Capital | Ölpreis setzt Abwärtstrend fort, nachdem Einzelheiten zur US-iranischen Absichtserklärung (MOA) bekannt wurden
Kyle Rodda, Senior Finanzmarkt Analyst der Capital.com
- Wall Street gibt nach und der Dollar steigt angesichts eines „hawkish“ auftretenden Warsh
Auch wenn die übergeordneten Fragen langfristig von größerer Bedeutung sein dürften, lautete die entscheidende Frage für die Märkte kurzfristig: Ist Warsh jener „Falke“, der er während seiner Zeit als Notenbankgouverneur in den 2000er Jahren war, oder jene „Taube“, als die er sich – zumindest dem Anschein nach – präsentierte, um die Nominierung durch US-Präsident Donald Trump zu erhalten? Vielleicht gilt hier das Prinzip, dass ein Falke – ebenso wenig wie ein Leopard seine Flecken – sein Gefieder nicht ändert. Neben einem auf das Wesentliche beschränkten, marktwirtschaftlichen Ansatz für die Zentralbankpolitik skizzierte Kevin Warsh die Vision einer auf die Inflation fokussierten Fed, deren vorrangiges Ziel es ist, den Preisanstieg wieder unter Kontrolle zu bringen. Die von der Fed veröffentlichten Wirtschaftsprognosen enthielten eine Anhebung der Inflationserwartungen sowie die sogenannten „Dot Plots“ – deren Aussagekraft zwar umstritten ist, die aber zeigten, dass die Hälfte der FOMC-Mitglieder eine Zinserhöhung noch vor Jahresende für wahrscheinlich hält. Infolge dieser Entwicklung erhöhte der Markt die implizite Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf 90 %, was die Kurse von Aktien und Gold unter Druck setzte und den Dollar nach oben trieb.
Die Volatilität bei den Zinssätzen und die Risikoaversion an den breiteren Märkten lassen einen schwachen Start für die asiatische Region erwarten. Die Märkte werden weiterhin die Auswirkungen von Warshs erstem Auftritt am gestrigen Abend einpreisen. Besonderes Augenmerk dürfte auf dem Währungspaar USD/JPY liegen: Nach den Sitzungen der US-Notenbank (FOMC) und der Bank of Japan zu Wochenbeginn ist der Kurs wieder auf ein Niveau geklettert, bei dem das japanische Finanzministerium in der Vergangenheit interveniert hat. Natürlich bestehen weiterhin erhebliche geopolitische Risiken, die auch künftig das Marktgeschehen maßgeblich beeinflussen werden. Die Rohölpreise setzen ihren Abwärtstrend fort und nähern sich dem kritischen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt; die Märkte reagieren damit auf Einzelheiten einer Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran, die über Nacht an die Öffentlichkeit gelangt ist und voraussichtlich morgen unterzeichnet werden soll.
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