Ophirum | Am Ende führt an Gold kein Weg vorbei
Önder Çiftçi, CEO der Ophirum Group
Im Juni hat der Goldpreis kräftig Federn gelassen – und zwar aus guten Gründen. Mittel- und langfristig aber bleibt der Aufwärtstrend aus ebenso guten Gründen intakt. Kurzfristig wird hingegen entscheidend sein, wie sich Zinsen, Staatsverschuldung, Konjunktur und die geopolitischen Konflikte entwickeln.
Investmentfonds.de - Frankfurt, 07. Juli 2026 – Kein guter Monat für Gold-Investoren, schließlich hat das Edelmetall im Juni sein Plus seit Jahresbeginn endgültig verbraucht und liegt jetzt gemessen am Goldpreis vom Neujahrstag rund sieben Prozent im Minus. Noch dramatischer erscheint die Lage, wenn man sich das Minus vom Allzeithoch am 29. Januar 2026 vergegenwärtigt. Vom Rekord bei 5.595 Dollar je Feinunze ging es Ende Juni zeitweise bis auf weniger als 4.000 Dollar runter – ein Minus von gut 28 Prozent. Aktuell notiert Gold wieder leicht oberhalb dieser Marke, doch die Zitterpartie ist noch nicht vorbei. Dabei sind die Aussichten für das Edelmetall weiterhin vielversprechend.
Zunächst bleibt festzuhalten, dass das Rekordhoch Ende Januar in der Rückschau als spekulative Übertreibung bewertet werden könnte. Immerhin hatte Gold da schon zwei Rekordjahre hinter sich, in denen der Kurs von 2.044 auf 4.348 Dollar je Feinunze kletterte – ein Plus von 127 Prozent bis Jahresbeginn 2026. In den folgenden vier Wochen bis zum Allzeithoch ging es recht rasant um weitere 28 Prozent aufwärts. Dass vor diesem Hintergrund eine Korrektur auch kräftiger ausfallen kann, sollte daher keine allzu große Überraschung sein.
Kräftige Korrektur im langfristigen Aufwärtstrend
Dass der Goldkurs korrigierte, kommt natürlich nicht von ungefähr. Da wäre zum einen der neue US-Notenbankchef, Kevin Warsh, der zunächst einmal einen restriktiveren Kurs einschlägt, als viele Experten vorab vermutet haben. Heißt: Eine zeitnahe Zinssenkung der Fed erscheint aktuell sehr unwahrscheinlich, eine Zinserhöhung hingegen liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Die Sorgen um einen Verlust der Unabhängigkeit der Federal Reserve, aktuell unangemessene Zinssenkungen und einen drohenden Wertverlust des Dollars, die den Goldpreis weiter gestützt hätten, sind damit erst einmal vom Tisch.Mit ausbleibenden Zinssenkungen und wahrscheinlicher werdenden Zinserhöhungen stiegen auch die Renditen am Rentenmarkt. US-Staatsanleihen sind damit im Vergleich zum unverzinsten Gold attraktiver geworden. Zusätzlich belastend für Gold wirkte auch die Blockade der Straße von Hormus als Nadelöhr im globalen Ölhandel. Mit der Ölknappheit stieg auch der Ölpreis, der wiederum die Inflation in die Höhe trieb. Das wäre normalerweise ebenso wie der Krieg im Nahen Osten mit Rückenwind für den Goldpreis einhergegangen. International war jedoch mit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran zunächst der US-Dollar gefragt, weil Öl nun einmal in Dollar gehandelt wird und viele Staaten auf Öllieferungen aus dem Ausland angewiesen sind. Goldverkäufe von Rohstoffinvestoren zur Liquiditätsbeschaffung belasteten daher den Preis für das Edelmetall.
Seitdem blickt der Markt besonders argwöhnisch auf die Entwicklung von Inflation, Zinsen und Anleiherenditen sowie den Außenwert des US-Dollars. Andere Faktoren, die normalerweise den Goldpreis ebenfalls stark beeinflussen können, sind demgegenüber aktuell ein wenig in den Hintergrund gerückt. Dabei sind die Faktoren, die langfristig für einen steigenden Goldpreis sorgen sollten, weiterhin intakt.
Investoren kommen an Gold nicht vorbei
Vor allem die Bemühungen zahlreicher Notenbanken weltweit, sich weniger abhängig vom US-Dollar zu machen, könnten dem Goldkurs auf lange Sicht Rückenwind verleihen. Seit Jahren stocken Staaten wie China, Indien, Brasilien oder Polen ihre Goldreserven auf und verkaufen im Gegenzug auf Dollar lautende Anleihen, insbesondere US-Staatsanleihen. In den vergangenen drei Jahren kauften Notenbanken in Summe und pro Jahr rund 1.000 Tonnen Gold mehr als sie verkauften. Und: Laut Umfrage des World Gold Council geben mindestens 43 Prozent der Notenbanken weltweit an, ihre Goldreserven weiter aufbauen zu wollen. Vom nach wie vor großen Nachholbedarf der betreffenden Staaten könnte der Goldpreis noch auf Jahre hinaus profitieren.Daneben sprechen auch die anhaltenden geopolitischen Konflikte und konjunkturelle Unsicherheiten weiterhin für Gold, da Kriege in der Regel die Staatsverschuldung erhöhen, Lieferketten stören, den internationalen Handel erschweren und so unter dem Strich die Wirtschaft belasten und die Inflation befeuern.
Analysten sehen Langfristtrend ungefährdet
Und noch etwas sollte Goldanleger optimistisch stimmen: Die Analysten großer Investmentbanken halten an ihrem positiven Goldausblick fest, wenngleich sie ihre Zielprognosen für das Jahresende reduziert haben. So erwartet etwa Goldman Sachs bis Jahresende immer noch einen Goldpreis von 4.900 US-Dollar; das sind zwar 400 Dollar weniger als zuvor geschätzt, aber immer noch mehr als 800 Dollar über dem aktuellen Kurs. JP Morgan erwartet im laufenden Jahr 5.000 Dollar, die Deutsche Bank bis zu 4.800 Dollar. Die Bank of America rechnet mittelfristig sogar mit einem Preis von 6.000 Dollar je Feinunze. Ob die Banken mit ihren Prognosen richtig liegen, ist ungewiss und spielt auch keine allzu große Rolle. Entscheidender ist vielmehr, dass institutionelle Investoren auf mittlere und lange Sicht positiv für Gold gestimmt sind – und zwar aus guten Gründen.- Ende der Nachricht
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