IfW: Weltwirtschaft - Tiefpunkt der Produktion erreicht
Nach dem massiven Einbruch im Herbst 2008 schrumpfte die Weltproduktion im ersten
Quartal 2009 nochmals sehr kräftig. Sowohl in den Industrieländern als auch in den
meisten Schwellenländern setzte sich die Talfahrt in ungebremstem Tempo fort.
Inzwischen deutet vieles darauf hin, dass sich die Weltkonjunktur im Sommerhalbjahr
2009 fängt. Allerdings erwarten wir für den Prognosezeitraum angesichts weiterhin
bestehender Belastungsfaktoren eine nur allmähliche Erholung der Weltkonjunktur.
Das globale Bruttoinlandsprodukt dürfte mit einer Rate von 2,3 Prozent im kommenden
Jahr abermals deutlich schwächer zulegen als im mittelfristigen Trend. Während wir
unsere Prognose für den Zuwachs der Weltproduktion im Jahr 2010 damit im Vergleich
zu unserer Frühjahrsprognose (2,1 Prozent) leicht aufwärts revidiert haben, hat sich
der Ausblick für den Produktionsanstieg im laufenden Jahr nochmals deutlich ver-
schlechtert. Wir erwarten nunmehr einen Rückgang der weltwirtschaftlichen Aktivität
von 1,5 Prozent (Märzprognose: –0,8 Prozent).
Nach dem massiven Einbruch der weltwirtschaftlichen Aktivität, zu dem es im Gefolge
der dramatischen Zuspitzung der Finanzmarktkrise im Herbst 2008 gekommen war,
schrumpfte die Weltproduktion im ersten Quartal 2009 nochmals sehr kräftig. Sowohl
in den Industrieländern als auch in den meisten Schwellenländern setzte sich die
Talfahrt in ungebremstem Tempo fort. Im Vorjahresgleich dürfte sich der Rückgang des
globalen Bruttoinlandsprodukts in den ersten drei Monaten dieses Jahres auf 1,8
Prozent belaufen haben (Abbildung 1). In den G7-Ländern schrumpfte das reale
Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2009 mit einer laufenden Jahresrate von
8,3 Prozent sogar noch etwas stärker als im Schlussquartal des Jahres 2008.
Getrieben wurde der Produktionseinbruch vor allem von drastischen Rückgängen bei
den Investitionen und Exporten, die aufs Jahr hochgerechnet nahezu überall mit hohen
zweistelligen Raten schrumpften.
Weltwirtschaftliche Aktivität 1998–2009

a - Auf Basis von Stimmungsindikatoren aus 41 Ländern. — b - Veränderung gegenüber dem Vorjahr; 1. Quartal 2009 teilweise geschätzt. Die schwere Rezession macht sich auf dem Arbeitsmarkt in den Industrieländern inzwischen überall deutlich bemerkbar. Gleichwohl gibt es hinsichtlich der Entwicklung am Arbeitsmarkt zwischen den einzelnen Ländern und Regionen deutliche Unterschiede. Dabei hängt das Ausmaß der Verschlechterung am Arbeitsmarkt nicht nur von der Tiefe der Rezession ab, sondern auch davon, welche Sektoren besonders betroffen sind. Sehr ausgeprägt sind Arbeitsplatzabbau und Anstieg der Erwerbslosigkeit dort, wo arbeits- intensiv produzierende Bereiche wie die Bauwirtschaft stark schrumpfen, etwa in den Vereinigten Staaten, in Spanien und Irland. Hingegen blieben die Auswirkungen am Arbeitsmarkt in den Ländern, in denen sich der Produktionsrückgang auf die Industrie konzentriert, beispielsweise in Japan oder Deutschland, bislang moderat, obwohl das reale Bruttoinlandsprodukt sogar besonders stark schrumpfte. Anzeichen für ein Ende der globalen Rezession mehren sich Eine Reihe von Indikatoren deutet inzwischen darauf hin, dass sich der Rückgang der weltwirtschaftlichen Aktivität in den vergangenen Monaten merklich verlangsamt hat. So hat sich der Welthandel nach dem dramatischen Einbruch, der in den Monaten November bis Januar verzeichnet wurde, kaum noch verringert; in den Entwicklungs- und Schwellenländern war der Außenhandel sogar in der Tendenz bereits wieder leicht aufwärts gerichtet. Gleichzeitig haben die Rohstoffpreise begonnen, sich von ihren Tiefs zu erholen. Die Industrieproduktion ging zwar in der Tendenz bis zuletzt weiter zurück, das Tempo der Abnahme hat sich jedoch seit Februar spürbar vermindert. Stimmungsindikatoren wie das Geschäftsklima und das Konsumklima haben sich gleichzeitig zumeist verbessert, wenngleich ihr Niveau nach wie vor sehr niedrig ist. Dies zeigt sich auch beim vom Institut für Weltwirtschaft ermittelten Indikator für die weltwirtschaftliche Aktivität, der für das zweite Quartal einen Anstieg ausweist. Ausblick: Konjunkturelle Talfahrt geht zu Ende, ein kräftiger Aufschwung ist aber nicht in Sicht Die kräftigen wirtschaftspolitischen Impulse und die allmähliche Stabilisierung an den Finanzmärkten sprechen dafür, dass sich die Weltkonjunktur im Sommerhalbjahr 2009 allmählich fängt, auch wenn die gesamtwirtschaftliche Produktion im zweiten Quartal in vielen Ländern nochmals gesunken sein dürfte. Häufig war in der Vergangenheit nach Rezessionen eine kräftige Erholung zu beobachten. Da die derzeitige Rezession mit einer Finanzkrise verbunden ist, ist jedoch damit zu rechnen, dass die Rezession länger dauert und schwächer ausfällt als gewöhnlich. Ein sogenannter Aufholeffekt – also eine sehr rasche Erholung nach besonders starken Produktionseinbußen – ist bei Vorliegen von Banken- und Immobilienkrisen nach den Ergebnissen einer im Rahmen dieser Prognose vorgelegten ökonometrischen Analyse unwahrscheinlich. So erwarten wir eine nur allmähliche Erholung der Weltkonjunktur. In den Industrieländern wird sich eine spürbare Zunahme der Produktion wohl sogar erst gegen Ende dieses Jahres einstellen. Der private Konsum wird gedämpft durch die sinkende Beschäftigung wohl vorerst nicht expandieren, zumal die Impulse durch den Energiepreisrückgang auslaufen. Die Unternehmensinvestitionen dürften angesichts der extrem niedrigen Kapazitätsauslastung und schwierigen Finanzierungsbedingungen vorerst sogar noch weiter deutlich eingeschränkt werden. Verbessert haben sich die Aussichten für einen baldigen Produktionsanstieg dadurch, dass die Lagerhaltung in den vergangenen Quartalen deutlich reduziert worden ist. Ein Umschwung bei den Lagerdispositionen könnte kurzfristig die Produktion merklich beleben und dafür sorgen, dass die konjunkturelle Erholung deutlicher ausfällt als hier erwartet. Auf der anderen Seite bestehen aber nach wie vor gravierende Abwärtsrisiken, die vor allem aus der Entwicklung an den Finanzmärkten resultieren. Für die Industrieländer insgesamt erwarten wir einen Rückgang der gesamtwirtschaft- lichen Produktion im laufenden Jahr um 3,7 Prozent. Für das kommende Jahr ist mit einem Anstieg um 0,6 Prozent zu rechen (Tabelle 1). Dabei fällt die Entwicklung in den Vereinigten Staaten mit einer Abnahme von 2,5 Prozent in diesem und einem Anstieg von 1 Prozent im nächsten Jahr noch relativ günstig aus, auch weil hier der Außen- beitrag stützend wirkt. Deutlich stärker ist der Einbruch der Produktion mit voraus- sichtlich 7,1 Prozent in Japan; im kommenden Jahr wird hier wohl kaum schon ein nennenswerter Produktionszuwachs zu verzeichnen sein. Dramatisch sind in diesem Jahr auch die Produktionseinbußen in der EU. Das reale Bruttoinlandsprodukt geht insgesamt um 4 Prozent zurück, im Euroraum fällt der Rückgang sogar noch geringfügig höher aus. Dies ist freilich vor allem dem besonders starken Einbruch in Deutschland geschuldet; im Euroraum ohne Deutschland schrumpft die Produktion 2009 voraussichtlich „lediglich" um 3,7 Prozent. Für das kommende Jahr erwarten wir einen geringfügigen Anstieg der Produktion. Die Arbeitslosigkeit steigt im laufenden Jahr in allen Industrieländern deutlich, und sie nimmt auch im nächsten Jahr im Jahresdurchschnitt noch zu.
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In den Schwellenländern dürfte die konjunkturelle Erholung eine vergleichsweise hohe Dynamik entfalten, wenngleich die Zuwachsraten der Produktion auch hier im Vergleich mit denen im vorangegangenen Aufschwung gering ausfallen werden. Insgesamt dürfte das globale Bruttoinlandsprodukt mit einer Rate von 2,3 Prozent im kommenden Jahr nochmals deutlich schwächer zulegen als im mittelfristigen Trend. Für das laufende Jahr erwarten wir einen Rückgang der Weltproduktion um 1,5 Prozent. Die nur mäßige Dynamik der Weltkonjunktur spiegelt sich auch in der Entwicklung des Welthandels, der nach dem Einbruch in diesem Jahr (–14 Prozent) im Jahr 2010 zwar wieder zulegen wird, jedoch ebenfalls mit einer im historischen Vergleich schwachen Rate von 3 Prozent. Angesichts einer weiter sinkenden Auslastung der weltweiten Produktionskapazitäten dürfte die Inflation 2010 trotz wieder höherer Rohstoffpreise kaum steigen. Reales Bruttoinlandsprodukt und Verbraucherpreise in ausgewählten Ländern und Regionen 2008–2010 (Vorjahresvergleich in Prozent)
Kurzfassung Kieler Diskussionsbeitrag 466/467 von Jens Boysen-Hogrefe,
Klaus-Jürgen Gern, Nils Jannsen, Björn van Roye und Joachim Scheide
„Weltwirtschaft: Tiefpunkt der Produktion erreicht".
Fachliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Joachim Scheide
Tel: 0431-8814-264
joachim.scheide@ifw-kiel.de
Dr. Klaus-Jürgen Gern
Tel: 0431-8814-262
klaus-juergen.gern@ifw-kiel.de
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