Capital | EZB steckt zwischen den Szenarien von 2011 und 2022 fest
Daniela Hathorn, Senior Finanzmarkt Analystin der Capital.com
Investmentfonds.de | Die EZB vollzog die weithin erwartete Zinserhöhung um 25 Basispunkte und hob den Einlagensatz auf 2,25 % an; die begleitende Erklärung verdeutlicht jedoch, wie schwierig das geldpolitische Umfeld mittlerweile ist. Die Entscheidungsträger verwiesen ausdrücklich auf den Konflikt im Nahen Osten als Quelle für erneuten Inflationsdruck und hoben ihre Inflationsprognosen sowohl für 2026 als auch für 2027 an – maßgeblich bedingt durch die Auswirkungen hoher Energiepreise, die sich auf die Preise für Lebensmittel, Waren und Dienstleistungen niederschlagen. Zugleich räumte die EZB ein, dass die Wachstumsrisiken weiterhin nach unten gerichtet sind, womit die Eurozone mit einer zunehmend unangenehmen Mischung aus schwächerem Wachstum und höherer Inflation – einer Stagflation – konfrontiert ist. Der interessanteste Aspekt dieser Entscheidung ist der Balanceakt, den die EZB zu vollziehen versucht.
Die Entscheidungsträger sind offensichtlich entschlossen, die Fehler des Jahres 2022 nicht zu wiederholen – damals wurde die Inflation zunächst als vorübergehend eingestuft, und die EZB sah sich heftiger Kritik ausgesetzt, weil sie zu langsam reagierte, als sich der Preisdruck in der Wirtschaft festsetzte. Die heutige Erklärung spiegelt diese Sorge wider; sie verweist wiederholt auf Aufwärtsrisiken für die Inflation und betont einen geldpolitischen Kurs, der „über eine Reihe von Szenarien hinweg robust“ ist. Mit anderen Worten: Die EZB scheint eher bereit zu sein, eine übermäßige Straffung der Geldpolitik in Kauf zu nehmen, als erneut die Kontrolle über die Inflationserwartungen zu verlieren.
Über dieser Sitzung schwebt jedoch auch der Geist des Jahres 2011. Damals hatte die EZB die Zinsen als Reaktion auf einen durch die Energiepreise ausgelösten Inflationsschock angehoben, musste diesen Kurs jedoch wenige Monate später wieder korrigieren, als sich die Schuldenkrise in der Eurozone verschärfte und das Wachstum nachließ. Das aktuelle Umfeld weist gewisse Ähnlichkeiten auf. Ein Großteil des Inflationsdrucks ist erneut auf die Energiemärkte zurückzuführen, während die wirtschaftliche Dynamik fragil bleibt. Daraus ergibt sich die reale Gefahr, dass die Geldpolitik inmitten einer Konjunkturabkühlung gestrafft wird – etwa wenn sich der Energieschock als vorübergehend erweist oder die Nachfrage stärker als erwartet einbricht. Deshalb dürfte die Pressekonferenz letztlich wichtiger sein als die Zinserhöhung selbst. Die Zinsanhebung war bereits vollständig eingepreist; die Marktreaktion wird wohl davon abhängen, ob es Christine Lagarde gelingt, einen wirklich neutralen Ton zu wahren.
Die Erklärung tendiert bereits zu einer restriktiven Haltung, betont jedoch zugleich wiederholt die Unsicherheit, die Datenabhängigkeit und das Vorgehen von Sitzung zu Sitzung. Sollte Lagarde den Schwerpunkt auf Inflationsrisiken legen und sich weitere Zinserhöhungen offenhalten, könnten die Märkte dies als Zeichen dafür werten, dass die EZB den Lehren aus dem Jahr 2022 Vorrang einräumt. Widmet sie sich hingegen verstärkt den Wachstumsrisiken und der Unsicherheit, dürften Investoren daraus schließen, dass die EZB zunehmend darauf bedacht ist, den Fehler von 2011 nicht zu wiederholen.
Letztlich besteht die Herausforderung für die EZB darin, dass beide historischen Parallelen von Bedeutung sind. Die Inflation ist nach wie vor zu hoch, um sie zu ignorieren, doch das Wachstum bleibt zu schwach, um es außer Acht zu lassen. Die Zentralbank versucht, den schmalen Grat zwischen zu spätem Handeln und einem zu aggressiven Vorgehen zu meistern; in einem Umfeld, in dem sich Energiepreise, geopolitische Lage und Inflationserwartungen rasch ändern können, ist der Spielraum für Kommunikationsfehler außerordentlich gering. Der Tonfall, den Lagarde heute Nachmittag anschlägt, könnte daher wichtiger sein als die Zinserhöhung um 25 Basispunkte an sich.
- Ende der Nachricht
Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder (Capital.com) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar (Capital.com)
****
Wie ist die Anlagestrategie der Experten aktuell?
Die INVEXTRA.COM AG hat bereits vor Monaten reagiert und die Investmaxx Stop&Go Depots ihrer Kunden in risikoärmere Anlagen umgeschichtet. „Wir beobachten die Märkte aktuell von der Seitenlinie und warten eine mögliche Korrektur ab. Erst wenn sich eine nachhaltige Lösung im Nahostkonflikt abzeichnet, werden wir wieder selektiv in Aktienmärkte einsteigen“, betont Tittes.
Das Unternehmen setzt bei seiner Vermögensverwaltung auf eine Behavioural-Finance-Strategie, die irrationale Verhaltensmuster von Anlegern und politischen Entscheidungsträgern systematisch berücksichtigt und daraus entstehende Preisanomalien gezielt nutzt, , um rechtzeitig auszusteigen aus Aktienmärkten oder später zu günstigeren Kursen wieder einzusteigen. So konnten die Investmaxx Stop&Go Offenisve Depots seit 1996 ein besseres Rendite-Risikoverhältnis erzielen als der Dax.
Diese Mitteilung stellt keine Anlageberatung dar. Eine persönliche und unabhängige Beratung erhalten Anleger ausschließlich im Rahmen einer qualifizierten Finanzberatung.
>>> Spezialisierte Experten für Fonds und ETFs entwickeln individuelle, global diversifizierte Portfolios, die auf wachstumsstarken Weltmärkten basieren und darauf ausgerichtet sind, Vermögen langfristig vor Krisen und Inflation zu schützen.
INVESTMENTFONDS.DE
TOP Fonds / ETF Vergleich - Wertentwicklung
INVESTMENTFONDS.DE Hinweise in eigener Sache:
*** - Anzeige - Newsletter | Aktuell | Kostenlos
Jetzt kostenlos den wöchentlichen Newsletter mit den aktuellsten Markteinschätzungen und Marktanalysen erhalten!
Interesse auf den Blick in die Zukunft der nächsten Börsenriesen?
Hier einfach mit Email registrieren! Jederzeit kündbar.
- Ende Anzeige -
***
Disclaimer: Diese Meldung ist keine Empfehlung zu einer Fondsanlage und keine individuelle Anlageberatung. Vor jeder Geldanlage in Fonds sollte man sich über Chancen und Risiken beraten und aufklären lassen. Der Wert von Anlagen sowie die mit ihnen erzielten Erträge können sowohl sinken als auch steigen. Unter Umständen erhalten Sie Ihren Anlagebetrag nicht in voller Höhe zurück. Die in diesem Kommentar enthaltenen Informationen stellen weder eine Anlageempfehlung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Handel mit Anteilen an Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar.
Risikohinweis: Die Ergebnisse der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Ergebnisse. Die Aussagen einer bestimmten Person geben deren persönliche Einschätzung wieder. Die zur Verfügung gestellten Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen keine Beratung dar.
News zum Thema
Weitere News auswählen
Fonds suchen + kaufen
Die Fonds kann jeder selber aussuchen, das Depot direkt online eröffnen oder die Unterlagen per Post einreichen und anschließend mit dem Fondskauf starten. Wir bieten dazu eine umfangreiche Auswahl.