Atradius | KI etabliert, doch verbindliche Regeln fehlen in Unternehmen
Frank Liebold, Country Director Deutschland bei Atradius Kreditversicherung
- Knapp zwei Drittel der befragten Unternehmen nutzen KI bereits in täglichen Prozessen oder in Pilotprojekten
- Nur ein Viertel verfügt über verbindliche Richtlinie zur Nutzung von KI
- Datenschutz und Datensicherheit bleiben die häufigsten Hürden
Investmentfonds.de - Köln, 13.10.2026 - Eine aktuelle Umfrage des internationalen Kreditversicherers Atradius zeigt, dass Künstliche Intelligenz (KI) und ihre Anwendung in deutschen Unternehmen angekommen ist. Knapp 19 Prozent der befragten Unternehmen setzen KI bereits im produktiven Regelbetrieb ein, weitere 47 Prozent entsprechende Anwendungen in Pilotprojekten. Bei rund der Hälfte der befragten Unternehmen nutzen Mitarbeitende KI täglich oder mehrmals pro Woche, nur in jedem zehnten Unternehmen noch nicht. „Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen im Arbeitsalltag angekommen, interne Regeln für die Nutzung durch Mitarbeitende können allerdings nur die wenigsten aufweisen“, sagt Frank Liebold, Country Director Deutschland bei Atradius.
Die befragten Unternehmen setzen KI bislang vor allem dort ein, wo sich unmittelbare Arbeitserleichterung zeigt. Marketing und Content-Erstellung führen mit rund 43 Prozent, gefolgt von Datenanalyse und Business Intelligence (27 Prozent) sowie Finanz- und Rechnungswesen mit 26 Prozent. Als wichtigste Potenziale nennen die befragten Unternehmen Effizienzsteigerung und Zeitersparnis (73 Prozent) sowie die Entlastung bei Routineaufgaben (67 Prozent). Neue Produkte oder Geschäftsmodelle sehen dagegen nur sieben Prozent als relevantes Potenzial. „Der Einsatz von KI zielt aktuell überwiegend auf Verbesserungen im Tagesgeschäft ab, bei der Entwicklung neuer Produkte oder neuer Geschäftsmodelle wird noch weniger Potenzial gesehen“, erklärt Frank Liebold. Auch für die kommenden zwei Jahre sehen die befragten Unternehmen den größten Nutzen weiterhin im Marketing, in der Verwaltung und dem Kundenservice, deutlich seltener in Produktion oder Logistik.
Diese Schwerpunktsetzung zeigt sich auch in den Erwartungen der Unternehmen, wie KI-Arbeitsplätze und Tätigkeiten verändern wird. 44 Prozent der befragten Unternehmen rechnen damit, dass KI bestimmte Tätigkeiten neu definiert, ohne Stellen abzubauen. 32 Prozent erwarten, dass einzelne Tätigkeiten ersetzt werden, einen Stellenabbau befürchten lediglich neun Prozent. Entsprechend verhalten optimistisch fällt die Investitionsplanung aus: Mehr als jedes zweite befragte Unternehmen rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit steigenden KI-Investitionen, ein Viertel plant dagegen vorerst keine Ausgaben.
Unternehmen fehlen klare Regeln, sichere KI- Zugänge und Schulungen
Nur 14 Prozent der befragten Unternehmen stellen KI-Tools unternehmensweit zur Verfügung. 33 Prozent haben nach eigenen Angaben keine offiziellen Lizenzen. Am häufigsten werden kostenpflichtige Versionen von ChatGPT und Microsoft Copilot angeboten. Noch deutlicher wird die Lücke bei den internen Regeln: Nur jedes vierte befragte Unternehmen hat eine verbindliche Richtlinie zur Nutzung von KI etabliert, bei rund 28 Prozent besteht dafür aktuell kein wahrgenommener Bedarf. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Qualifizierung: 43 Prozent setzten auf interne Schulungen, während ein Drittel keine gezielten Schulungsangebot macht. „Wenn offizielle Richtlinien und Schulungen fehlen, entscheidet im Zweifel jeder Mitarbeitende selbst, welches Tool er nutzt. Risiken für Unternehmen entstehen insbesondere dann, wenn sensible oder vertrauliche Daten des Unternehmens mit KI-Anwendungen geteilt werden“, erklärt Frank Liebold.
Diese Risiken spiegeln sich auch in den von den Unternehmen genannten Hürden wider. Als größtes Hindernis für den weiteren Einsatz von KI nennen 53 Prozent der befragten Unternehmen Datenschutz und rechtliche Unsicherheit, dicht gefolgt von Datensicherheit mit 49 Prozent. Fehlendes Know-how und die Integration in bestehende Systeme folgen mit jeweils rund einem Drittel.
Für die im September dieses Jahres durchgeführte Umfrage wurden rund 300 Unternehmen unter anderem aus den Branchen Automotive, Bauwirtschaft und Baustoffhandel, Chemie, Dienstleistungen, Elektronik, Finanzen, IT/Software, Konsumgüter, Landwirtschaft, Lebensmittel, Maschinenbau, Metall, Papier, Textil sowie Transport befragt. Die Jahresumsatzspanne der befragten Unternehmen reicht von unter fünf Millionen bis über einer Milliarde Euro. Die Zahl der Beschäftigten liegt bei den befragten Unternehmen zwischen unter 100 und mehr als 1.500.
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