Bank Sarasin: Ausverkauf bei US-Staatsanleihen?
Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank Sarasin & Cie AG
Köln, den 03.05.2011 (Investmentfonds.de) - Die US-Notenbank hat an ihrer
Sitzung letzte Woche nochmals bekräftigt, dass sie das zweite Kaufprogramm für
US-Staatsanleihen (QE2) einstellen möchte. Wenn die US-Notenbank ab Juli keine
Staatsanleihen mehr kauft, fällt jedoch ein großer Teil der bisherigen Nachfrage
weg. Erschwerend für US-Staatsanleihen kommt hinzu, dass ihre Kreditwürdigkeit
zunehmend kritisch beurteilt wird. Die Rating-Agentur S&P hat den Ausblick
bezüglich künftiger Rating-Veränderungen für US-Staatsanleihen auf negativ
zurückgestuft. Droht nun ein Ausverkauf am US-Anleihenmarkt und damit ein
starker Anstieg der Renditen?
Ein Blick zurück auf das erste Anleihenkauf-Programm der US-Notenbank von Ende
2008 bis in das Frühjahr 2010 (QE1) und auf den Beginn des jetzigen Programms
im November des letzten Jahres deutet jedoch nicht auf einen bevorstehenden
Bond-Crash hin. Vor dem Beginn beider Programme war jeweils ein starker Rückgang
in den Anleihenrenditen zu beobachten. In diesen Phasen war die Angst vor einer
Deflation in den USA stark ausgeprägt. Nach dem Startschuss zu den Programmen
sind die Renditen trotz der zusätzlichen Nachfrage nach Anleihen durch die
US-Notenbank aber jeweils gestiegen. Die Erwartung, dass die US-Notenbank alles
unternimmt, um eine Deflation zu verhindern, hat die zusätzliche Nachfrage der
US-Notenbank mehr als nur kompensiert. Die Erfahrungen aus den letzten zweieinhalb
Jahren lassen den Schluss zu, dass die Konjunkturerwartungen – insbesondere
Deflations- und Inflationserwartungen – weit wichtiger sind als Nachfrage und
Angebot. Der graduelle Anstieg der Kerninflation und der robuste Konjunkturaus-
blick deuten zwar auf höhere Renditen im Verlaufe des Jahres hin. Ein Ausverkauf
im Anleihenmarkt ist aber nicht zu erwarten, da das Ende von QE2 die Konjunktur-
erwartungen der Anleger nicht substantiell tangieren wird.
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