die bereit sind, sich mit möglichen Fehleinschätzungen des Marktkonsenses auseinanderzusetzen, gibt es nach wie vor Chancen. Charles Somers, Portfoliomanager Global Equities, erläuterte: „Unser Prozess im Global Equities Team konzentriert sich darauf, unerwartetes Wachstum oder sogenannte ‚Wachstumslücken‘ zu identifizieren. Das bedeutet, dass wir nach Bereichen suchen, in denen die Konsensprognosen für die Gewinne unter unserer Einschätzung des langfristigen Potenzials eines Unternehmens liegen.
Er führte weiter aus: „Wir finden solche Beispiele in vielen Branchen. Die europäischen Banken sind ein gutes Beispiel aus den letzten Jahren. Wir haben festgestellt, dass der Markt nicht richtig antizipiert hat, wie sich steigende Zinsen positiv auf die Gewinnaussichten der Banken auswirken würden. Das Gesamtportfolio eines Anlegers kann sowohl Value-Aktien als auch Growth-Aktien enthalten. Sie ergänzen sich sehr gut und funktionieren in verschiedenen Phasen des Konjunkturzyklus.“
Private Equity: Verbesserter Zugang für Investoren
Eine weitere Option für Investoren ist Private Equity. „Es gibt drei Faktoren, die das Interesse an Private Equity steigern“, so James Lowe, Business Development Director UK, Private Markets. „Dies sind die Investitionsargumente für Private Equity, politische Maßnahmen, die neue Produkte und einen verbesserten Zugang fördern, sowie das wachsende Bewusstsein der Kunden für das Potenzial der Anlageklasse.“
In Bezug auf die Investitionsargumente für Private Equity hob Paul Lamacraft, Senior Investment Director, Private Equity, die positive Dynamik seit Ende 2025 hervor. „Zu Beginn des Jahres 2025 war zwar eine Abschwächung der Aktivitäten in Bezug auf Transaktionen, Exits und Ausschüttungen zu beobachten. Im dritten Quartal nahmen die Aktivitäten jedoch wieder zu und gewinnen auch zu Beginn des Jahres 2026 weiter an Fahrt.
„Niedrigere Zinsen könnten sich positiv auf den Large-Cap-Teil des Marktes auswirken, wir hingegen bevorzugen weiterhin das Small- und Mid-Cap-Segment. Dabei geht es weniger um eine hohe Verschuldung als vielmehr um Investitionen in das Unternehmen und dessen Wachstum. Bei Small- und Mid-Cap-Unternehmen gibt es mehr Hebel, die man betätigen kann, um das Geschäft zu verbessern, die Rentabilität zu steigern und damit attraktive und konstante Renditen zu erzielen.“
Fixed Income: Wachsam bleiben angesichts der sich wandelnden Lage
„Es dreht sich alles um die Zinssätze“, lautete die Botschaft von Julien Houdain, Head of Global Unconstrained Fixed Income. „Die gute Nachricht ist, dass die realen (inflationsbereinigten) Renditen in den G7-Märkten nach wie vor attraktiv sind. Aber man muss sehr vorsichtig sein, wo man sein Kapital anlegt“, so Houdain.
Er führte weiter aus: „Die Märkte wurden 2025 von unerwartet hohen fiskalischen Anreizen aus Japan und Europa und den damit verbundenen Auswirkungen auf die Zinssätze überrascht. Anleger müssen 2026 auf Überraschungen hinsichtlich der Marktentwicklung achten. Das Hauptrisiko für die Anleihenmärkte wäre ein Anstieg der US-Zinsen.“
Man müsse laut Houdain anerkennen, dass viele Länder, insbesondere in den entwickelten Märkten, zu hoch verschuldet sind. Es wird immer wieder zu Krisen kommen, in denen Investoren sich Sorgen um die Tragfähigkeit dieser Schulden machen, wie wir es 2022 in Großbritannien gesehen haben.
Der Experte meinte abschließend: „Schaut man sich die Kreditmärkte an, so sind die Spreads sehr eng, sodass man für das Eingehen von Unternehmenskreditrisiken nur wenig belohnt wird. Es gibt zwar einige Chancen, aber man muss aktiv nach ihnen suchen. Passives Engagement im Kreditbereich bedeutet, teure Vermögenswerte zu kaufen.“
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Hinweis:
Diese Aussagen in dieser Nachricht stellen keine Anlageberatung dar. Eine individuelle Anlageberatung gibt es unter Experten für Fonds und ETFs, hier kommt man in den Genuss von wachstumsstarken Weltmarkt-Portfolios zur Vermögenssicherung vor Krisen und Inflation auf der Basis von ETFs und Investmentfonds.****
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Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder (Schroder Investment Management GmbH). Die zur Verfügung gestellten Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar (Schroder Investment Management GmbH).
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Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
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