Bank Sarasin: Wann ist die Finanzkrise zu Ende?
jan aMrit posER, Chefökonom der Bank Sarasin & Cie AG
Köln, den 15.02.2011 (Investmentfonds.de) - Im Zuge der Kreditblase des letzten
Jahrzehnts hatten sich die Privathaushalte in vielen Ländern zu stark verschuldet
und die Banken ihre Bilanzen entsprechend zu stark ausgeweitet. Die Folgen –
Überkonsum und Investitionsexzesse – begannen sich nach dem Platzen der Blase
abzubauen: Konsum- und Hypothekarschulden mussten zurückbezahlt, Bankbilanzen
reduziert werden. Um den sich daraus ergebenden mächtigen Abwärtskräften entgegen
zu wirken, erhöhte der Staat seine Nachfrage. Der Teufel wurde mit dem Beelzebub
ausgetrieben. Die privaten Konsumschulden sind in den USA um 20 Prozent vom
Bruttoinlandsprodukt (BIP) gesunken, während die Staatsverschuldung im gleichen
Zeitraum um 30 Prozent vom BIP ausgeweitet wurde. Es wäre jedoch verfehlt, diese
Politik als falsch zu verurteilen. Ohne die staatliche Nachfragepolitik wäre
die Rezession viel tiefer gewesen. Wenn der Aufschwung rechtzeitig selbsttragend
wird, können auch die staatlichen Defizite wieder zurückgefahren werden.
Tatsächlich hängt der Aufschwung in der Weltwirtschaft maßgeblich noch immer
am Tropf der expansiven Geld- und Fiskalpolitik. Damit er nachhaltig werden kann,
muss Gegenwind von der Kreditseite aufhören. Dafür müssen folgende Bedingungen
erfüllt sein: Erstens sollten die Banken ihre Kreditkonditionen lockern, zweitens
müssen die Unternehmen wieder gewillt sein zu investieren, drittens sollten die
Konsumschulden auf ein tragbares Niveau abgebaut werden und viertens sollte
der Immobilienmarkt seinen Boden finden und die Hypothekarverschuldung nicht
mehr fallen. Wie steht es um diese Bedingungen?
Die letzten Umfragen unter den Banken geben uns klare Signale, dass die Bilanzre- duktionsbemühungen die Kreditvergabe in immer geringeren Maß dämpfen. Der Senior Loan Officer Survey (SLO) unter den US-Banken zeigt eine weitere Lockerung der Kreditstandards an und eine entsprechende Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) unter den Geschäftsbanken deutet darauf hin, dass sich die Finanzierungs- bedingungen verbessert haben. Sowohl der SLO in den USA als auch die EZB-Umfrage verzeichnet eine erhebliche Zunahme des Interesses von Unternehmen. Auch die Konsumenten scheinen aufgrund der Arbeitsmarktverbesserung mehr Zuversicht gefasst zu haben. Die Konsumkredite verzeichnen in den USA seit fünf Monaten wieder einen Zuwachs und geben dem Wachstum erstmals seit 2008 wieder Rückenwind. Das einzige ungelöste Problem bleibt somit der US-Immobilienmarkt. Trotz der kräftigen Reduktion der Hypothekarschulden sind diese noch weit auf einem nachhaltig tragbaren Niveau angelangt. Wenn der Hypothekarschuldenabbau mit dem gegenwärtigen Tempo weitergeht, sollte der Boden ab Mitte Jahr 2011 sichtbar werden, so dass der Aufschwung bis Ende des Jahres selbsttragend werden kann. Das wäre der Moment, an dem die Finanzkrise ihr endgültiges Ende findet.
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