04.05.2007
Deka Rohöl: Benzinlagerbestände – ein Fass ohne Boden?
Köln, den 04.05.2007 (Investmentfonds.de) • Die US-Benzinlagerbestände wurden in der
vergangenen Woche zum zwölften Mal in Folge abgebaut, diesmal um 1,1 Mio. Barrels.
Das Schrumpfen der Benzinvorräte wird von einem merklichen Anstieg der US-Benzinpreise
begleitet, die sich langsam aber sicher ihrem Allzeithoch vom September 2005 nähern.
Die Aufstockung der Rohölvorräte setzt sich fort, zuletzt mit einem Plus von 1,2 Mio.
Barrels.
• Immer neue geopolitische Risiken sind derzeit der Nährboden für die Rohölpreisent-
wicklung. In Nigeria wurden erneut ausländische Ölarbeiter entführt, in Saudi-Arabien
Terroranschläge auf Öleinrichtungen vereitelt, und in Venezuela kam es am 1. Mai zu
Verstaatlichungen in der Ölindustrie. Die Zeichen stehen unverändert auf steigende
Rohölpreise.
1. Erneut sind es die Benzinvorräte, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Die US-
Benzinlagerbestände wurden in der vergangenen Woche um 1,1 Mio. Barrels abgebaut
(Bloomberg-Median: -1,3 Mio. Barrels) und befinden sich in dieser Kalenderwoche nach
zwölf Rückgängen in Folge auf einem so niedrigen Niveau wie in den vergangenen ein-
einhalb Dekaden noch nie. Entsprechend wird der Abbau der Benzinvorräte von einem
Anstieg der US-Benzinpreise begleitet. Der Preis für eine Gallone nähert sich mit
einem Wochendurchschnitt von zuletzt 292,2 US-Cents langsam aber sicher dem Allzeithoch
von 303,7 US-Cents, das in der ersten Septemberwoche 2005 erreicht wurde. Die Auslastung
der US-Raffineriekapazitäten stieg in der vergangenen Woche um 0,5 Prozentpunkte auf
88,3 % an. Immer neue unvorhergesehene Ausfälle, wie zuletzt ein Feuer in einer
größeren Raffinerie in Louisiana, verhindern derzeit eine deutlichere Zunahme der
Kapazitätsauslastung.
Derweil steigen die Rohöllagerbestände langsam aber recht stetig an, zuletzt um 1,2
Mio. Barrels (Bloomberg-Median: 1,5 Mio. Barrels). Die Heizöl- und Dieselvorräte
befinden sich weiterhin in der Stagnation.
2. Der Rohölpreis schwankte in den vergangenen Tagen stark, insbesondere Ende letzter
Woche kam es zu merklichen Preisanstiegen über 66,50 US-Dollar hinaus. Aufwärtsdruck
kam erneut von der Geopolitik. Zum einen wurden in Nigeria ausländische Ölarbeiter
entführt, was die Unsicherheit um die nigerianische Ölproduktion abermals bestätigt.
Zum anderen wurden in Saudi-Arabien, dem bedeutendsten Ölförderland der Welt, Terror-
anschläge auf Öleinrichtungen vereitelt. Die aufkommende Sorge um eine mögliche
Einschränkung der Ölproduktion im Nahen Osten sorgte für Preisanstiege. Am 1. Mai
wurden zudem in Venezuela offiziell vier große Ölförderprojekte mit einer Gesamt-
kapazität von 0,6 Mio. Barrels pro Tag verstaatlicht. Mit Ausnahme von ConocoPhillips,
das mit der Regierung noch verhandelt, haben alle großen in Venezuela tätigen Ölkonzerne
(Chevron, Total, Exxon Mobil, Statoil und BP) zugestimmt, die staatliche Ölgesellschaft
PDV zu mindestens 60 % an jedem Ölprojekt zu beteiligen. Dies geschah im Rahmen der
venezuelanischen Nationalisierungspolitik des Energiesektors und stellt zwar keine
akute Gefahr dar. Mittel- bis langfristig geht die Verstaatlichung jedoch mit einer
erhöhten Unsicherheit der Rohölversorgung einher.
3. Die Spekulanten bleiben bullish für den Rohölmarkt. Die Netto-Long-Positionierung
der nichtkommerziellen Händler wurde an der New York Mercantile Exchange in der ver-
gangenen Woche nur leicht zurückgeführt. Die immer neuen geopolitischen Gefahren und
die Enge am Benzinmarkt dürften auch in nächster Zeit für eine anhaltende Netto-Long-
Positionierung sorgen.
Quelle: Investmentfonds.de