Capital | Fed-Protokolle und Maßnahmen des Finanzministeriums lösen Volatilität aus
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de - Die Märkte verarbeiten gerade zwei wichtige Entwicklungen aus Washington: ein aggressiver als erwartetes Protokoll der Federal Reserve und eine ungewöhnliche Maßnahme des US-Finanzministeriums, um den langfristigen Anleihemarkt zusätzlich zu stützen. Zusammen zeigen sie die Spannung, die momentan durch die Märkte geht: Die Politiker sind weiter wegen der Inflation besorgt, während stark gestiegene langfristige Kreditkosten für sich selbst schon zum Problem werden. Das Finanzministerium kündigte an, dass es ab nächsten Monat seine Rückkäufe von 10- bis 30-jährigen Wertpapieren zur Liquiditätsunterstützung mindestens verdoppeln wird.
Der Schritt soll die Liquidität bei länger laufenden Staatsanleihen verbessern und nicht als geldpolitischer Stimulus angesehen werden, also sollte man ihn nicht mit QE verwechseln. Trotzdem war das Timing interessant: Nach dem Anstieg der 30-jährigen Rendite auf etwa 5,34 %, dem höchsten Stand seit 2007, kam die Ankündigung gerade recht. Sie half, die 30-jährige Rendite wieder auf rund 5,2 % und die 10-jährige auf etwa 4,65 % zu drücken, während der Dollar auf etwa ein Drei-Monats-Tief fiel, da ein Teil der Unterstützung durch die Renditen für die Währung nachließ.
Die größere Frage ist, ob diese Erleichterung von Dauer sein kann. Die Rückkäufe verbessern zwar die Marktmechanismen, gehen aber nicht auf die zugrunde liegenden Gründe ein, warum die langfristigen Renditen gestiegen sind: hohe Staatsverschuldung, fiskalische Unsicherheit, anhaltende Inflationsrisiken und wachsende Konkurrenz um Kapital. Die nachfolgende 20-jährige Auktion erforderte dennoch, dass den Investoren ein leichter Renditevorteil angeboten wurde, obwohl die Gesamtnachfrage gesund war. Das deutet darauf hin, dass das Finanzministerium vielleicht etwas Druck aus dem Verkaufsdruck genommen hat, ohne die Geschichte am langen Ende grundlegend zu ändern. Unterdessen zeigten die Fed-Protokolle eine deutlich aktivere Debatte über weitere Straffungen, als die Entscheidung, die Zinsen zu halten, vermuten lassen würde.
Drei Beamte stimmten im Juli für eine Erhöhung um 25 Basispunkte, während viele Teilnehmer angaben, dass höhere Zinsen letztendlich erforderlich sein könnten, wenn die Inflation dauerhaft über dem Ziel bleibt. Wichtig ist, dass auch der eigene Bericht der Fed feststellte, dass die Inflationsentschädigung trotz höherer Ölpreise relativ wenig verändert wurde, was das Argument stützt, dass der jüngste Anleiheverkauf nicht einfach eine Geschichte der Inflationserwartungen ist.
Für die Märkte bleibt das ein etwas unbequemes Gleichgewicht. Die jüngsten weicheren Beschäftigungs- und Verbraucherpreisindexdaten verringern die Dringlichkeit für eine Zinserhöhung im September, aber die Fed schließt weitere Straffungen offensichtlich nicht aus. Gleichzeitig hat das Eingreifen des Finanzministeriums im langen Ende vorübergehend für Entlastung bei den Renditen gesorgt und den Dollar geschwächt. Der nächste große Test wird Kevin Warshs Rede beim Jackson Hole-Symposium nächste Woche sein, bei der die Investoren nach Hinweisen suchen werden, ob die in den Protokollen offenbar gewordene restriktive Diskussion in seine eigene Politikbotschaft einfließt und ob er mehr Details zu seinen umfassenderen Plänen für die Fed anbietet.
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