Templeton: Indische Aktien 2011 – uneinheitliche Trends, Qualität könnte sich durchsetzen
SUKUMAR RAJAH, Managing Director und Chief Investment Officer Franklin Asian
Equity Franklin Templeton India AMC Ltd.
Köln, den 18.02.2011 (Investmentfonds.de) - Wir gehen davon aus, dass sich bei
indischen Aktien 2011 uneinheitliche Trends ergeben werden, da die Wertentwicklung
der Aktien je nach ihren Fundamentaldaten unterschiedlich verlaufen dürfte. Einige
Unternehmen profitierten vom Konsolidierungstrend 2010 und investierten in ihre
Marken und Anlagen – bei diesen dürften sich die Fundamentaldaten (und somit ihre
Aktienkurse) nach unserer Meinung verbessern. Allerdings erlebten andere Unter-
nehmen steigende Aktienkurse primär aufgrund der anziehenden Wirtschaftsaktivität,
aber sie bauten keine nachhaltigen Wettbewerbsvorteile auf, und ihre Aktienkurse
könnten auf der Strecke bleiben.
Der Bankensektor steht beispielhaft für diese Entwicklungen. Wir gehen davon aus,
dass die Wertentwicklung der indischen Banken von vier Faktoren bestimmt wird:
Gesamtwachstum, Qualität der Vermögenswerte, Zinsen und dem Zusammenspiel zwischen
der Aufsichtsbehörde und der Qualität der Geschäftsleitung. Obwohl das Kredit-
wachstum und das Einlagenwachstum zufrieden stellen, entwickelt sich die Qualität
der Vermögenswerte bei indischen Banken unterschiedlich. Einige Banken zeigen
Verbesserungen, andere lassen eine Verschlechterung erkennen. Die nun steigenden
Zinsen lassen gewisse Zweifel über die Nachhaltigkeit des Wachstums aufkommen.
Was die Qualität der Geschäftsleitung betrifft, so haben die meisten Banken des Privatsektors angemessen abgeschnitten, aber einige staatliche Banken sind in Korruptionsvorwürfe verwickelt. Daher dürfte die Performance auch künftig unter- schiedlich verlaufen. Wir werden wohl kaum die sehr ausgeprägte Rally bei Bank- aktien erleben wie in den beiden letzten Jahren. Aus der allgemeinen Anleger- perspektive fühlen wir uns mit Privatbanken wohler als mit Staatsbanken. Obwohl Indien über einige gut geführte Staatsbanken verfügt, meinen wir, dass diese erst einmal verschiedene Strukturprobleme lösen müssen, bevor sie für uns unter langfristigen Gesichtspunkten attraktiv erscheinen. Die indische Zentralbank hat diese Probleme erkannt. Sie muss nach unserer Meinung mit Regierung und dem Bankensystem zusammen arbeiten, um diese strukturellen Probleme zu bereinigen. Im Gesundheitssektor wird in indischen Firmen viel über Pharma-Outsourcing ge- sprochen. Wir halten dies nicht für eine neue Geschichte. Dieser Trend setzte sich in den letzten 10 Jahren fort. Einige globale Märkte importieren nun Pharmaprodukte. Zwar haben einige indische Unternehmen von diesem Trend profitiert, aber nur wenige haben allein durch Exporte eine konsistente Gewinnsteigerung erzielt. Daher wird es wohl viel länger dauern, bis indische Unternehmen zu wichtigen Größen am globalen Markt für Pharmazeutika werden. Bis dahin wird wohl der Status Quo andauern, mit entsprechenden Differenzierungen in diesem Sektor. Einige indische Pharma- Unternehmen werden profitieren, aber ihre Gewinne dürften aufgrund der Exporte wohl volatil verlaufen. Wir meinen, dass der Binnenmarkt als ein größerer und wichtigerer Treiber der indischen Pharma-Aktien anzusehen ist. Dort erkennen wir Chancen für ein schnelleres Wachstum, das aus den steigenden Prokopf-Einkommen und der expandierenden Mittelschicht entsteht. Daher meinen wir, dass Pharma-Unternehmen mit einem Fokus auf den Binnenmarkt besser positioniert sind, um von dieser Chance zu profitieren. Insgesamt gehen wir davon aus, dass der Trend, den wir bereits 2010 herausgestellt haben – die Flucht in die Qualität – länger anhalten könnte als bisher erwartet. Möglicherweise treibt dies die Outperformance von Aktien besserer Qualität in der ersten Jahreshälfte 2011 in die Höhe.
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