Swisscanto/ZKB | KI-Crash nach US-Demokratensieg: Fundamentaldaten bleiben robust
Roger Rüegg, Leiter Multi-Asset-Solutions bei Swisscanto/ZKB
- KI-Titel sind nach dem Erdrutschsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen massiv unter Druck geraten. Handelt es sich dabei um eine langfristige Korrektur oder nur um eine vorübergehende Bereinigungsphase?
Investmentfonds.de - Am Donnerstag kam es an den US-Börsen zu einem der heftigsten Tagesverluste seit 1965: Der S&P 500 fiel um 4,4 Prozent, der Nasdaq sogar um 6,5 Prozent, Halbleiterwerte gaben rund 12 Prozent nach. Auslöser war kein einzelnes Ereignis, sondern ein Zusammentreffen mehrerer Sorgen. Besonders unter Druck standen Aktien aus dem Bereich künstliche Intelligenz (KI) und Datacenter. Viele Anlegerinnen und Anleger befürchten, dass künftige strengere Regeln für KI sowie mögliche Verzögerungen bei Investitionen in Rechenzentren das starke Wachstum in diesem Sektor bremsen könnten. Zusätzlich wurde der Kursrutsch durch die Marktstruktur verstärkt: Große Investoren und Hedgefonds haben KI-lastige Positionen und andere, zuvor sehr beliebte Trades rasch abgebaut. Unserer Einschätzung nach fiel der Markt dadurch stärker, als es die fundamentalen Daten allein erklären würden.
Wohl nur kurzfristige Bereinigung
Wir sehen die jüngste Korrektur eher als kurzfristige Bereinigung denn als grundlegenden Trendwechsel. Die Fundamentaldaten bleiben stark: Die Unternehmensgewinne im S&P 500 sind im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um rund 50 Prozent gestiegen, und das Gewinnwachstum verteilt sich zunehmend auf mehr Branchen und Regionen. Auch für 2027 wird weiterhin ein deutliches Gewinnplus erwartet, bei einer Unternehmensverschuldung, die insgesamt moderat ist.Auch politische Risiken halten wir kurzfristig für übertrieben. So ist etwa ein landesweites Stopp-Signal für neue Rechenzentren unwahrscheinlich, denn viele Projekte sind vertraglich langfristig abgesichert. Unsicherheiten im Nahen Osten sorgen zwar für höhere Energiepreise und damit für Nervosität, ändern unseres Erachtens aber derzeit nichts am insgesamt soliden globalen Wachstum.
Auch die historische Entwicklung spricht dafür, dass die Korrektur nur vorübergehend ist. Historisch betrachtet entwickeln sich die Aktien- und Anleihemärkte nach US-Zwischenwahlen typischerweise insgesamt eher positiv, weil die politische Unsicherheit abnimmt und sich die Märkte wieder stärker auf Fundamentaldaten konzentrieren. Allerdings kommt es nach den Wahlen meist zuerst zu einer Phase der Neuorientierung und höherer Volatilität.
Für Zukäufe braucht es klarere Kaufsignale
Angesichts der bereits hohen Kursverluste bei Halbleitern, gesunkener Bewertungen und eines deutlich erhöhten Volatilitätsindex (VIX) erwarten wir mittelfristig eine Erholung. Größere Zukäufe tätigen wir jedoch noch nicht – hier warten wir noch auf klarere Kaufsignale seitens unserer technischen und Sentiment-Indikatoren.- Ende der Nachricht
Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder (Swisscanto/ZKB) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar (Swisscanto/ZKB)
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