16.06.2004
Harmssen: Zeit für die Energiewende im Fondsdepot?
Köln, den 16.06.2004 (Investmentfonds.de) - Früher diskutierten Fondsexperten
über „New Economy“ und „Old Economy“. Angesichts des steigenden Ölpreises
stellen Anleger sich jetzt die Frage: „Old Energy“ oder „New Energy“?
Dachfonds-Berater Ulrich Harmssen sagt: Die Zeit für die Energiewende im
Portfolio ist noch nicht gekommen. Zurzeit profitieren Anleger am
meisten mit einem Mix aus konventionellen und alternativen Energien.
„Das Zeitalter der erneuerbaren Energien hat begonnen“, sagte Bundesumweltminister
Jürgen Trittin zum Abschluss der Internationalen Konferenz für erneuerbare Energien am
4. Juni 2004 in Bonn. Die Vertreter von 145 Staaten haben sich zu einem Aktionsplan
verpflichtet, um sich aus der Abhängigkeit von den nicht regenerativen Energien zu
befreien. Ist jetzt auch für Fondsanleger der Zeitpunkt gekommen, um von „Old Energy“
auf „New Energy“ umzustellen? Ulrich Harmssen, Geschäftsführer von Fonds Select
Worpswede, sagt: „Für eine Energiewende im Fondsdepot ist es noch zu früh. Zurzeit
können Anleger sowohl vom steigenden Ölpreis profitieren als auch bereits mit den
Unternehmen Erträge erzielen, die im Bereich der alternativen Energien tätig sind.“
Auch wenn sich der Ölpreis zwischendurch von seinem Höchststand entfernt: An einem
langfristigen Preisanstieg führe, so Harmssen, kein Weg vorbei. Denn die Ölreserven
sind begrenzt, und die Förderung wird immer aufwändiger und somit teurer. Gleichzeitig
steigt die Rohstoff-Nachfrage rasant, allen voran durch die aufstrebenden Industrien
Chinas und auch Indiens. Die Bedrohung durch mögliche Terroranschläge auf
Förderanlagen tut ein Übriges. Dass der Terror-Risikozuschlag vom Ölpreis abfällt,
damit ist angesichts der geopolitischen Risiken auf absehbare Zeit nicht zu rechnen.
Noch steigen die Gewinnmargen der Ölkonzerne
Mit Fonds, die sich auf „Old Energy“, also auf nicht regenerative Energien, konzentrieren,
können Anleger zurzeit noch vom steigenden Ölpreis profitieren. Denn: Je höher der
Ölpreis, desto höher die Gewinnmargen für die Rohstoffkonzerne und ihre Zulieferer.
Doch auch die Kurse der Unternehmen im Bereich der alternativen Energien erhalten an
der Börse, an der bekanntlich die Zukunft gehandelt wird, bereits jetzt Auftrieb. Als
Berater der drei Dachfonds Fonds Select Aggressive, Fonds Select Systematic und Fonds
Select Defensive setzt Harmssen zurzeit noch auf einen Mix aus Old und New Energy.
Dabei favorisiert er mit dem Merrill Lynch New Energy Fund und dem Merrill Lynch
World Energy Fund gleich zwei Fonds derselben Gesellschaft. Harmssen: „Merrill Lynch
hat als eines der ersten Häuser die Zeichen der Zeit erkannt und die besten Experten im
Bereich der Rohstoff- und Energieaktien verpflichtet.“ Das Engagement im Merrill
Lynch World Energy Fund, der sich unter anderem auf den Ölsektor konzentriert, sieht
Harmssen jedoch zeitlich begrenzt: „Sobald sich der Zeitpunkt abzeichnet, ab dem sich
Energie auf alternativem Wege preiswerter erzeugen lässt als durch nicht regenerative
Methoden, wird es Zeit, sich von Ölaktien zu trennen.“ Dass es früher oder später zu
dieser Energiewende kommt, steht für Harmssen außer Frage. Denn während die
Erdölförderung immer aufwändiger wird, sinken die Kosten für die Energiegewinnung
aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse laufend. „Bei der Umstellung auf New Energy
werden Anleger übrigens auf einige alte Bekannte treffen“, so Harmssen: „Zu den
Pionieren in der Entwicklung alternativer Brennstofftechnologien zählt beispielsweise
der Automobilkonzern Daimler Chrysler. Und die Ölkonzerne Shell und BP gehören zu
den Vorreitern im Bereich Solarenergie.“
Regelmäßig Ölstand im Fondsdepot kontrollieren
So lange die Wirtschaft vom Rohstoffmarkt abhängig ist, empfiehlt Harmssen Anlegern,
ihr Depot regelmäßig auf Korrelationen zu überprüfen. „Genauso wie Autofahrer alle
15.000 bis 20.000 Kilometer den Ölstand prüfen, sollten Investoren regelmäßig den
Einfluss des Ölpreises auf ihr Fondsdepots kontrollieren.“ Dies gilt auch für Anleger,
die in internationale Fonds investieren. Sie sollten sich über die Branchen- und
Regionenstruktur auf dem Laufenden halten und sich einen Überblick über die größten
Einzeltitel verschaffen – beziehungsweise ihren Fondsberater auf Risiken ansprechen.
Wenn Fondsmanager beispielsweise aufgrund positiver Konjunkturprognosen zurzeit stark auf
zyklische Werte setzen, riskieren Anleger zum Beispiel, dass sie in den Branchen Auto-
mobile, Fluggesellschaften, Chemie und Logistik übergewichtet sind, die allesamt von
einem wieder steigenden Ölpreis stark betroffen sein werden.
Asien vom steigenden Ölpreis besonders betroffen
Anleger, die für die kommende Zeit mit einem steigenden Ölpreis rechnen, müssen
zudem davon ausgehen, dass sich dieser auf die Anlageregion Asien besonders stark
auswirkt. Denn, so Harmssen, aufgrund des dynamischen industriellen Wachstums hat
Asien künftig besonderen Ressourcen-Bedarf. Diesen kann – mit Ausnahme Indonesiens
und Malaysias – kein asiatischer Staat durch eigene Quellen stillen. In abgemildertem
Ausmaß wirkt sich der hohe Preis des Öls, das als Schmierstoff für die Wirtschaft gilt,
zwangsläufig negativ auf das Wirtschaftswachstum weltweit aus. Die Internationale
Energie Agentur (IEA) hat ermittelt, dass das Wirtschaftswachstum der Industrieländer
durch eine dauerhafte Ölpreiserhöhung um 10 US-Dollar pro Barrel um 0,4 Prozent
gedämpft wird. Den langfristigen wirtschaftlichen Aufschwung sieht Harmssen dadurch
nicht gefährdet. „Dank alternativer Energien wird es der Wirtschaft langfristig ge-
lingen, ihre Abhängigkeit von den schwindenden Ölressourcen zu überwinden.“
Ulrich Harmssen, Geschäftsführer von Fonds Select Worpswede und Direktor im
Portfoliomanagement der Kapitalwerk AG, ist Fund Advisor für die drei Dachfonds
Fonds Select Aggressive (WKN 579 221), Fonds Select Systematic (WKN 930 895) und
Fonds Select Defensive (WKN 579 220) der Verwaltungsgesellschaft Merck Finck Fund
Managers Luxembourg S.A. Seit dem 01.04.2004 gehört Fonds Select Worpswede zur
Kapitalwerk AG, Düsseldorf. Mit einer großen Bandbreite innovativer Finanzprodukte
und Dienstleistungen ist die Kapitalwerk AG Partner und Service-Provider für unab-
hängige Finanzberater, Vermögensverwalter und Maklerpools.
Quelle: Investmentfonds.de