Börsen-Zeitung: Europäische Rosinen, Kommentar zu Euro-Rettungsaktionen von Bernd Wittkowski
Die neunmalklugen Urheber all dieser Konzepte übersehen geflissentlich deren übereinstimmenden Grundfehler: Etliche Euro-Partner bekämen gerne von den Deutschen den Pelz gewaschen, wollen dabei aber auf keinen Fall nass werden. Mit anderen Worten: Jedwede Hilfe zulasten der Haushalte stärkerer Mitgliedsländer wird dankend angenommen. Aber dafür über die Geldpolitik hinaus nationale Hoheitsrechte aufgeben? Gott behüte! Dass der Euro ohne flankierende politische Integration auf Dauer nicht bestehen kann, gehört zu den Binsenweisheiten schon der neunziger Jahre. Zu dem weitergehenden Souveränitätsverzicht, den eine politische Union verlangt, war und ist indes niemand bereit. Da hat Sigmar Gabriel völlig recht: Eine stärkere Integration der Wirtschafts- und Finanzpolitik sei die einzige Chance, den Euro zu stabilisieren. "Danach kann man dann entscheiden, über welche Instrumente (...) das gemacht wird." Gut gebrüllt, Löwe. Nur: Wie viel Zeit hätte der SPD-Chef gerne für die Vertragsänderung? Reichen zehn Jahre, oder dürfen es ein paar mehr sein?
Fest steht: Europa ist kein Kuchen, aus dem sich jeder seine Rosinen herauspicken kann, und am Ende verliert Deutschland. Originaltext: Börsen-Zeitung Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/30377 Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_30377.rss2 Pressekontakt: Börsen-Zeitung Redaktion Telefon: 069--2732-0 www.boersen-zeitung.de
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