Capital | Goldpreis gibt nach – belastet durch Renditen und Geopolitik
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de - Zu Beginn des neuen Monats ist der Goldpreis erneut unter Druck geraten und hat seinen Rückzug von den Höchstständen Ende August fortgesetzt; dabei überwiegen Faktoren wie steigende Ölpreise, höhere Anleiherenditen und ein stärkerer US-Dollar gegenüber der traditionellen Attraktivität des Edelmetalls als sicherer Hafen angesichts eskalierender geopolitischer Spannungen. Nachdem der Goldpreis in der vergangenen Woche noch über 4.650 US-Dollar notiert hatte, ist er in Richtung 4.300 US-Dollar gefallen, wobei allein am Dienstag ein Rückgang des Spotpreises um mehr als 2 % zu verzeichnen war. Erneut erweisen sich die inflationären Auswirkungen des Konflikts als treibende Kraft. Höhere Ölpreise verstärken die Sorge vor einer anhaltend hohen Inflation; dies übt zusätzlichen Druck auf die ohnehin schon steigenden globalen Anleiherenditen aus und befeuert die Erwartung, dass die US-Notenbank (Federal Reserve) ihre Geldpolitik weiter straffen könnte. Aktuell preisen die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von 70 % für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte in diesem Monat ein. Dieses Umfeld ist für Gold ungünstig: Steigende Renditen für US-Staatsanleihen erhöhen die Opportunitätskosten für das Halten eines Vermögenswerts ohne laufende Erträge, während der stärkere Dollar das Edelmetall für Käufer aus dem Nicht-Dollar-Raum verteuert.
Angesichts der geopolitischen Unsicherheiten in diesem Jahr waren Anleger bereit, von den inflationären Auswirkungen abzusehen und sich stattdessen auf die Rolle von Gold als Absicherung gegen politische, fiskalische und wirtschaftliche Risiken zu konzentrieren. Es wird jedoch zunehmend schwieriger, die rasante Verschlechterung am Anleihemarkt zu ignorieren – insbesondere zu einem Zeitpunkt, an dem die restriktive Haltung von Fed-Vertreter Kevin Warsh in Jackson Hole bereits den Aufwärtsdruck auf die Zinserwartungen erhöht hatte. Der jüngste Ölpreisschock hat diese Entwicklung noch verstärkt. Infolgedessen wirkt sich das geopolitische Risiko derzeit über den Zinskanal eher belastend auf den Goldpreis aus, anstatt den typischen Auftrieb als „sicherer Hafen“ zu liefern, der üblicherweise mit erhöhten Spannungen im Nahen Osten einhergeht. Das Tempo der Korrektur spiegelt zudem die Stärke der vorangegangenen Rallye wider. Gold legte im August um rund 10 % zu und kletterte auf über 4.650 US-Dollar, bevor die Dynamik abrupt umschlug. Gewinnmitnahmen waren daher zu erwarten, doch der anschließende Bruch wichtiger technischer Marken hat den Abwärtstrend beschleunigt.
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